Unitymedia will Verschlüsselung von Digital-TV aufgeben

Köln. Im Bemühen um die Übernahme von Kabel Baden-Württemberg bietet der Kabelnetzbetreiber Unitymedia dem Bundeskartellamt weitreichende Zugeständnisse an. Die Tochter des US-Medienkonzerns Liberty Global will die digitalen TV-Programme in seinem Verbreitungsgebiet - NRW und Hessen - künftig nicht mehr verschlüsseln.

Verbraucher könnten dann Digitalprogramme frei über den Kabelanschluss empfangen, ohne wie bisher einen Unitymedia-Receiver oder eine Smartcard zu benötigen, sagte Unternehmenschef Lutz Schüler am Donnerstag in Köln. Mit dieser Maßnahme solle der Wettbewerb auf dem Markt verstärkt werden. Denn Konkurrenten - etwa Telekommunikationskonzerne - könnten dann das TV-Angebot von Unitymedia mit ihren eigenen Diensten wie Internet und Telefon bündeln.

„Damit bieten wir unseren Wettbewerbern das Digitalfernsehen gewissermaßen auf dem Silbertablett an“, sagte Schüler. „Wir hoffen, dass wir das Bundeskartellamt auf diese Weise überzeugen können.“ Falls das gelingt, könne Unitymedia die Verschlüsselung zum 1. Januar 2013 aufheben. Die Kartellwächter hatten am vergangenen Freitag Bedenken gegen die geplante Übernahme von Kabel Baden-Württemberg durch Liberty geltend gemacht. Die Behörde befürchtet, dass der Zukauf den Preiswettbewerb stark einschränken könnte. Unitymedia habe bundesweit nur Konkurrenz durch Kabel Baden-Württemberg und Kabel Deutschland. Diese drei regionalen Kabelgesellschaften lieferten sich schon jetzt in ihren Verbreitungsgebieten keinen Wettbewerb, argumentierte die Behörde.

Es geht um den Massenmarkt, auf dem das TV-Signal über Breitbandnetz besonders für Wohnungsbaugesellschaften im Paket angeboten wird. Die Mieter bezahlen den normalen Kabelanschluss über ihre Nebenkostenabrechnung; wer zusätzlich digitale Programme empfangen möchte, muss bisher über Unitymedia eine Settop-Box für 2,90 Euro im Monat beziehen. Etwa 60 Prozent der knapp 6,4 Millionen Unitymedia-Kunden seien Wohnungsmieter. Baden-Württemberg biete das Digital-TV in seinem Gebiet bereits unverschlüsselt an. Darüber hinaus sei Unitymedia bereit, seine Exklusivrechte bei Verträgen mit Wohnungsbaugesellschaften aufzugeben, sagte Schüler.

Das bedeute, dass die Gesellschaften künftig auch die Infrastruktur anderer Anbieter nutzen könnten, etwa Glasfasernetze. Außerdem soll das Eigentumsrecht an den Kabelnetzen nach Ende der Mindestlaufzeit von Unitymedia an die Wohnungsbaugesellschaft übergehen. Das Kartellamt will bis zum 15. Dezember über den Fall entscheiden. (dpa)

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