Unterwegs im Schelfeis der Arktis

Vision: Die Grafik zur Forschungsstation ist mittlerweile Realität geworden. In 25 Jahren wird sie gemäß dem Antarktis-Vertrag wieder abgebaut. (Animation: BOF Architekten Büro/Repro Polk)

In England stammt die Stahlkonstruktion für ein Foliendach aus Kaufungen. Der Familienbetrieb gehört zu den global Playern, die ihren Sitz in der Region haben.

Bauherren, Architekten und Konstruktionsbüros wissen die Erfahrung der deutschen Stahlbaufirma im Ausland zu schätzen. „Wir verfügen über eine Logistik, mit der wir internationale große Projekte reibungslos abwickeln können“, sagt Claus-Peter Hartmann, Geschäftsführer der Firma.

Genau die war für den Erfolg eines gerade abgeschlossenen Bauprojektes entscheidend. Lamparter hat im Auftrag der Bremer Firma KAEFER Construction eine Forschungsstation aus Spezialstahl gebaut – und zwar mitten in der Antarktis. Dort werden auf rund 2000 Quadratmetern künftig etwa 25 Forscher des indischen National Centre of Antarctic and Ocean Research (NCAOR) arbeiten und leben.

Brillante Logistik

200 Tonnen Stahl wurden für das Bauvorhaben in 22 Container verladen und von Südafrika aus mit einem russischen Eismeerfrachter zu den Larsemann Hills gegenüber dem australischen Kontinent gebracht. Zum 43-köpfigen Team aus Konstrukteuren und Monteuren gehören auch vier Mitarbeiter der Firma Lamparter.

In der Vorbereitung dieses Projektes nutzte das Team der Stahlspezialisten aus Kaufungen seine Erfahrung rund um die Logistik. Dazu gehören bereits im Werk eine strenge Qualitätskontrolle sowie die passgenaue Fertigung aller Teile. Beim Verladen wird akribisch geprüft, dass auch wirklich alle benötigten Teile dabei sind. Immerhin ist beim aktuellen Projekt die Station tausende Kilometer vom eisfreien Festland entfernt. Außerdem werden kniffelige Teile vormontiert - eine Maßnahme, die Probleme vor Ort erspart und für einen reibungslosen Ablauf sorgt.

Doch auch die Auftraggeberfirma hatte eine logistische Meisterleistung zu bewältigen, der Hartmann Respekt zollt: „Es muss an alles gedacht werden: vom Heftpflaster, über die Verpflegung der Mannschaft für Monate bis hin zum Mobilkran für die Montage“, sagt er.

Die Forschungsstation in der Antarktis besteht aus einem Stahltraggestell als Unterbau auf Pfosten, die im Permafrostboden verankert sind. Die mittlere Ebene besteht aus Stahlcontainern, die ein ummanteltes Stahldach bedeckt. Im Januar 2011 bekamen die Spezialisten für anspruchsvolle Stahlkonstruktionen den Auftrag zum Bau der Station. Im September war die Verladung der Teile abgeschlossen. Und seit Mitte November wurde zusammengebaut. Für die Montage waren vier Monate eingeplant, im April sollen die Forscher ihre Arbeit aufnehmen.

Documenta-Kunstwerke

Viele tausend Kilometer weiter nördlich bereitet sich dann die Stadt Kassel auf die documenta vor. Internationale Künstler präsentieren alle fünf Jahre ihre Werke in der Fuldastadt. Die weltgrößte Ausstellung für moderne Kunst ist mit der Firmengeschichte der Stahlbaufirma Lamparter eng verflochten. Die Stahlbauer haben einige weltberühmte Kunstwerke hergestellt, die heute im Besitz der Stadt Kassel sind: angefangen von der Spitzhacke am Fuldaufer, dem Rahmenbau nahe der documenta-Halle bis zum weltberühmten Man walking to the sky am Kulturbahnhof. Zwar mussten sie für diese Projekte nicht über Kontinente hinwegplanen. Die logistischen Abläufe und Qualitätskontrollen funktionierten trotzdem nach denselben Prinzipien und garantieren somit eine zuverlässige und reibungslose Abwicklung, egal ob im heimischen Nordhessen oder im Schelfeis der Antarktis.

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