Haushaltsstreit beherrscht die Debatten

IWF-Tagung: Lagarde hofft auf Lösung in den USA

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Die Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde (l.) und der Präsident der Weltbank, Jim Yong Kim (r.).

Washington - Beim Jahrestreffen des IWF und der Weltbank stehen die Europäer ausnahmsweise mal nicht im Fokus. Der US-Haushaltsstreit und die künftige Geldpolitik der Amerikaner beherrschen die Debatten.

Die Chefin des Internationale Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, pocht auf ein baldiges Endes des US-Haushaltsstreits. „Ich hoffe, dass wir in einigen Wochen sagen können: Was war das für eine unnötige Zeitverschwendung“, sagte Lagarde am Donnerstag in Washington vor Beginn der Jahrestagung des Internationalem Währungsfonds (IWF) und der Weltbank. Zugleich rief sie die US-Notenbank zu einem behutsamen Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik auf, um Turbulenzen auf den globalen Finanzmärkten zu vermeiden. In der Eurozone sieht sie Fortschritte.

Der heftige Etatstreit in den USA überschattet das Jahrestreffen Finanzminister und Notenbankchefs der 188 IWF-Mitgliedsländer. Mit Empfehlungen an die Parteien im US-Kongress hielt sich Lagarde betont zurück. Der Währungsfonds gebe keine Ratschläge, wie ein Konflikt politisch zu lösen sei, sondern befasse sich nur mit den wirtschaftlichen Auswirkungen von Entscheidungen. Sollte aber das Schuldenlimit nicht rechtzeitig angehoben werden, könne dies sehr negative Folgen für die US-Wirtschaft und die Weltkonjunktur insgesamt haben.

Dem US-Finanzministerium zufolge droht der größten Volkswirtschaft der Welt erstmals in der Geschichte die Zahlungsunfähigkeit, sollte das Kreditlimit nicht bis zum 17. Oktober angehoben werden.

Krisenhelfer IWF und Weltbank: Was machen die eigentlich?

Der IWF wurde 1944 zusammen mit der Weltbank in Bretton Woods ( USA) gegründet. Ziel war es, nach dem Zweiten Weltkrieg ein neues Weltwirtschaftssystem mit stabilen Wechselkursen einzuführen. Die Zusammenarbeit in der Währungspolitik und im internationalen Zahlungsverkehr sollte gefördert werden. © dpa
Die Finanzhilfen des IWF sind meist an strenge Auflagen geknüpft - etwa an die Sanierung des Staatshaushalts. © dpa
Der Internationale Währungsfonds ( IWF) ist in der weltweiten Finanzkrise zu einem der wichtigsten Krisenhelfer aufgestiegen. © dpa
Die Sonderorganisation der Vereinten Nationen greift ein, wenn Staaten Finanzschwierigkeiten haben oder ihnen der Bankrott droht. Der IWF hilft den Mitgliedsländern dann mit Krediten. © dpa
Chef des IWF ist in der Regel ein Europäer. Aktuell wird er von der früheren französischen Finanzministerin Christine Lagarde gelenkt, die nach dem Rücktritt des Franzosen Dominique Strauss-Kahn an die IWF-Spitze rückte. © ap
Der spätere Bundespräsident Horst Köhler war von 2000 bis 2004 IWF-Chef. Zunehmend drängen aber auch Schwellenländer darauf, den Topposten zu stellen. © dpa
Die Quote bestimmt auch das Mitspracherecht. Der Einfluss aufstrebender Schwellenländer - etwa Chinas oder Indiens - beim IWF wurde zuletzt mit einer Stimmrechts- und Quotenreform erhöht. © dpa
Die Kapitaleinlagen (Quoten) der mittlerweile 187 Mitgliedsländer richten sich unter anderem nach der Stärke ihrer Volkswirtschaft. © dpa
Gerade in der Bewältigung der Euro-Schuldenkrise spielt der IWF eine wichtige Rolle. Zusammen mit den Europäern schnürte der Währungsfonds Milliarden-Rettungspakete für die Schuldensünder Griechenland, Irland und Portugal. © dpa
Die Weltbank steht nicht ganz so stark im Licht der Öffentlichkeit wie der IWF. Ursprünglich war ihr Ziel, nach dem Zweiten Weltkrieg den Wiederaufbau zu fördern und in Zusammenarbeit mit dem IWF stabile Währungen zu schaffen. © ap
Seit den 1960er Jahren liegt ihre Hauptaufgabe in der Entwicklungshilfe. Schwerpunkte sind die Förderung von Infrastruktur, Privatwirtschaft und Umweltprojekten sowie der Kampf gegen Armut und Krankheiten. © dpa
Im Gegenzug zur europäischen Besetzung der IWF-Spitze wird die Weltbank traditionell von einem Amerikaner geleitet, ab 1. Juli 2012 führt Jim Yong Kim die internationale Finanzeinrichtung. © dpa

Hinsichtlich der Geldpolitik der Federal Reserve (Fed) forderte Lagarde Augenmaß bei dem bevorstehenden „Tapering“, also dem Herunterfahren der massiven Anleihekäufe. Es müsse „so gut kommuniziert wie möglich“ werden und in so kleinen Schritten erfolgen, dass Turbulenzen auf den Märkten verhindert würden. Die Fed müsse dabei im Blick haben, dass ihre Maßnahmen auf die gesamte Weltwirtschaft und nicht nur auf die US-Konjunktur ausstrahlen könnten. Die Entwicklungs- und Schwellenländer sollten sich ihrerseits auf den Abfluss von Investitionskapital einstellen.

Verhalten positiv äußerte sich Lagarde über die Fortschritte in der Eurozone. Während sie das Ende der Rezession positiv bewertete, sei der Aufschwung noch langsam und unausgewogenen. Lagarde forderte die Euroländer auf, die Pläne für eine Bankenunion voranzutreiben und Hürden auf dem Arbeitsmarkt abzubauen. In Spanien etwa müsse der Fokus auf der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit vor allem unter Jugendlichen liegen.

Lagarde teilte mit, dass die nötige Mehrheit von 90 Prozent der IWF-Mitgliedsstaaten beschlossen habe, die Gewinne zurückliegender Goldverkäufe für ein Programm zur Armutsbekämpfung zu nutzen. Die Französin kritisierte, dass eine Reihe von Ländern der 2010 beschlossenen Neuordnung der Stimmengewichte noch immer nicht endgültig zugestimmt haben, darunter die Vereinigten Staaten. „Wir hoffen sehr, dass die USA die Reform ratifizieren“, sagte sie.

dpa

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