US-Ratingagentur entzieht Bestnote

Moody's stuft Frankreich herunter

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Französische Flagge. Die US-Ratingagentur Moody's hat angesichts der schwächelnden Wirtschaft des Landes Frankreich die Bestnote entzogen.

New York - Die US-Ratingagentur Moody's hat angesichts der schwächelnden Wirtschaft des Landes Frankreich die Bestnote entzogen.

Die Kreditwürdigkeit des Landes wurde von Aaa um eine Stufe auf Aa1 gesenkt, wie Moody's am Montagabend mitteilte. Der Ausblick bleibt „negativ“. Die Ratingagentur begründete den Schritt mit der schwachen Wachstumsprognose für die französische Wirtschaft und der europäischen Wirtschaftskrise.

Die langfristigen Aussichten für das Wirtschaftswachstum Frankreichs seien durch eine Reihe von Faktoren negativ beeinflusst, erklärte Moody's. Die Ratingagentur nannte als Beispiele den anhaltenden Verlust der Wettbewerbsfähigkeit Frankreichs und die Unbeweglichkeit des dortigen Arbeits-, Waren- und Dienstleistungsmarktes. Durch dieses Risiko eines nachlassenden Wirtschaftswachstums könne auch nicht mehr so klar vorhergesagt werden, wie Frankreich auf zukünftige Erschütterungen in der Eurozone reagieren werde, hieß es.

Rating und Bankensektor weiter auf hohem Niveau

Frankreichs Rating und die Stabilität seines Bankensektors blieben aber auf einem vergleichsweise sehr hohen Niveau. In diesem Zusammenhang hob Moody's die breit gefächerte Wirtschaft des Landes sowie ein starkes Bekenntnis zu Strukturreformen und einen Konsolidierungskurs der Regierung hervor.

Grundlage für die Herabstufung Frankreichs sei die Entscheidung der Ratingagentur im Juli, den Ausblick für das Spitzenrating für die Euroländer Deutschland, Luxemburg und die Niederlande auf „negativ“ zu senken. Den Ausblick für Frankreich hatte Moody's bereits im Februar mit „negativ“ bewertet.

Moscovici schiebt Vorgängerregierungen die Schuld zu

Der französische Finanzminister Pierre Moscovici machte umgehend die Vorgängerregierungen für die Herabstufung verantwortlich. Deren Politik habe es nicht geschafft, die Wettbewerbsfähigkeit der französischen Wirtschaft wiederherzustellen, hieß es in einer Stellungnahme zu der Entscheidung der Ratingagentur. Zugleich sagte Moscovici, französische Schuldtitel zählten nach wie vor zu den „sichersten der Eurozone“.

Die Ratingagentur Standard & Poor's hatte Frankreich bereits im Januar das Spitzenrating entzogen. Zur Begründung wurden damals die zunehmenden politischen und finanziellen Probleme innerhalb der Eurozone genannt.

Was machen Ratingagenturen eigentlich genau?

Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Unternehmen, Banken oder Staaten und sind damit äußerst einflussreiche, aber auch umstrittene Akteure auf dem Finanzmarkt. © dpa
In ihr Urteil fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen. Die weltweit bedeutendsten Ratingagenturen sind: Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch. © dapd
Für ihre Einstufungen verwenden die Agenturen Buchstabencodes. Die Skala beginnt bei Standard & Poor's und Fitch etwa mit der Bestnote AAA (Englisch: “Triple A“). Moody's nutzt dieselben Bezeichnungen, schreibt sie aber anders (Aaa). Es folgen AA, A, BBB, BB, B, CCC, CC, C. Die meisten Stufen können mit Plus- und Minuszeichen noch feiner unterteilt werden. © dpa
Ab BB+ beginnt der spekulative Bereich, der auch “Ramsch“ (englisch: Junk) genannt wird. Die Skala reicht bis D, das bedeutet, dass ein Ausfall des Schuldners, also die Pleite, eingetreten ist. Eine mögliche Änderung des Ratings kündigen die Agenturen in aller Regel über den Ausblick “positiv“, “stabil“ und “negativ“ an. © dpa
Je schlechter die Ratingagenturen die Bonität eines Schuldners beurteilen, desto teurer und schwieriger wird es für diesen, sich Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, schlimmstenfalls ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. © dpa
Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern auch andere Investoren. Zuletzt haben Staaten aber trotz einer Herabstufung günstiger Geld bekommen. © dpa
Die Agenturen sind umstritten. Weil sie vor der Finanzkrise Ramschpapiere als sichere Geldanlage anpriesen, wurde ihnen eine Mitschuld an der Krise gegeben. © dapd
In der Euro-Schuldenkrise gerieten sie wieder in die Kritik: Politiker warfen ihnen vor, die Bonität hoch verschuldeter Euro-Länder trotz milliardenschwerer Hilfspakete auf Ramschstatus abgewertet und damit die Krise weiter verschärft zu haben. © dpa

dapd

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