USA verliert Top-Bonität: Stürzen Märkte weiter ab?

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Bange Blicke an der Wall Street: Stürzen die Märkte nach der Herabstufung der Bonität der USA weiter ab?

Washington/Peking - Nach der Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA schaut die Welt mit Bangen auf die Auswirkungen auf die Finanzmärkte. Setzt sich zum Wochenbegin die Talfahrt weiter?

Die Welt schaut nach der historischen Herabstufung der US-Kreditwürdigkeit gebannt auf die Reaktion der Finanzmärkte. Nach der rasanten Talfahrt der internationalen Börsen besteht Sorge, dass der Verlust der Top-Bonität der flauen Konjunktur in den USA weiter schaden und die Weltwirtschaft in einen Abwärtsstrudel reißen könnte.

Finanzminister und Notenbankchefs der wichtigsten Industrienationen (G7) wollten sich nach Informationen der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo in einer Telefonkonferenz über die heftigen Irritationen an den weltweiten Finanzmärkten beraten. Unabhängig von der verminderten Kreditwürdigkeit verteidigte US-Präsident Barack Obama seine Finanzpolitik.

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Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hatte am Freitag den USA die Bestnote “AAA“ entzogen und die Bonität auf “AA+“ abgestuft. Die Agentur begründete dies mit dem jüngsten Schuldenabkommen. Die angepeilten Einsparungen reichten zur Finanzkonsolidierung nicht aus. Außerdem wurde die Berechenbarkeit der US-Politik in Frage gestellt. Die beiden anderen großen US-Ratingagenturen Moody's und Fitch halten an der Bestnote fest.

Konsequenz eines schlechteren Ratings können höhere Zinsen für die Aufnahme frischen Geldes sein: Die USA müssten dann neben der Tilgung ihrer riesigen Schulden zusätzlich eine wachsende Zinslast schultern.

Obama bezeichnete das jüngste Schuldenabkommen als einen “wichtigen Schritt in die richtige Richtung“. Zugleich räumte Obama nach Angaben des Weißen Hauses am Samstag ein, das wochenlange politische Gerangel habe “zu lange gedauert und hat zeitweise zu viel Uneinigkeit gestiftet“.

Als erstes öffnen am Montag (Ortszeit) die Finanzmärkte in China und Fernost. Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Tom Mayer, rechnet mit weiteren Kurseinbrüchen an den Börsen. “Schlechte Nachrichten sind immer unangenehm für Märkte“, sagte Mayer im Gespräch mit “Bild am Sonntag“. Er rechne zwar nicht mit einem weltweiten Börsencrash, aber: “Es könnte Verluste geben.“

Auch Europa ist weiter in Alarmstimmung. Die Eurozonen-Notenbanken wollten nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg am Sonntag über diekle Lage an den Finanzmärkten beraten. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wollten nach einem Bericht des französischen “Journal du Dimanche“ zunächst keine weiteren Erklärungen veröffentlichen. Nach den vergleichsweise guten US-Arbeitsmarktzahlen vom Freitag solle nun Montag und Dienstag die Entwicklung an den Börsen beobachtet werden.

Ungewöhnlich scharfe Kritik an den USA kam aus China. Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua schrieb: “Amerika muss für seine Schuldensucht und das kurzsichtige politische Gezerre bezahlen.“ Als größter Gläubiger Amerikas habe China jedes Recht zu verlangen, “dass die USA ihre strukturellen Schuldenprobleme in den Griff bekommen und die Sicherheit chinesischer Dollar-Anlagen sicherstellen“. Außerdem stellte Peking erneut die bislang führende Rolle des Dollars infrage. Es müsse über Alternativen zum Dollar als Reservewährung nachgedacht werden. Die amtliche Agentur agiert häufig als Sprachrohr der Regierung.

Nach der Herabstufung der USA gibt es nur noch vier führende Industrienationen (G7) mit der Bestnote der Agentur: Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Kanada. Insgesamt haben 17 Länder “AAA“.

Nach dem Schritt von Standard & Poor's hatte die chinesische Ratingagentur ihrerseits die US-Bonität von “A+“ auf “A“ zurückgestuft. Weitere Schritte würden folgen, falls die USA ihre “riesigen Militärausgaben und aufgeblähten Sozialausgaben“ nicht eindämmten, schrieb der Kommentator weiter.

US-Medien berichteten, die US-Regierung habe sich bis zuletzt vehement gegen die Herabstufung zur Wehr gesetzt. Dabei habe die Regierung der Agentur auch Rechenfehler vorgehalten, hieß es. Angeblich habe sich die Agentur in ihren langfristigen Schuldenprojektionen um zwei Billionen Dollar verkalkuliert.

Der nach wochenlangem Tauziehen zwischen Demokraten und Republikanern erreichte Schuldendeal sieht eine Erhöhung des Schuldenlimits von derzeit 14,3 Billionen Dollar (rund 10 Billionen Euro) vor. Dies solle mit Sparmaßnahmen in Höhe von 2,5 Billionen Dollar (1,7 Billionen Euro) einhergehen. S&P hatte aber zuvor gewarnt, es seien Einsparungen in Höhe von vier Billionen notwendig.

dpa

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