Teure Unflätigkeit

Verbale Ausfälle vor Gericht rechtfertigen Ordnungsgeld

+
Hier gilt Höflichkeit: Weil ein Kläger sich im Gerichtssal im Ton vergriff, wurde er zu einem Ordnungsgeld verdonnert. Foto: Uli Deck

Auch wenn ein Rechtsstreit an den Nerven zerrt - während einer Gerichtsverhandlung sollten sich alle Beteiligten im Zaum halten. Denn wer plötzlich ausfallend wird, muss mit einem Ordnungsgeld rechnen.

Karlsruhe (dpa/tmn) - Verbale Ausfälle können teuer werden - vor allem wenn sie während eines laufenden Gerichtsverfahrens geäußert werden. Unerheblich ist es dabei, ob die ungebührlichen Äußerungen gegenüber dem Gericht geäußert werden.

Auch grob abschätzige Verhaltensweisen gegenüber anderen Verfahrensbeteiligten reichen für ein Ordnungsgeld aus. Das entschied das Oberlandesgericht Karlsruhe (Az.: 11 W 75/16), wie die Zeitschrift "Neue juristische Wochenschrift" (Heft 38/2016) berichtet. Eine spätere Entschuldigung für das Verhalten ändert an dem Ordnungsgeld nicht immer etwas.

In dem verhandelten Fall stritten die Parteien vor dem Amtsgericht Heidelberg über Forderungen aus einem Mietverhältnis. In der mündlichen Verhandlung kam es zu einem Zwischenfall. Der Kläger ärgerte sich offenbar so sehr, dass er lautstark sagte, dass er "dem da drüben mal etwas an die Krawatte sagen" wollte. Der Verteidiger beschwichtigte seinen Mandanten. Allerdings flüsterte dieser seinem Anwalt verärgert zu: "Wenn ich die zwei Fratzen da drüben sehen muss ...". Das hörte jedoch auch der Richter und verhängte nach weiteren unflätigen Bemerkungen des Mannes ein Ordnungsgeld in Höhe von 200 Euro.

Dass sich der verärgerte Mann einige Tage später entschuldigte, half ihm nicht. Seine Bitte, den Beschluss mit dem Ordnungsgeld zurückzuziehen, lehnten sowohl das Amtsgericht als auch das Oberlandesgericht ab. Der Mann habe bewusst ehrverletzende Äußerungen in einem sachlich geführten Verfahren gemacht. Die Aussagen seien auch keine überspitzte Kritik sondern eine Schmähung. Mit seiner nachträglichen Entschuldigung habe er die Situation nicht wieder bereinigen können.

Entscheidung des Oberlandesgerichts Karlsruhe (.pdf)

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.