Azubi-Mangel

Verband warnt: Deutschland gehen die Köche aus

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Koch-Lehrlinge am Herd.

Erfurt - Der Verband der Köche schlägt Alarm: Deutschen Restaurants und Gasthöfen geht der Koch-Nachwuchs aus.

Die Zahl der jungen Leute, die eine Ausbildung als Koch absolvieren, hat sich seit 2007 auf derzeit noch etwa 23 000 fast halbiert. Im Vorjahr haben nach Zahlen des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) nur noch 9750 Jugendliche eine Ausbildung zum Koch aufgenommen - und viele wieder abgebrochen. „Die Entwicklung ist erschreckend, der Abwärtstrend leider ungebrochen“, sagte der Präsident des Verbandes der Köche Deutschlands, Andreas Becker, der Nachrichtenagentur dpa.

Auf die Gefährdung des Berufsstandes will der Verband am Samstag in Erfurt aufmerksam machen. Zu einer Demonstration durch die Innenstadt werden einige hundert Vertreter der „weißen Zunft“ erwartet.

„Wir haben in vielen Regionen bereits einen Fachkräftemangel“, sagte Becker. Dieser könnte dazu führen, dass Betriebe in den nächsten Jahren schließen müssten, weil sie keinen Koch mehr fänden. In Thüringen haben in diesem Jahr einige Restaurants nicht mal einen Bewerber für ausgeschriebene Koch-Lehrstellen gehabt, sagte der Geschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes, Dirk Ellinger. Zudem gebe es Fälle, dass Jugendliche mehrere Ausbildungsverträge unterschrieben und offen ließen, wo sie am 1. September antreten. „Es ist aber auch ein Problem, dass Köche nach der Ausbildung ins Ausland oder in die Industrie gehen.“

Verband: Beruf des Kochs muss attraktiver werden

Nach Ansicht des Präsidenten des Köche-Verbandes steht das Gastgewerbe vor der Herausforderung, den Beruf attraktiver zu machen und gezielt Nachwuchs zu werben. Auch beim Ausbildungssystem sieht Becker Reformbedarf.

Viele Betriebe experimentierten bereits mit neuen Arbeitszeitmodellen und besseren Anreizen für die auch körperlich anspruchsvolle Arbeit am Herd. „Die Branche wird sich verändern. Auch bei der Bezahlung der Köche und letztlich auch bei den Preisen für die Gäste“, glaubt Becker. Zudem müssten Betriebe mit zweifelhaften Ausbildungsbedingungen verschwinden: „Wir haben leider immer noch schwarze Schafe unter uns.“

Noch zu wenig bekannt seien die Karrierechancen von Köchen und die guten Arbeitsmöglichkeiten in der internationalen Gastronomie bis hin zum Management. Zurückhaltend äußerte sich der Verbandschef zu den vielen TV-Kochshows. „Sie haben das Berufsbild aufpoliert, vermitteln aber auch einen falschen Eindruck.“ Wie viel Zeit Köche beispielsweise in Hygiene und Sauberkeit in der Küche stecken müssten, spiele im Fernsehen keine Rolle.

Vielfach kämen junge Leute daher mit falschen Vorstellungen in den Beruf. Becker bietet in seinem Betrieb auch deshalb Praktika an. „Ich hatte schon ein Bewerbungsgespräch, da wollte ein junger Mann nicht Koch, sondern Fernsehkoch werden. Er hat das total ernst gemeint.“ Falsche Erwartungen sowie Arbeitszeiten, wenn andere frei haben, gehörten zu den Gründen, warum nach Zahlen des DIHK im vergangenen Jahr 27,5 Prozent aller Koch-Azubis die Ausbildung abbrachen.

Die Essgewohnheiten der Deutschen

Für 32 Prozent gehört zu einem gemütlichen Fernsehabend eine leckere Pizza - das Gericht ist damit der große TV-Renner unter den heißen Speisen. © dpa
Chips vor dem Fernseher und ein kleiner Plausch beim Salat: Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hat die Essensgewohnheiten der Deutschen unter die Lupe genommen. © dpa
Gähn: Schon um 4.30 Uhr beginnt für eine kleine Gruppe von Frühaufstehern der Tag mit der ersten Mahlzeit. © dpa
Die Mehrheit folgt deutlich später: Zwischen 8 und 9 Uhr ist für knapp 40 Prozent der Deutschen Zeit für das Frühstück. © dpa
Beliebt sind morgens vor allem Brot und Brötchen mit Aufstrichen wie Marmelade, Honig oder Schokocreme. © dpa
Das Mittagessen ist für die große Mehrheit der Deutschen eine warme Mahlzeit. Nur weniger als ein Viertel begnügt sich mit kalten Speisen - oft sind das berufstätige Frauen. © dpa
Beim Abendessen überwiegt mit 52 Prozent dagegen noch knapp die kalte Mahlzeit. © dpa
Die 20- bis 24-Jährigen essen und trinken am häufigsten unterwegs: Rund 40 Prozent der Mahlzeiten nehmen sie außerhalb der eigenen Wohnung zu sich! Im Schnitt über alle Altersklassen liegt der Durchschnitt bei 28 Prozent. © dpa
Bei knapp 19 Prozent aller Mahlzeiten widmen sich die Deutschen ohne Ablenkung der Nahrungsaufnahme. © dpa
Viel häufiger aber unterhalten sie sich beim Essen - der Anteil liegt bei 27 Prozent. © dpa
19 Prozent der Befragten essen gerne vor dem Fernseher. Beim Abendessen flimmert die Kiste sogar bei einem Drittel der Bundesbürger! © dpa
13 Prozent der Befragten gaben an, gerne am Computer oder Laptop zu essen. © dpa
Ungesund, aber oft nicht anders machbar: Während der Arbeit essen 12 Prozent der Deutschen. © dpa
10 Prozent hören beim Essen am liebsten Radio. © dpa
Und 8 Prozent genießen die Mahlzeit am liebsten beim Lesen, mit einem guten Buch oder einer Zeitung. © dpa
Am kommunikativsten macht scheinbar der Verkehr von Salat: Rund 58 Prozent unterhalten sich dabei. Beim Mittag- und Abendessen redet fast die Hälfte der Deutschen, beim Frühstück nur ein Drittel. © dpa
Vor dem Fernseher greifen die Deutschen am liebsten zu Chips & Co.: 60 Prozent knabbern salziges Gebäck vor dem TV. © dpa
zum Anbeißen: 36 Prozent lieben Schokolade vor dem Fernseher. © dpa

dpa

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