Verbraucherpreise ziehen kräftig an

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Preisschilder hängen in Köln in einem Supermarkt an der Decke (Archivbild): Der Preisdruck nimmt auch in Deutschland zu.

Wiesbaden - Der Preisdruck nimmt auch in Deutschland zu. Die Teuerung ist so hoch wie zuletzt im Oktober 2008. Besonders beim Tanken müssen Verbraucher immer tiefer in die Tasche greifen. Im April verschärften die Osterferien die Inflation zusätzlich.

Die Inflation in Deutschland zieht weiter an. Im April legten die Verbraucherpreise im Vergleich zum Vorjahresmonat um 2,4 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt nach vorläufigen Berechnungen am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte. Das ist die höchste Rate seit Oktober 2008. Preistreiber waren erneut Heizöl und Sprit, der traditionell in den Osterferien teurer wird.

Jahresteuerung wieder über EZB-Warnschwelle

Damit übertrifft die Jahresteuerung zum vierten Mal in Folge die Warnschwelle der Europäischen Zentralbank (EZB), die Preisstabilität bei Raten knapp unter zwei Prozent gewahrt sieht. Im März und im Februar hatte die Rate jeweils 2,1 Prozent betragen, im Januar 2,0 Prozent. Nach Berechnungen der Unicredit erhöhte allein der späte Ostertermin die Inflationsrate um 0,4 Prozentpunkte, weil Reiseveranstalter ihre Preise später senkten als im Vorjahr.

Binnen Monatsfrist legten die Preise um 0,2 Prozent zu. “Das ist die achte Anstieg im Monatsvergleich, der von Kraftstoffpreisen getrieben wird“, sagte Alexander Koch von der Unicredit. Im Mai werde die Teuerung zwar nachgeben. “Eine Kehrtwende ist allerdings noch nicht in Sicht. Der Preisdruck hat auf breiter Basis zugenommen.“ Die Bank erwartet, dass sich die Inflationsrate in Deutschland im Gesamtjahr auf 2,25 Prozent verdoppelt. In Großbritannien liegt sie derzeit bei mehr als vier Prozent.

Falsche Früchte in Müsli, Drinks und Co. 

Cranberries statt Kirsche Hier finden Verbraucher überwiegend getrocknete Cranberries trotz roter Kirschen auf der Müsli-Verpackung. © VZ Hamburg
Wasser statt Beere Unter ein Prozent Wildbeeren stecken in dieser Safttüte. Stattdessen jede Menge Wasser, Apfelsaft und Zucker. © VZ Hamburg
Äpfel als Himbeere Keine einzige echte Himbeere steckt in diesem Müsli. Dafür Äpfel und Flakes, die mit Himbeeraromen versetzt sind. © VZ Hamburg
Orange statt Mango Knapp fünf bzw. drei Prozent Mango- bzw. Maracujasaft stecken in dieser Flasche. Zudem Aroma und 26 Prozent Orangensaft. © VZ Hamburg
Klebriges statt Erdbeere Aus Apfel- und Erbeermus geformte Stückchen, die nur mit Aroma- und Färbstoffen zur Erdbeere werden. © VZ Hamburg
Apfelsaft statt Sanddorn Der Sanddorn-Anteil beträgt hier nur 12 Prozent. Apfel dominiert trotz kleinerer Schrift auf der Packung mit 48 Prozent. © VZ Hamburg
Wein- statt Erdbeeren Getrocknete Weinbeeren und Äpfel machen mehr als die Hälfte der Fruchtschnitte aus. Erdbeeren und Limonen finden sich als Saft. © VZ Hamburg
Cranberries als Erdbeere Kostengünstige Cranberries werden auch hier „umgefruchtet“ zur Erdbeere durch Zucker, Färbung und Aromen. © VZ Hamburg
Cranberries statt Kirsche Eine Fruchtmischung mit mehr Cranberries als Kirschen steckt in diesem Riegel, der auch Aroma enthält und gefärbt ist. © VZ Hamburg
Apfel- statt roter Saft Statt Saft aus dunklen Früchten, wie auf der Packung, stecken hier 89 Prozent Apfelsaft drin – immerhin Bio-Ware. © VZ Hamburg

Auch Ulrike Rondorf von der Commerzbank warnte: “Die Inflationsrisiken in Deutschland sind mittlerweile akut.“ Die Zahlen der Statistiker belegten, dass sich der Preisauftrieb in Deutschland deutlich beschleunigt habe. Dafür seien nicht nur die Osterferien verantwortlich, die neben der Krise im Nahen Osten und Nordafrika zu höheren Kraftstoffpreisen führten. “Die Energiepreise sind lediglich für rund die Hälfte des heutigen Anstiegs verantwortlich. Die Preise steigen (...) zunehmend auf breiter Front.“

Die Europäische Zentralbank hat bereits reagiert und den Leitzins im Euroraum leicht auf 1,25 Prozent erhöht. Experten sagen voraus, dass die Währungshüter in den kommenden Monaten im Kampf gegen die Inflation weiter an der Zinsschraube drehen und den Leitzins in mehreren Schritten auf 2,0 Prozent anheben werden. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hatte das nicht ausgeschlossen: “Wir werden weiter die nötigen Entscheidungen treffen, um die Preisstabilität mittelfristig zu garantieren.“

Dabei sind der Notenbank allerdings Grenzen gesetzt, glaubt Ulf Krauss von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba): “Das jüngste Aufflammen der Euro-Krise kurz nach der Zinswende dürfte der EZB die Grenzen ihres Straffungskurses aufgezeigt haben. Die Verschuldungsproblematik ist ungelöst und engt den geldpolitischen Spielraum ein.“

Inflationsangst und Aussicht auf höhere Zinsen

Schon jetzt trüben Inflationsangst und die Aussicht auf höhere Zinsen die Stimmung der Verbraucher, obwohl die Lage am Arbeitsmarkt weiterhin rosig ist. Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) begründete dies am Mittwoch mit einem psychologischen Effekt, durch den die “gefühlte“ Inflation höher ist als die real gemessene: Vor allem Güter des täglichen Bedarfs, wie das sofort zu bezahlende Benzin an der Tankstelle, seien teurer geworden, während die monatlich vom Konto abgehenden Posten etwa für Miete überwiegend gleichblieben.

Von Harald Schmidt

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