Verbrauchertäuschung durch "Klebeschinken"

Berlin - Der von Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) kritisierte “Klebeschinken“ sorgt auch bei den Bauern für großen Unmut. Von einer Täuschung der Verbraucher ist die Rede.

“Die deutschen Bauern stehen für Klarheit und Wahrheit bei der Lebensmittelerzeugung“, erklärte der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbands, Helmut Born, am Donnerstag in Berlin. Deshalb hätten sie kein Verständnis dafür, wenn es durch Imitate, Fälschungen oder fehlende Kennzeichnung zu einem Imageschaden für die Lebensmittelqualität komme. Die Grünen im Bundestag forderten ein Verbot, Schinkenteile zusammenzukleben. Bei “Klebeschinken“ geht es um den Verdacht, dass mehrere Hersteller Teile von rohem Schinken mit Hilfe von Enzymen zusammensetzen, dies aber nicht kennzeichnen.

Bei diesen Lebensmitteln wird geschummelt

Pesto Basilico (Buitoni) ohne 100 Prozent Pesto (Pesto alla genovese). Stattdessen Olivenölanteil laut Zutatenliste unter zwei Prozent, minderwertiges Cashewkernpulver statt Pinienkernen (unter zwei Prozent) und kostengünstiger Hartkäse ersetzt zu Dreiviertel den Wert gebenden Pecorino. © Verbraucherzentrale Hamburg
Hähnchenschnitten Wiener Art (Vossko-Tiefkühlkost) - es fehlt Hähnchenschnitzel aus einem Stück gewachsenem Fleisch. Stattdessen: Verschnitt von kleinen Stücken aus Hähnchen- und Putenfleisch. © Verbraucherzentrale Hamburg
Mucci Vanilleeis (Aldi Nord) ohne echte Vanille und 100 Prozent Milchfett. Stattdessen: überwiegend synthetisches Vanillin und Kokosfett. © Verbraucherzentrale Hamburg
Bio-Vollkorn-Toastbrötchen (Proback); ohne Vollkorntoast-Brötchen mit Vollkornmehl hergestellt. Statt 90 Prozent Vollkornmehl im Mehlanteil wie in den Leitsätzen für Brot gefordert, sind im Produkt nur 60 Prozent enthalten; gestreckt wird mit Weizenmehl, gefärbt mit Gerstenmalzsirup. © Verbraucherzentrale Hamburg
Surimi-Garnele ohne echte Garnele. Stattdessen: Krebsfleischimitat aus Fischmuskeleiweiß geformt. © Verbraucherzentrale Hamburg
Fol Epi Nuss, Fromageries Rambol (mit Bild von Käse auf der Packung). Die sogenannte Schmelzkäsezubereitung besteht nur zu 65 Prozent aus Käse, ist zusätzlich mit Zusatzstoffen wie Schmelzsalzen (E452, E339: Phosphate) und Aromen versetzt. Bei Käse ist dies nicht erlaubt. © Verbraucherzentrale Hamburg
Du darfst Putensalat mit Joghurtdressing (Unilever) ohne Putenfleisch. Enthalten sind zusammengefügte Fleischreste: Das Fleisch im Produkt besteht nur zum Teil aus gewachsenem Putenfleisch, dazu kommt Form-Putenfleisch und das noch billigere Form-Hähnchenfleisch. © Verbraucherzentrale Hamburg
Combi Weiß in Salzlake 50 Prozent Fett (EfeFirat Feinkost) mit Bild eines Schafskäses auf der Packung. Tatsächlich enthalten sind billiges Pflanzenfett statt Milchfett und Magermilch aus Kuhmilch statt Schafsmilch. © Verbraucherzentrale Hamburg
Mini Keks Bolde „Schoko“ (Biscuits Delacre) - es fehlt Schkoladenfüllung im Keks. Stattdessen: Kakaocremefüllung mit billigem Schokoladenimitat, das u.a. aus fettarmem Kakaopulver (3,7%), Zucker und gehärtetem Pflanzenfett hergestellt wird. © Verbraucherzentrale Hamburg
Wasabi-Erdnüsse (Lorenz) - es fehlt Wasabi (japanischer Meerrettich). Geschmack: Spirulina-Konzentrat, Aroma, Geschmacksverstärker und Farbstoff, Algenkonzentrat. © Verbraucherzentrale Hamburg
Meeresfrüchte Cocktail mit Krebsfleischimitat (Kaufhof) ohne 100 Prozent Meeresfrüchte wie Muscheln, Garnelen, Tintenfische etc. Produkt ist mit billigem Surimi (Krebsfleischimitat aus Fischmuskeleiweiß) gestreckt. © Verbraucherzentrale Hamburg

Die ARD hatte über Fälle von “Klebeschinken“ berichtet. Aigner und der Bauernverband machen den Preiskampf im Lebensmitteleinzelhandel dafür verantwortlich. Das Bundesverbraucherministerium kritisiert, dass die Konsumenten bei dem Schinken getäuscht würden. Das Zusammensetzen kann allerdings je nach Größe zulässig sein, zumindest nach den Leitsätzen im Deutschen Lebensmittelbuch. Die Grünen im Bundestag werfen der Bundesregierung vor, zu wenig zu unternehmen. “Statt politische Verantwortung wahrzunehmen, erhebt Aigner bloß drohend den Zeigefinger“, kritisierte Ernährungsexpertin Ulrike Höfken. Sie fordert eine Änderung des Lebensmittelrechts, um das Verkleben von Fleischstücken mit Enzymen zu verbieten. Die Lebensmittelwirtschaft äußerte sich zunächst nicht zu den Fällen.

dpa

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