Fronten im Tarifkonflikt verhärtet

Neue Warnstreiks bei Lufthansa möglich

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Das von Lufthansa vorgelegte Angebot erscheint der Gewerkschaft als nicht akzeptabel.

Frankfurt/Main - Der Lufthansa stehen schon wieder Streiks ins Haus. Nach dem ersten Angebot der Airline für das Bodenpersonal droht Verdi mit härteren Warnstreiks wohl noch im April.

Im Tarifkonflikt beim Bodenpersonal der Lufthansa hat die Gewerkschaft Verdi mit verschärften Warnstreiks gedroht. Die noch nicht terminierte zweite Welle werde härter ausfallen als am 21. März, sagte Verdi-Verhandlungsführerin Christine Behle am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa. Damals hatte die Lufthansa nach der Streikankündigung rund 700 Flüge in einem Zeitraum von sieben Stunden gestrichen. „Wir werden auch die kleineren Stationen einbinden und planen einen längeren Zeitraum“, kündigte die Gewerkschafterin an.

Verdi: Arbeitgeber-Angebot ist eine "Provokation"

Verdi hatte am Vortag das erste Lufthansa-Angebot für rund 33 000 Beschäftigte als „Provokation“ und die Entgeltsteigerungen als viel zu niedrig bezeichnet. Schlimmer sei aber, dass Lufthansa Zusagen zur Beschäftigungssicherung vermeide und so mit den Ängsten der Mitarbeiter spiele, sagte Behle. Daher sei Verdi auch nicht bereit, auf unbestimmte Zeit weiter zu verhandeln. „Wenn wir nach dem bereits vereinbarten, übernächsten Termin Anfang Juni keine Einigung haben, werden wir das Scheitern der Verhandlungen erklären und zur Urabstimmung aufrufen. Dann sind als allerletztes Mittel unbefristete Streiks in der Ferienzeit möglich.“

Lufthansa hatte am Mittwoch die Verdi-Forderung nach 5,2 Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von 12 Monaten und Jobgarantien mit einem nach Geschäftsfeldern modifizierten und in Teilen erfolgsabhängigen Vergütungsangebot gekontert. So sollten die Tabellenerhöhungen über 29 Monate je nach Einheit zwischen 1,7 (Lufthansa AG) und 2,3 Prozent (Lufthansa Technik) liegen. Für die Cateringtochter LSG will Lufthansa ein neues Tarifgefüge etablieren, über das schon länger mit Verdi verhandelt wird.

Bei Streik: Ihre Rechte als Passagier

Es ist eine Horrorvorstellung für Passagiere: Ein Streik am Flughafen legt den ganzen Betrieb lahm. Der Start in den Urlaub verzögert sich, oder die Rückreise. Das sollten Betroffene wissen: © dpa
Fällt ein Flug wegen eines Streiks aus, muss die Airline schnellstmöglich eine Ersatzbeförderung organisieren. Außerdem ist sie verpflichtet, gestrandete Passagiere bei längeren Verspätungen mit Essen und Getränken zu versorgen. © dpa
Was passiert, wenn ich am Flughafen gestrandet bin? Der Veranstalter oder die Fluggesellschaft muss gestrandete Kunden betreuen. Die Leistungen gemäß der EU-Fluggastrechteverordnung sind unabhängig davon, ob das Unternehmen für die Verspätungen oder Ausfälle von Flügen verantwortlich ist. © dpa
Passagiere haben Anspruch auf Essen und Getränke, meist erhalten sie dafür Gutscheine. Verschiebt sich der Flug auf einen anderen Tag, muss die Airline oder der Veranstalter die Übernachtung in einem Hotel übernehmen. © dpa
Wie komme ich trotz des Streiks an mein Reiseziel? Die Fluggesellschaft oder der Veranstalter hat die Pflicht, so schnell wie möglich eine Ersatzbeförderung zu organisieren. Kunden können diese per Telefon oder am Schalter des Unternehmens am Flughafen fordern. Urlauber sollten aber nicht aus Verärgerung ohne Rücksprache einfach ein Zugticket buchen. © dpa
Ab der fünften Verspätungsstunde hat der Fluggast außerdem das Recht, das Ticket zurückzugeben und sich die Kosten erstatten zu lassen. Damit ist die Airline jedoch aus allen Pflichten entlassen. © dpa
Was bedeutet Ersatzbeförderung genau? Die Fluggesellschaft oder der Reiseveranstalter müssen ihre Passagiere schnellstmöglich ans Ziel bringen. Bei kürzeren Streiks ist ein Abwarten üblich. Bei längerer Störung des Flugbetriebes müssen die Airlines und Reiseversanstalter die Kunden mit der Bahn oder Bussen zu anderen Flughäfen bringen und von dort aus zum gewünschten Ziel.  © dpa
Habe ich bei Streik Anspruch auf eine Entschädigung? Nein. Die Fluggesellschaft oder der Veranstalter sind nicht dafür verantwortlich, wenn wegen eines Streiks vom Sicherheitspersonal oder der Fluglotsen Flüge ausfallen. © dpa
Es handle sich um einen Fall höherer Gewalt. (wie auch bei einer Aschewolke) Denn Sicherheitspersonal ist weder bei einer Fluggesellschaft noch bei einem Veranstalter angestellt. Bei einem solchen “Drittstreik“ steht Urlaubern daher keine Entschädigung zu, wie sie eine EU-Verordnung zu Flugausfällen vorsieht. © dpa
Wie sieht es bei einer Pauschalreise aus? Fraglich ist, ob der Veranstalter seine Leistungspflichten erfüllt hat. Die Gründe für ein Nichterfüllen spielen keine Rolle. Sitzen Reisende zum Beispiel zwei Tage am Flughafen fest, statt am Strand zu liegen, können sie den Reisepreis entsprechend mindern. © dpa
Handelt es sich um eine Kurzreise, können sie sogar von der Reise kostenlos zurücktreten. Schadenersatz wegen vertaner Urlaubszeit gibt es jedoch nicht. © dpa

Neben fixen Einmalzahlungen wurden auch erfolgsabhängige Komponenten vorgeschlagen. Das bisherige Urlaubs- und Weihnachtsgeld soll laut Verdi nur noch zur Hälfte garantiert sein, über erfolgsabhängige Faktoren aber auch auf bis zu 150 Prozent des jetzigen Niveaus steigen können.

An ihren Forderungen nach längeren Arbeitszeiten und verschobenen Stufensteigerungen hielt Lufthansa ebenso fest, würde dafür aber auch Jobgarantien im Zuge des laufenden Sparprogramms geben. Die Gewerkschaft ist der Auffassung, die verlangten Beiträge zum Sparprogramm bereits geleistet zu haben, als man 2005 in neue Vergütungsstrukturen eingewilligt habe.

Zu möglichen Terminen der neuen Warnstreiks wollte sich die Gewerkschaft zunächst nicht äußern. Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 29./30. April geplant, vorherige Aktionen gelten als wahrscheinlich. Auch die Piloten verhandeln derzeit mit der Lufthansa über ein neues Tarifwerk. Im vergangenen Herbst hatten die Flugbegleiter unter Führung der Gewerkschaft UFO den bislang umfangreichsten Streik in der Lufthansa-Geschichte durchgestanden.

dpa

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