Selbst wenn die Atomkraftwerke vom Netz gehen, werden die Versorger verdienen

Verknappung bringt Profit

Bundesweit demonstrieren Bürger gegen Atomkraft, doch bislang reagieren die Konzerne sehr verhalten auf die Atomstromwende. Doch welche Folgen hätte ein Ausstieg für E.ON, EnBW, Vattenfall und RWE? Rein rechnerisch trifft es nur EnBW etwas härter. Foto: dpa

Nach der Atom-Katastrophe in Japan scheint bei Siemens das Undenkbare denkbar. Laut „Süddeutscher Zeitung“ gibt es beim Münchner Konzern Zweifel an der Kernkraft. Zwar lässt Siemens-Chef Peter Löscher nicht von der Atomkraft, aber laut „SZ“ wird nun im Vorstand über alle Möglichkeiten nachgedacht – selbst über den Komplettausstieg. Offiziell schweigt der Münchener Konzern.

Bislang sind die großen Stromversorger in Deutschland recht still. Dies hat geldwerte Gründe. So ist der Düsseldorfer Stromerzeuger E.ON zwar nicht auf Kernkraft angewiesen, aber betriebswirtschaftlich ist sie am günstigsten. E.ON hat stets betont, über einen „ausgewogenen Energiemix“ zu verfügen. Kohle- und Gaskraftwerke könnten den Atomstrom ersetzen.

Durch das Abschalten der Kernkraftwerke wird Strom verknappt und das treibt die Preise hoch. Insgesamt hätten die deutschen Kernkraftwerke nach der Laufzeitverlängerung 2010 noch 2700 Milliarden Kilowattstunden (kWh) produzieren dürfen, die Ausstiegsregelung von 2002 erlaubte 980 Millionen kWh.

Die Verknappung dürfte die Bahn bereits spüren. Sie hält einen kleinen Anteil am abgeschalteten Kraftwerk Neckarwestheim 1. Bahnchef Rüdiger Grube sagte in der „Wirtschaftswoche“, dass zwar keine Züge stehen bleiben, aber die Wirtschaftlichkeit durcheinander gerate, wenn Strom zugekauft werden muss.

Von dieser Verknappung profitieren die großen Energieversorger. Zwar verfügt die Essener RWE über 10 000 Megawatt Leistung in Braunkohlekraftwerken verfügt. Nachteil: ein hoher Ausstoß an klimaschädlichem CO2. Angesichts der Unsicherheit setzt das Unternehmen auf Konfrontation und klagt auf Schadenersatz für das Abschalten von Biblis.

Der schwedische Konzern Vattenfall steht ähnlich gut wie E.ON da. Fast 44 Prozent der erzeugten Energie stammt aus Kohlekraft. Sollte die Bundesregierung ihren Kurs verschärfen, würde es Vattenfall finanziell kaum treffen, denn Brunsbüttel und Krümmel, an denen die Schweden beteiligt sind, stehen aufgrund von Sicherheitsmängeln seit 2007 still. Ob Brunsbüttel wieder ans Netz geht, war bereits vor der Japan-Katastrophe fraglich. Sicherheitsauflagen machen es unrentabel.

Enger wird es für EnBW. Über die Hälfte des verkauften Stroms produzieren die Karlsruher mittels Atomkraft. Bis 2020 soll der Anteil von 10,5 Prozent an erneuerbare Energien verdoppelt werden. Dennoch steht EnBW nicht mit dem Rücken zur Wand. Der Versorger verfügt über etliche Wasserkraftwerke. Der Konzern hatte unlängst angekündigt, in den nächsten Jahren bis zu drei Milliarden Euro in erneuerbare Energie zu investieren. Vorerst müsste der Versorger, an dem Baden-Württemberg 45 Prozent hält, teuren Strom für die sechs Millionen Kunden dazukaufen.

Von Martina Wewetzer

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.