Streit um Antennenkosten

Verstummen bald Radios: In Teilen von Deutschland droht etlichen UKW-Sendern die Sendepause

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Kassel. In einigen Wohnzimmern, Autos, Kiosken könnte es in der kommenden Woche still werden: Statt Nachrichten und Musik käme dann aus so manchem Radio nur noch ein Rauschen. Denn wegen Unstimmigkeiten zwischen den Betreibern von UKW-Antennen und Sendernetzen droht in Teilen der Bundesrepublik die Abschaltung des Sendebetriebs einzelner Radiosender.

Nach Angaben des Unternehmens Media Broadcast, das in der Vergangenheit für den UKW-Sendebetrieb verantwortlich war, könnten dies bundesweit bis zu zehn Millionen Hörer sein.

Betroffen sind jene Sender, die ihr Programm über die UKW-Frequenz verbreiten, aber über keine eigene Sendeinfrastruktur wie Antennen verfügen. Dies trifft auf den MDR zu, aber auch auf das Deutschlandradio, im Norden sind Teile des NDR in Mecklenburg-Vorpommern betroffen, in Hessen unter anderem auch Radio FFH. Geschäftsführer Hans-Dieter Hillmoth sprach gestern von „einem Poker um Verträge und Preise“. Der Hessische Rundfunk (HR) hat eine eigene Infrastruktur.

Käme es zu einer Sendepause, wäre nicht nur die Liberalisierung des Radiomarktes mit einem Mix aus öffentlichen und privaten Sendern gescheitert, sondern so mancher Winkel der Republik hätte keinen Radioempfang mehr.

Hintergrund des Streits ist, dass sich Media Broadcast vom Geschäft mit den UKW-Antennen und Sendeanlagen getrennt hat und seit dem 1. April nicht mehr dafür zuständig ist, sondern die neuen Sendenetzbetreiber und Antennenbesitzer. Zwar bietet Broadcast an, für wenige Monate den Sendebetrieb noch aufrecht zu erhalten, doch dafür müsse das Unternehmen mit der Weiterverbreitung beauftragt werden – entweder von den Radioanbietern oder den neuen Sendernetzbetreibern. Bis Donnerstag seien bei Media Broadcast aber nur 10 Aufträge der 40 betroffenen Radioveranstalter eingegangen, teilte der Media-Broadcast-Sprecher mit. Es gebe jetzt noch „eine letzte Frist bis Montagvormittag“ – dann würden kommende Woche die Sender abgeschaltet.

Während zwei Unternehmen, Divicon und Uplink, den Sendenetzbetrieb übernommen haben, wurden die daran montierten Antennen an mindestens fünf Investoren verkauft – und die verlangen nun deutlich höhere Preise für die Nutzung: die Milaco GmbH (Axel Sartingen), die Kio Vermögensverwaltungs GmbH (Martin Pickert), die Deutsche UKW Infrastruktur- und Vermarktungs GmbH (Axel Krieger), die AEOS Infrastuktur GmbH (Guido Fiebes/Ingo Linder) und die Baum Broadcast GmbH i. G. (Rechtsanwalt Helmut G. Bauer).

Das es dabei nicht um ein paar Euro geht, macht Hillmoth deutlich: „Pro Jahr zahlt die Sendergruppe Hit Radio FFH 2,5 Millionen Euro Senderkosten.“ Die Antennenbesitzer verlangten nun teilweise bis zu 50 000 Euro pro Monat mehr, was für rein über Werbung finanzierte Sender ein massives Problem sei.

Bereits im Mai 2017 haben Vertreter der Gemeinschaft der Bundesländer, die Bundesnetzagentur und das Bundeskartellamt auf die möglichen Auswirkungen des Verkaufs hingewiesen. Im März 2018 hatte die rheinland-pfälzische Staatskanzlei die Bundesbehörden erneut angeschrieben. Mitte März wurde ein Runder Tisch mit allen Akteuren anberaumt, um einen Ausweg zu finden. Ein Ergebnis gab es nicht. Damit die Bundesnetzagentur eingreifen kann, muss ein Unternehmen die Marktmacht haben, dies ist aber bislang nicht der Fall.

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