In Unterlüß bei Celle testet Panzerbauer Rheinmetall Fahrzeuge, Waffen und Munition

Viel Platz für schweres Gerät

Gewaltige Feuerkraft: Die Panzerhaubitze 2000 gilt als weltweit bestes System seiner Art. Sie wird von Rheinmetall und Krauss-Maffei Wegmann gebaut. Waffe und Munition kommen aus Unterlüß. Unser Foto entstand auf dem Truppenübungsplatz in Munster. Foto: dpa

UnterlüSS/Kassel. Wenn es im Rheinmetall-Werk in Unterlüß im niedersächsischen Kreis Celle eines im Überfluss gibt, dann ist es Platz. Das Gelände der weitverzweigten Produktion ist groß, sehr groß. Die Gebäude liegen zum Teil soweit verstreut, dass Eilige das Auto nehmen müssen, um schnell von einer Halle zur anderen zu gelangen.

Aber gemessen am angeschlossenen Erprobungszentrum Unterlüß (EZU) in der Abgeschiedenheit der Südheide nimmt sich die Produktionsfläche geradezu mickrig aus: Rund 50 Quadratkilometer misst das Gelände, auf dem Rheinmetall Panzer und gepanzerte Fahrzeuge, Waffen und Munition testet. 15 Kilometer lang und bis zu fünf Kilometer breit ist das Übungs- und Schießareal. Um es einmal komplett zu umrunden, ist ein versierter Wanderer gute sechs Stunden ununterbrochen unterwegs.

1260 Beschäftigte im Gelände

Weil gewisse Schießübungen eine noch weitere Distanz erfordern, gibt es zehn Kilometer außerhalb des EZU eine so genannte Außenfeuerstelle im nahen Dalle, von der aus Panzer und Panzerhaubitzen über die Köpfe der Unterlüßer hinweg bis ans Ende des eigentlichen Schießgeländes zielen - 25 Kilometer weit.

Die Vorzüge des auch heute noch dünn besiedelten Gebiets in der norddeutschen Heide erkannte Ende des 20. Jahrhunderts bereits der Rheinmetall-Gründer Heinrich Ehrhardt, der das Areal 1899 kaufte. Neben der Weite gab damals auch die bereits existierende Bahnlinie den Ausschlag für das abgeschiedene Gebiet. Noch heute ist Rheinmetall mit rund 1260 Beschäftigten der mit Abstand größte industrielle Arbeitgeber im weiten Umkreis. Unter anderem werden dort die Waffen (Kanonen) für die Panzerhaubitze 2000, den schweren Kampfpanzer Leopard 2 und andere Systeme gebaut.

Temperaturen bis -46 Grad

Die Waffe der Panzerhaubitze ist gewaltig. Mit einer Länge von acht Metern und einem Rohgewicht von 3,2 Tonnen kann sie Geschosse bis zu 40 Kilometer weit feuern - das schafft kaum eine andere Waffe weltweit. Gewaltig sind auch die Bearbeitungszentren in der Produktion. Die Drehbänke sind zehn Meter lang.

In der Temperierversuchsanlage (TVA) werden Waffen, Munition und Fahrzeuge in riesigen Hallen Temperaturen von minus 46 bis plus 85 Grad ausgesetzt. Nur was unter diesen Extrembedingungen funktioniert, kann an die internationale Kundschaft ausgeliefert werden.

Komplett abgeschirmt

In einer anderen Halle wird die elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) getestet. Das Gebäude ist riesig. Schwere Kampfpanzer finden darin problemlos Platz. In dem komplett gegen elektromagnetische Strahlung abgeschirmten Klotz aus Stahl, Beton und absorbierenden Materialien wird geprüft, ob sich die elektronischen Systeme in den Fahrzeugen gegenseitig stören oder von außen stören lassen. Beides könnte im Kampfeinsatz fatale Folge haben.

Auch Lkw- und Busbauer sowie Bahntechnik-Produzenten fahren ihre neuen Produkte gern nach Unterlüß, wo Spezialisten so ziemlich jede elektromagnetische Beeinträchtigung simulieren können.

Von José Pinto

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.