Strippenzieher im Volkswagen-Konzern will Scania und MAN zusammenführen

Visionär Piëch fast am Ziel

Will einen großen Lkw-Bauer unter dem VW-Dach schmieden: Ferdinand Piëch. Foto: dpa

Wolfsburg. Ferdinand Piëch ist fast am Ziel. Die graue Eminenz des Volkswagen-Konzerns, die nach wie vor die Strippen bei Europas größtem Autobauer zieht, ist dabei, sein Lebenswerk mit der Bildung eines großen Lkw-Bauers unter dem VW-Dach abzuschließen.

Sein Traum von einem Mega-Konzern, der vom Kleinstwagen über Luxuskarossen bis hin zu schweren Lkw alles produziert, was auf Straßen und im Gelände fahren kann, wird mit der angestrebten Fusion von MAN und Scania Wirklichkeit. Zwar fehlt es den Wolfsburgern nach wie vor an sehr preiswerten und qualitativ guten Kleinwagen und Motorrädern. Mit dem 20-Prozent-Einstieg beim japanischen Autobauer Suzuki hat Volkswagen aber seit gut einem Jahr auch Zugang zu diesen Segmenten.

Schönheitsfehler

Allerdings hat der Konzern aus Sicht des genialen Konstrukteurs und erfolgreichen Managers einen entscheidenden Schönheitsfehler. Eigentlich hatte Volkswagen nach Piëchs Willen von Porsche gelenkt werden sollen. Weil der einstige Chef des Sportwagenbauers Wendelin Wiedeking aber mit dem Versuch scheiterte, VW zu übernehmen, kam es anders: VW schluckte Porsche und ist derzeit dabei, die Nobelschmiede in den Konzern zu integrieren. Um Haaresbreite wäre Porsche unter die Räder gekommen, woran Piëch nicht ganz unschuldig war. Denn der heute 73-Jährige hat den allzu forschen und später geschassten Wiedeking gewähren lassen, wenn nicht gar unterstützt.

Das ist nun Geschichte. Und der Österreicher Piëch, der mit seiner Frau Ursula in der Nähe von Salzburg wohnt, entscheidet als Aufsichtratsvorsitzender der Volkswagen AG immer noch bei allen wichtigen Dingen mit.

Dass er die beiden Lkw-Beteiligungen Scania und MAN früher oder später zusammenlegen würde, überrascht nicht, dass aber der kleinere Anbieter Scania den größeren Konkurrenten MAN übernehmen soll, schon eher.

Wie auch immer: Mit dem Zusammengehen der beiden Lkw-Bauer schmiedet Piëch die weltweite Nummer zwei nach Daimler und verweist das schwedisch-französische Gespann Volvo-Renault auf Platz drei der Weltrangliste. Den Anlegern gefallen die Pläne sehr. Die MAN-Aktie legte gestern um 6,19 Prozent auf 87,55 Euro zu, die von Scania gewann fast fünf Prozent.

MAN-Management und der IG Metall gefällt es dagegen gar nicht, dass Scania in einer künftigen Lkw-Gruppe unter dem Volkswagen-Dach das Sagen haben soll. Doch damit schlägt der visionäre Stratege Piëch zwei Fliegen mit einer Klappe. Zum einen hält VW die Stimmrechtsmehrheit bei Scania und kann die Schweden somit dazu überreden, ein Übernahme-Angebot für die Münchener zu machen.

Zum anderen hat Ferdinand Piëch bei der Übernahme Scanias vor zwei Jahren den Alteigentümern, der Industriellenfamilie Wallenberg, zugesichert, dass Scania eigenständig bleibe. Der zwölffache Familienvater, der in seiner Freizeit gern segelt, Rad und Ski fährt, steht also bei den Schweden im Wort und will es auch halten.

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