Keine Entlassungen aus wirtschaftlichen Gründen – Übernahme der 975 Azubis

Jobgarantie bei VW bis 2014

Baunatal. Europas größter Autobauer Volkswagen und die IG Metall haben eine Verlängerung der Beschäftigungssicherung bis Ende 2014 beschlossen. Damit sind rund 100 000 VW-Mitarbeiter in Deutschland vor Entlassungen aus wirtschaftlichen Gründen geschützt.

Dies gilt auch für das Werk Kassel in Baunatal mit seinen insgesamt 12 900 Beschäftigten.

„Leistungen auf der einen Seite und Erwartung an einen sicheren Arbeitsplatz auf der anderen Seite müssen sich die Balance halten“, sagte VW-Verhandlungsführer Jochen Schumm. „Nur erfolgreiche Unternehmen können dauerhaft Arbeitsplätze sichern und schaffen“, sagte Personalvorstand Horst Neumann. Mit der Jobgarantie setzt VW im Branchenvergleich einen Maßstab.

Die Wolfsburger strotzen derzeit vor Selbstbewusstsein: Sie haben sich in der Branchenkrise besser geschlagen als die Konkurrenz und greifen Weltmarktführer Toyota an. Dennoch sehen auch IG Metall und VW-Betriebsrat Gefahren. Deshalb sollen bei VW Geschäftsfelder außerhalb des Autobaus vorangetrieben werden. Der Tarifabschluss sieht dafür die Einrichtung „eines weiteren Innovationsfonds zur Förderung neuer Beschäftigungsfelder vor“, so Schumm.

Bereits in den vergangenen Jahren haben Werke aus diesem Topf Geld bekommen, um Innovationen wie Schiffsmotoren und Kleinstkraftwerke voranzutreiben. So geschehen im Werk Salzgitter. Mit welcher Summe die Töpfe ausgestattet sind, wurde nicht bekannt. Dem Vernehmen nach sollen es über mehrere Jahre insgesamt zwischen 160 und 200 Millionen Euro sein.

Ziel sei es, wettbewerbsfähige Beschäftigungsfelder zu erschließen, um damit die Beschäftigung zu sichern, sagte IG-Metall-Verhandlungsführer Hartmut Meine. Nach wie vor sei Wettbewerbsfähigkeit die Voraussetzung für eine sichere Beschäftigung. Dies bedeute, die Produktivität zu steigern, sagte der Kasseler VW-Betriebsratschef Jürgen Stumpf. Dies gilt für die Fertigung am Band genauso wie in den Büros.

Dass es funktioniert zeigt der Standort Kassel: Im Bereich Abgasanlagen, der 2005 verkauft werden sollte, wurde die Produktivität unter Werkleiter Hans-Helmut Becker seit 2006 um gut 40 Prozent gesteigert. Dafür wurden 270 der einst 810 Beschäftigten in andere Bereiche des Werkes versetzt oder gingen in den Ruhestand.

Chance für Auszubildende

Der Vertrag sieht auch die Übernahme der Auszubildenden vor. Betriebsrat Stumpf: „Das bedeutet für Kassel, dass in den kommenden fünf Jahren 975 Jugendliche eine Ausbildung bei VW nicht nur machen können, sondern danach auch einen sicheren Arbeitsplatz haben werden.“

Kommentar: Wertvolles Geschenk

Martina Wewetzer (E-Mail: mwe@hna.de) zur Beschäftigungssicherung bei Volkswagen

Während die Unternehmen der Metall- und Elektrobranche über Laufzeiten von Kurzarbeit und Beschäftigungsgesellschaften nachdenken, gibt Volkswagen seinen Beschäftigten eine Jobgarantie bis 2014 – in Zeiten der Autokrise ein Geschenk.

Zwar ist auch bei Volkswagen nichts umsonst, denn die Beschäftigten müssen die Produktivität steigern – das heißt, effizienter arbeiten, vielleicht auch flexibel auf Versetzungen in andere Abteilungen reagieren. Nur, das müssen andere Arbeitnehmer auch, allerdings ohne Jobgarantie im Rücken.Der sichere Job dürfte vordergründig das Beste des Tarifs sein.

Nicht minder wichtig ist der weitere Innovationstopf, aus dem Ideen zu Geschäftsfeldern gefördert werden, die dem Automobilbau verwandt sind. Aktiver lässt sich Beschäftigungssicherheit nicht managen. Denn sinkt der Autoabsatz weiter oder werden Produktionsbereiche durch andere – wie das E-Auto – überflüssig, entstehen so vielleicht neue Geschäftsfelder, die Jobs schaffen. Das nennt man Zukunft gestalten.

Von Martina Wewetzer

Rubriklistenbild: © dpa

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