Volkswirte: Jobaufschwung verliert an Tempo

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Volkswirten zufolge wird der Arbeitsmarkt vor allem von der schwachen Konjunktur im ersten Quartal beeinflusst. Foto: Boris Roessler

Noch läuft es auf dem deutschen Arbeitsmarkt rund - das könnte sich schon im Herbst ändern. Behalten Volkswirte recht, dann kommt der gegenwärtige Jobaufschwung im zweiten Halbjahr ins Stocken. Als Ursache dafür haben sie unter anderem den Mindestlohn ausgemacht.

Nürnberg (dpa) - Der Jobaufschwung in Deutschland wird nach Expertenprognosen im zweiten Halbjahr an Tempo verlieren. Dabei sei selbst ein leichter Anstieg der Arbeitslosigkeit im Herbst nicht ausgeschlossen, berichteten Volkswirte deutscher Großbanken in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Die meisten Ökonomen gehen dagegen allenfalls von einer stagnierenden Erwerbslosigkeit bis zum Jahresende aus. Auch 2016 sei mit einem kräftigen Jobaufschwung nicht zu rechnen, glauben die Fachleute.

Aktuell werde der Arbeitsmarkt vor allem von der schwachen Konjunktur im ersten Quartal beeinflusst. Bei Einstellungen würden solche Konjunkturentwicklungen oft erst Monate später spürbar. Einige Volkswirte machen zudem den Mindestlohn dafür verantwortlich; dieser habe bereits zu einem kräftigen Abbau von Minijobs geführt. In vollem Umfang würden die Auswirkungen aber erst im Laufe des zweiten Halbjahrs sichtbar.

Die Griechenland-Krise dürfte dagegen nach Einschätzung der Ökonomen den deutschen Arbeitsmarkt vorerst unbeeindruckt lassen. "Es gibt deswegen schon einige Unsicherheit. Die Griechenlandkrise drückt auch zweifelsohne auf die Unternehmensstimmung", berichtete BayernLB-Volkswirt Stefan Kipar. "Das beeinflusst aber im Moment noch nicht die Beschäftigungspläne der Firmen." Kein Unternehmen stelle deswegen die geplante Einstellung von Mitarbeitern zurück.

Auch Deutsche-Bank-Volkswirt Michael Holstein geht davon aus, "dass der Arbeitsmarkt in der zweiten Jahreshälfte nicht mehr so dynamisch sein wird wie in den vergangenen Monaten". Allerdings habe dabei auch der milde Winter der Bundesagentur in die Hände gespielt. Für das zweite Quartal rechnet Holstein mit einer Stagnation. "Eine Trendwende ist das aber noch nicht", stellt er klar.

Aktuell läuft es dagegen auf dem deutschen Arbeitsmarkt noch vergleichsweise rund. Für den Juni gehen die Ökonomen von 2,7 Millionen Arbeitslosen in Deutschland aus. Dies wären rund 60 000 weniger als im Mai und rund 130 000 weniger als vor einem Jahr. Selbst nach Abzug von Saisoneffekten wäre die Zahl der Arbeitslosen in dem Monat um 5000 gesunken. Am Jahresanfang waren diese Rückgänge allerdings noch doppelt bis dreifach so groß gewesen. Die offiziellen Juni-Arbeitslosenzahlen will die Bundesagentur für Arbeit an diesem Dienstag (30.6.) veröffentlichen.

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