Wichdorfer Unternehmen macht Tierbeobachtung auf Computer und Handy möglich

Voller Durchblick im Stall

Stressfreie Überwachung für Kühe und andere Tiere: Andreas Naujok (links) und Adolf Höhmann von Höhmann Tierbeobachtung mit einer ihrer hochauflösenden Kameras. Foto: Neutze

Rhenegge. Wenn im Kuhstall von Bernd Erlemann Nachwuchs erwartet wurde, dann hieß das für den Landwirt bislang: „Nachts alle zwei Stunden raus und gucken, ob das Kalb da ist – auch im Winter bei Minus 25 Grad.“ Diesen Weg kann sich Erlemann fortan sparen: „Jetzt beobachte ich den Stall einfach von hier aus“, sagt der Milchbauer aus Rhenegge (Kreis Waldeck-Frankenberg) und tippt auf seinen Laptop.

Möglich macht das die Firma Höhmann Tierbeobachtung aus Wichdorf (Schwalm-Eder-Kreis). Mit ihrem Betrieb bieten Adolf Höhmann und Andreas Naujok Kamerasysteme an, mit denen Züchter und Landwirte ihre Tiere überwachen können.

Seit Februar liefert das Unternehmen die Anlagen von der Planung bis zur Installation. Seiner Geschäftsidee widmet sich der Wichdorfer Tierarzt Adolf Höhmann schon seit zwei Jahren, nachdem er nach einem Arbeitsunfall aus der Praxis ausschied. Seinen Geschäftspartner, den Fernseh- und Telekommunikations-Techniker Andreas Naujok, lernte Höhmann auf einer privaten Feier kennen. „Für mich hat das super gepasst“, sagt Naujok, der aus Halle an der Saale stammt. „Ich hatte davor in Irland gelebt und gearbeitet, wollte aber zurück nach Deutschland. Da kam die Geschäftsidee genau richtig.“

Die Idee: Von überall soll der Landwirt seinen Stall innerhalb von Sekunden im Blick haben. Dazu zeichnen hochauflösende Kameras rund um die Uhr auf, was im Stall passiert. „Die Bilder werden zu einem Festplattenrekorder übertragen“, sagt Naujok. „Der speichert die Aufnahmen 14 Tage lang und sendet ein Live-Signal ins Internet.“ Die Videobilder können dann einfach auf dem Laptop oder auf einem Handy wie dem iPhone aufgerufen werden.

Für die Tiere kann die Überwachung Leben retten: „Wenn ich nachts in den Stall gehe und das Licht anmache, wird der Rhythmus der Tiere gestört“, sagt Höhmann. „Geburtsvorgänge werden unterbrochen, für Kuh und Kalb kann das tödlich enden.“ Durch Infrarottechnik können die Kameras die Geburt im Stall daher auch in völliger Dunkelheit filmen, „für die Tiere völlig stressfrei“.

Insekten in jeder Ritze

Gefertigt werden die Kameras von dem Pfälzer Hersteller Lupus Electronics – nach den Vorgaben, die Höhmann mitentwickelt hat. Denn bisher angebotene Kameras hielten in den Ställen nur wenige Wochen. „Neben Staub und Feuchtigkeit machen Insekten Probleme“, sagt Naujok. „Die suchen die Wärme der Geräte und kriechen in jede Ritze.“ Die Lösung: Versiegelte Kameras, „absolut staub- und wasserdicht“.

Zu den Kunden von Tierbeobachtung Höhmann zählen neben Landwirten in der Region auch Betriebe in Bayern und Rheinland-Pfalz. „Wir wollen im ersten Jahr kostendeckend arbeiten“, sagt Adolf Höhmann. Als Umsatz seien 50 000 Euro angepeilt. Helfen sollen dabei Vertriebspartner wie der Berliner Agrar-Software-Entwickler DSP-Agrosoft und der Tierklinik-Ausstatter Schlievet. Höhmann ist zuversichtlich: „Seit dem Start im Februar haben wir etwa 15 000 Euro umgesetzt, dazu stehen noch Aufträge im Wert von 30 000 Euro an.“

Das Unternehmen im Internet: www.tierbeobachtung.eu

Von Simon Neutze

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