VW Baunatal stellt 780 Leiharbeiter fest ein: ein Pro und Kontra

Baunatal. Der eine sagt: Leiharbeit ist besser als keine Arbeit. Der andere sagt: Leiharbeiter dürfen nicht als billige Kräfte missbraucht werden. Ein Pro und Kontra zur Leiharbeit.

Pro: Besser als kein Job

Klemens Diezemann (62), Jurist, Arbeitgeberverband Nordhessen:

Klemens Diezemann

"Zeitarbeit ist ein erfolgreiches Instrument, um den Arbeitsmarkt zu flexibilisieren, denn Arbeitgeber scheuen den Kündigungsschutz. 2010 waren in der Metall- und Elektrobranche bundesweit 4,5 Prozent der Beschäftigten Zeitarbeiter. 2009 waren es 3,7 Prozent. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit ist nur möglich, wenn die Leistung gleich ist. Das ist bei Zeitarbeitern im Vergleich zur Stammbelegschaft anfangs nicht der Fall.

Qualifikation erwirbt man nach drei, sechs oder zwölf Monaten – je nachdem, um welche Tätigkeit es geht. Zudem wird es ab Mai einen tariflichen Mindestlohn geben, der bei 7,79 Euro (West) die Stunde liegt und je nach Qualifikation auf 17,11 Euro steigt. Zeitarbeit mit geringem Entgelt ist besser als kein Job. Zumal sie ein Sprungbrett in eine feste Anstellung sein kann.

Die Arbeitsmarktzahlen sprechen für Zeitarbeit: 41 Millionen Erwerbstätige und Rückgang der Arbeitslosigkeit auf drei Mio. Zeitarbeit ist ein Erfolgsmodell und führt zum Aufbau der Stammbelegschaften. Eine Verdrängung regulärer Arbeit findet nicht statt."

Kontra: Gleicher Lohn

Oliver Dietzel (39), Volkswirt, 2. Bevollmächtigter der IG Metall Nordhessen:

Oliver Dietzel

eiharbeit verkommt immer mehr zu einem prekären Arbeitsverhältnis. Von 100 Neueinstellungen der Metall- und Elektroindustrie waren 85 Prozent befristete Einstellungen und Leiharbeitsverhältnisse. Wir sind nicht gegen Leiharbeit, aber sie sollte wieder zu dem Instrument werden, das es war: Ein Mittel um Auftragsspitzen abzufangen. Gezahlt werden sollte gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Derzeit erhält ein Leiharbeiter noch nicht mal einen Ratenvertrag für einen Fernseher.

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Für die Arbeitgeber würde es kaum mehr kosten: zum Stundenlohn zahlen sie Sozialbeiträge und auch die Rendite für das Zeitarbeits-Unternehmen. Selbst wenn ab Mai ein Mindestlohn gilt, können Leiharbeiter mit 35 Stunden pro Woche keine großen Sprünge machen.

Im Monat verdienen sie 1140 Euro brutto und sind oft auf Aufstockung vom Staat angewiesen. Widersprüchlich ist, dass zwar über Fachkräftemangel geklagt wird, aber viele junge Menschen arbeitslos oder prekär beschäftigt sind. Sie können weder eine Familie gründen, noch sich weiterqualifizieren.

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