Volkswagen plant neue Billigmarke

Wolfsburg. Europas größter Autobauer Volkswagen prüft derzeit die Gründung einer neuen Billigmarke bis Mitte 2015. Derartige Prüfungen von möglichen neuen Fahrzeug-Segmenten und möglichen Märkten gibt es in regelmäßigen Abständen, betonte VW-Sprecher Felber. Eine Entscheidung gebe es aber nicht.

Doch dieses Mal scheint es etwas mehr als nur prüfen zu sein: Der Konzern habe einen konkreten Fahrplan für drei sogenannte Low-Budget-Modelle, berichtet die Auto-Bild in ihrer heutigen Ausgabe. Demnach könnten die Varianten Limousine, Kombi und Mini-Van in drei Jahren zu Preisen zwischen 6000 und 8000 Euro auf den Markt kommen. Auch in Europa sei die Einführung eines in China oder Indien gebauten Mini-Wagens denkbar - hier ist vor allem der französische Rivale Renault mit seinem Ableger Dacia aktiv.

Zuletzt aktualisiert um 19.30 Uhr.

Die Idee hat Charme: In Deutschland liegen die Produktionskosten von Volkswagen bei knapp 60 Euro die Stunde, in Indien sind es lediglich 1,30 Euro. Verwendet man für derart günstige Autos ältere Motoren, die aber die Abgasnorm hierzulande erfüllen, reduziert die Ausstattungen wie Klimaanlagen, elektrische Fensterheber, fertigt das ganze in Baukastentechnik auf einer Plattform und dergleichen mehr, dann sinkt der Preis für solch Wagen erheblich. Und genau solch ein Billigauto ist nach Einschätzung etlicher Marktbeobachter das letzte Segment, was die Wolfsburger noch nicht besetzt haben.

Bisher war zum Ausgleich dieser Schwäche jedoch vorrangig von Schwellenländern wie Indien oder Brasilien als Zielgebieten die Rede. Ein Vertrieb in Europa, wo auch der südkoreanische Konkurrent Hyundai/Kia, Fiat und die Franzosen kräftig mitmischen, wäre neu,  doch für Volkswagen keineswegs chancenlos.

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh unterstützt das Vorhaben des Vorstands, ein "Low Budget Car" zu entwickeln: "Wir brauchen für die Schwellenländer ein günstiges Auto unterhalb des VW Up", sagte er unlängst dem Handelsblatt. Bis zum Ende dieses Jahres solle der Konzernspitze ein entsprechendes Konzept vorgelegt werden, berichtete die Zeitung.

Volkswagen erwägt schon seit Jahren den Schritt ins Billig-Segment - auch weil die Kooperation mit dem japanischen Kleinwagen-Spezialisten Suzuki mittlerweile als zerrüttet gilt. Ursprünglich hatten die Wolfsburger von der starken Position des Partners in Südostasien und vor allem in Indien profitieren wollen. Dort ist Suzuki mit der Marke Maruti sehr erfolgreich. (dpa/mwe)

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