Nach über einem Jahr

VW erzielt im Abgas-Skandal weiteren Kompromiss mit US-Klägern

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Bis zuletzt zogen sich die Verhandlungen der Anwälte in die Länge.

San Francisco - Die Bereinigung der Abgasbetrügereien bei großen Dieseln kostet den VW-Konzern in den USA viel Geld. Wie viel genau für Cayenne, Touareg und Co fällig werden, ist aber noch nicht klar.

Über ein Jahr nach Bekanntwerden der Abgasbetrügereien hat Volkswagen einem weiteren womöglich milliardenschweren Kompromiss in den USA zugestimmt. US-Richter Charles Breyer verkündete am Dienstagabend bei einer Anhörung in San Francisco eine grundsätzliche Einigung für Diesel mit größeren Motoren - bei der aber noch viele Details offen blieben. Die US-Umweltbehörde Environmental Protection Agency (EPA) schätzt, dass VW für Rückkauf, Umrüstung und Bußgelder rund eine Milliarde Dollar kalkulieren muss. Entschädigungszahlungen dürften noch hinzukommen.

Bis zuletzt zogen sich die Verhandlungen der Anwälte in die Länge. Nach monatelangem Ringen brauchte es noch mehrere kurzfristige Verschiebungen, bis Richter Breyer endlich mitteilen konnte, dass VW Rückkäufe für rund 20 000 ältere Modelle der 3,0-Liter-Fahrzeuge mit illegaler Abgastechnik anbietet. Bei den restlichen rund 63 000 Autos soll der Konzern zunächst die Chance zu einer Rückrufaktion mit einem Softwareupdate erhalten. Sollte die Umrüstung scheitern, müssten diese Wagen aber ebenfalls zurückgekauft werden.

Diese Modellen sind betroffen

Die Einigung betrifft größere Dieselwagen aus dem VW-Konzern - es geht um teure Modelle wie Porsche Cayenne und VW Touareg, vor allem aber um viele Audi-Luxusmodelle. Bis spätestens Mai 2020 sollen mindestens 85 Prozent der Autos in einen gesetzeskonformen Zustand versetzt werden oder von der Straße verschwinden - sonst drohen höhere Zahlungen.

Zusätzlich zu Rückkäufen und Reparaturen muss der Konzern 225 Millionen Dollar in einen Umweltfonds einzahlen und mit 25 Millionen Dollar die Nutzung emissionsfreier Autos unterstützen. Ein VW-Sprecher in Wolfsburg sprach von einem „weiteren wichtigen Schritt nach vorne“. Die Parteien arbeiteten weiterhin an einer Lösung der verbleibenden Themen.

Auch mit den Anwälten der betroffenen Kunden wurde laut Breyer eine Einigung in wesentlichen Aspekten erzielt. Der Richter sprach von „substanziellen Entschädigungszahlungen“ für die Dieselbesitzer. Einzelheiten sollten bei einer weiteren Anhörung am Donnerstag bekanntgegeben werden. Für den im Juni geschlossenen Vergleich bei 2,0-Liter-Dieseln musste VW noch Entschädigungszahlungen von bis zu 10 000 US-Dollar je Fahrzeug obendrauf legen.

VW haben 18,2 Milliarden Euro zurückgelegt

Was der neue Vergleich VW also insgesamt kostet, ist noch nicht klar. NordLB-Analyst Frank Schwope sieht in der EPA-Schätzung für die Kosten des Vergleichs von einer Milliarde Dollar eher eine Untergrenze. Bislang haben die Wolfsburger für die Bewältigung der Lasten aus der Dieselkrise 18,2 Milliarden Euro zurückgelegt.

VW hatte im September 2015 nach Vorwürfen der US-Umweltbehörden eingeräumt, in großem Stil bei Abgastests manipuliert zu haben. Bei kleineren Dieselwagen mit 2,0-Liter-Motoren hatte der Konzern sich mit US-Klägern bereits auf einen bis zu 16,5 Milliarden Dollar (15,9 Mrd Euro) teuren Vergleich verständigt. In Kanada will VW hierfür umgerechnet rund 1,5 Milliarden Euro ausgeben.

Dieselskandal ist noch lange nicht ausgestanden

Ausgestanden ist der Dieselskandal auch mit dem neuen Vergleich in den USA nicht. Zahlreiche US-Bundesstaaten klagen noch gegen den Konzern, zudem laufen auch noch strafrechtliche Ermittlungen. Auch hier könnte ein Vergleich teuer werden. Experte Schwope schätzt nach wie vor, dass unter dem Strich am Ende 25 bis 35 Milliarden Euro Kosten für die Dieselaffäre stehen. Allerdings dürfte das erst in einigen Jahren klar sein.

Der Zulieferer Bosch, der in den USA wegen Mitwirkung am Abgasbetrug angeklagt ist, erzielte ebenfalls eine Grundsatzeinigung mit den US-Klägern. Details hierzu nannte Breyer nicht. Diese sollen in den kommenden Wochen bis Ende Januar ausgearbeitet werden, sagte ein Bosch-Sprecher. Bis dahin gelte eine Verschwiegenheitspflicht. US-Medien hatten zuvor berichtet, ein Vergleich könnte Bosch mehr als 300 Millionen Dollar kosten.

dpa

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