Fiskus entgehen Milliarden

Steuerbetrug? VW-Boss verteidigt Porsche-Deal

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VW-Vorstandschef Martin Winterkorn.

Wolfsburg - Nach dem langen Warten auf den Komplettkauf der Porsche AG sieht sich die VW-Spitze fast am Ziel. Doch die Steuerfrage sorgt für Zündstoff.

Der vorgezogene Kauf der restlichen Anteile an der Porsche AG markiert für die VW-Spitze eine Zeitenwende bei Europas größtem Autokonzern. “Jetzt ist der Weg frei für eine gemeinsame Zukunft“, sagte Vorstandschef Martin Winterkorn am Donnerstag in der Wolfsburger Volkswagen-Zentrale.

An dem nun überraschend schnellen Zusammenschluss wohl schon zum 1. August kommt heftige Kritik aus der Politik, weil die Unternehmen dabei ein Schlupfloch im Steuerrecht ausnutzten. Andernfalls hätten sie Schätzungen nach rund 1,5 Milliarden Euro Steuern für das Geschäft überweisen müssen.

Fragen und Antworten rund um den VW-Porsche-Deal

Der Staat ist nach Ansicht von Volkswagen bei der Übernahme aber nicht der große Verlierer. “Es fallen Steuern von deutlich über 100 Millionen Euro an. Diese Steuern sind transaktionsbedingt“, erklärte Finanzchef Hans Dieter Pötsch. Zudem könnten die beiden Autobauer zusammen Kostenvorteile heben und so mehr Gewinn machen. Darstellungen, wonach die gewählte Konstruktion gezielt ein Steuerschlupfloch ausnutze, wies er entschieden zurück: “Die kolportierten Zahlen über entgangene Steuerzahlungen in Milliardenhöhe entbehren aber jeder Grundlage.“

So viel verdienen Merkel, Ackermann & Co. - Spitzengehälter in Politik und Wirtschaft

Gehaltserhöhung für Angela Merkel und ihre Minister: Das Bundeskabinett will seine Bezüge erhöhen - und erntet Kritik. Doch die Kanzlerin ist längst nicht die einzige, die in Deutschland gut verdient. Verantwortungsträger in der Wirtschaft bewegen sich in anderen Dimensionen. Die Spitzengehälter im Überblick: © dapd
Josef Ackermann, der Deutsche-Bank-Chef, schaffte es mit seinem Jahresgehalt sogar in die internationale Top 20 - gemessen am Vergleich der Dax-Unternehmen mit den größten europäischen und US-Aktiengesellschaften. Die Bezüge des Schweizers summierten sich nach Angaben der Frankfurter Unternehmensberatung Hostettler, Kramarsch & Partner 2011 auf rund 9,4 Millionen Euro. © dpa
Die parlamentarischen Staatssekretäre, wie hier Christoph Bergner, kommen derzeit auf knapp 10 000 Euro im Monat. Mit der Erhöhung kämen bis August 2013 rund 580 Euro oben drauf. © dpa
Frank Appel, der Vorstandschef der Deutschen Post DHL, kassierte 2011 rund 5,2 Millionen Euro. © dpa
Bundesminister wie Hans-Peter Friedrich und Kristina Schröder verdienen nach Angaben des Innenministeriums rund 13 000 Euro im Monat, nach der geplanten Gehaltsanhebung kämen 750 Euro (im Jahr: 9000 Euro) dazu. © dpa
Jürgen Großmann: Der RWE-Chef kam im vergangenen Jahr auf rund 6,4 Millionen Euro. © dpa
Kasper Rorsted: Bei Waschmittelkonzern Henkel verdiente der Vorstandschef 2011 rund 5,4 Millionen Euro. © dpa
Peter Löscher, der Siemens-Chef, strich im vergangenen Jahr rund 8,7 Millionen Euro ein. © dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkel verdient im Monat 16 152 Euro, hinzu kommt eine sogenannte Dienstaufwandsentschädigung von 1022 Euro. Bis August 2013 sind schrittweise Erhöhungen geplant - das bedeutet ein monatliches Gehaltsplus von 930 Euro (im Jahr 11 160 Euro). © dpa
Norbert Reithofer, der Lenker des Autobauer BMW, kassierte 2011 rund 6,6 Millionen Euro - nicht wenig, aber nur knapp ein Drittel von den Bezügen von VW-Chef Winterkorn. © dpa
Martin Winterkorn ist der Spitzenverdiener unter den deutschen Managern. Der VW-Chef verdiente 2012 mehr als 14,5 Millionen Euro - und das, obwohl er freiwillig auf Gehalt verzichtet hat. © dpa
Wolfgang Reitzle, der Chef des Industriegase-Spezialisten und Anlagenbauers Linde, verdiente 2011 rund 6,7 Millionen Euro. © dpa
Dieter Zetsche, der Daimler-Vorstandschef, kam 2012 auf ein Jahresgehalt von mehr als 8,2 Millionen Euro. © dpa

Kern des Deals ist, dass VW den grundsätzlich steuerpflichtigen Kauf der noch ausstehenden zweiten Hälfte der Porsche AG als eine - ausdrücklich legale - Umstrukturierung ausweist. Die ist steuerfrei.

Das Unternehmen hatte am Mittwochabend angekündigt, die monatelange Hängepartie um das weitere Vorgehen bei Porsche durch die Übernahme der übrigen 50,1 Prozent des operativen Sportwagengeschäfts der Stuttgarter zu beenden. 49,9 Prozent gehören den Wolfsburgern schon. Wohl bereits zum 1. August will VW die noch fehlenden Aktien erwerben. Dafür zahlt der Autobauer rund 4,46 Milliarden Euro in bar. Nach der gescheiterten Fusion hatte VW zunächst erwogen, Porsche in den kommenden Jahren über Optionsgeschäfte unter sein Dach zu holen.

Aus Sicht Winterkorns stellt der mit Spannung erwartete Deal ein zentrales Datum für die gesamte Automobilbranche dar: “Volkswagen und Porsche gehören zusammen. So können wir unsere wirtschaftliche und technologische Leistungsfähigkeit noch einmal deutlich steigern.“

Der neue Porsche Boxster

Kurz nach der offiziellen Präsentation des 911er Cabrio präsentiert Porsche seinen neuen Boxster. Die neue Sportwagen-Generation debütiert in der klassischen Porsche-Paarung Boxster und Boxster S. © Porsche
Der Boxster S leistet nun 315 PS (232 kW). Von Null auf Tempo 100 spurtet der Wagen in 5,0 Sekunden; 8,0 Liter Verbrauch. © Porsche
Im April 2012 ist der Boxster S ab 59.120 Euro zu haben. © Porsche
Die Basisversion leistet 265 PS und beschleunigt von Null auf Tempo 100 in 5,7 Sekunden; Verbrauch: 7,7 Liter. Lesen Sie hier mehr... © Porsche

Porsche-Chef Matthias Müller will mit den Milliardenmitteln die Ausgaben drücken, aber auch den Aufbau neuer Geschäfte voranbringen: “Damit wollen wir strategische Investitionen vornehmen“, sagte Müller.

Ziel ist ein integrierter Konzern, in dem Gemeinschaftsprojekte in Entwicklung und Vertrieb angeschoben sowie langfristig bis zu 700 Millionen Euro pro Jahr an Kosten eingespart werden sollen. “Die bisherige rechtliche Trennung von VW und Porsche hat verhindert, die Synergiepotenziale komplett einzuschätzen“, erklärte Müller.

Mit einem Kunstgriff will Volkswagen allerdings die befürchteten hohen Steuerzahlungen beträchtlich drücken. Eine spezielle Regelung erlaubt es den Wolfsburgern, das Porsche-Geschäft als Umstrukturierung im Konzern anstatt als normalen Kauf externer Anteile zu definieren - wenn zugleich eine VW-Stammaktie nach Stuttgart verschoben wird. Aus der Politik kam hierzu heftige Kritik, vor allem aus dem Porsche-Stammland Baden-Württemberg und von der FDP.

Wie die Zeit vergeht mit dem VW Bus

VW Bulli:  Bus Modelle Geschichte
Dieses Auto steht wie kein anderes auf der Welt für das Lebensgefühl der Freiheit: der VW Bus. 1950 debütierte er und mit ihm ein bestechend einfaches Design. © VW
Der VW T1 wird bis 1967 gebaut und ist ein echtes Freizeitfahrzeug.
Der VW T1 wird bis 1967 gebaut und ist ein echtes Freizeitfahrzeug. © VW
VW Bus Modelle Geschichte
Aus der Betriebsanleitung 1961: „Im VW-Campingwagen ist all das verwirklicht, was Sie sich schon immer gewünscht haben, wenn Sie vom unabhängigen, ungebundenen Reisen träumten.“ © VW
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T1 VW Bus gebaut bis 1967 © VW
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VW T1 gebaut bis 1967 © VW
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Im Sommer 1967 präsentiert Volkswagen die neue, zweite Generation des Transporter: Den T2 VW-Campingbus. © VW
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VW T2. © VW
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Die Motorleistung steigt bis auf 70 PS. Hier der T2 - VW Brasilien - gebaut bis 1979. © VW
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T2 - VW Brasilien gebaut bis 1979. © VW
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Der eckigste Bus aller Zeiten kommt 1979 auf den Markt: Die dritte Generation, der T3 VW Bus. © VW
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Der markante T3- VW Bus wird bis 1990 gebaut. © VW
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Das VW-Campingfahrzeug der 1980er Jahre: Der VW T3 Joker. Der VW war aber auch für Naturliebhaber sehr teuer. © VW
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Mit günstigerem Einstiegspreis von damals 39 900 Mark und einen neuen Namen präsentiert sich der T4 1988: Der VW California mit Hochdach. © VW
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Im Sommer 1990 präsentierte Volkswagen dann den T4 und nahm Abschied vom Heckmotor. T4 - VW California gebaut bis 2003 © VW
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Mit Einführung des T5 im Jahr 2002 beschränkte sich der California auf die meistgebaute Variante mit Aufstelldach, die Produktion übernahm VW nun im Werk Hannover selbst. T5 - Volkswagen California Beach © VW
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Heute 2010: Der VW California Comfortline mit elektrohydraulisch ausfahrbarem Aluminium-Aufstelldach. © VW
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T5 - Volkswagen California Beach © VW
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T5 - Volkswagen California Beach © VW
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T4 - VW Multivan 2 2003 © VW
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T4 - VW Multivan gebaut bis 2003 © VW
VW Bus Multivan
2009: Der neue T5 ist sparsamer und trotzdem stärker und sicherer als jemals zuvor. © VW
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VW Multivan 3 Modell 2010. © VW
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Der VW T1 wird bis 1967 gebaut und ist ein echtes Freizeitfahrzeug. © VW

FDP-Bundestagsfraktionschef Rainer Brüderle sagte dem “Handelsblatt“ (Freitag), wenn Weltkonzerne mit solchen Steuertricks Milliarden an Steuern sparen könnten, müsse sich jeder Steuerzahler veräppelt fühlen. “Von so viel Nachsicht der Finanzämter können viele Handwerker nur träumen.“ Brüderle räumte aber ein: “Das mag alles legal sein, zeigt aber, wie dringend wir ein einfacheres und gerechteres Steuerrecht brauchen.“

Pötsch sagte zu der nun tatsächlich anfallenden viel geringeren Steuerlast: Die genannten mehr als 100 Millionen Euro ergäben sich nicht aus einer Schätzung staatlicher Mehreinnahmen, die ein stärkeres Autogeschäft dank des früheren Porsche-Einbaus auslösen dürfte. Sie bezögen sich vielmehr direkt auf den Erwerb der Anteile - etwa durch die Zahlung von Grunderwerbsteuer. Im Fall eines Abwartens bis Mitte 2014 wäre VW überdies nicht völlig steuerfrei davongekommen, sagte Pötsch. Die Summe wäre dann aber nicht “nennenswert“ gewesen.

Winterkorn erklärte, der Porsche-Kauf sei “gut für Volkswagen, für Porsche und für den Industriestandort Deutschland“. Er sichere Jobs, am VW-Stammsitz in Wolfsburg werde keinesfalls gerüttelt. Porsche solle als Marke außerdem eigenständig bleiben. Die Betriebsräte von Volkswagen und Porsche sowie Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) sprachen von einem Meilenstein in der Entwicklung.

dpa

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