Vor 80 Jahren: Bei der ersten Präsentation fiel der Motor der durch

Der VW-Käfer: Seine Weltkarriere begann mit einem Stolperer

+
Der erste im Jahr 1936 gebaute VW-Käfer.

Stuttgart. Es war ein großer Tag in der Porsche-Villa: Granden des Reichsverbands der Automobilindustrie waren in den Feuerbacherweg in Stuttgart geladen. Auch Vertreter von Daimler-Benz, von Opel und des Audi-Vorläufers Auto Union waren gekommen, um den Prototyp des ersten Volkswagen zu begutachten.

Das Problem: Der heute als Käfer bekannte Wagen wurde ausgerechnet bei dieser Präsentation vor 80 Jahren seinem späteren Ruf nicht gerecht. Der Motor - ein Zweizylinder-Zweitakter mit 850 Kubikzentimetern - war nicht funktionstüchtig. Das von den Nazis „Kraft-durch-Freude-Wagen“ getaufte Auto lief nicht.

Trotzdem war das Treffen am 3. Juli 1935 kein Flop: Noch vor Kriegsbeginn wurde der von Ferdinand Porsche für die Nazis entwickelte Volkswagen in Einzelstücken gefertigt. Bis Ende des Zweiten Weltkriegs wurden etwa 630 Limousinen gebaut.

Im Auftrag der Nazis: Adolf Hitler begutachtet auf der Rückbank den ersten Wagen vom Typ Käfer, der 1936 bei der „Gesellschaft zur Vorbereitung des deutschen Volkswagens“ in Stuttgart gebaut wurde. Die Entwürfe hatte der Konstrukteur Ferdinand Porsche (Mitte, ohne Kopfbedeckung) geliefert.

Nach Kriegsende ging der VW Käfer unter britischer Regie in Serie, wurde zur Erfolgsgeschichte für Volkswagen und zum Symbol für das deutsche Wirtschaftswunder. 1950 wurden 82.000 VW Käfer gefertigt. Generationen von Deutschen zwängten sich für die Fahrt in den Urlaub in den VW. Die dunkle Vergangenheit schien vergessen.

„Die Sympathie für den Käfer speist sich aus verschiedenen Kanälen, einer davon ist das Aussehen“, erklärt Lutz Fügener, Designprofessor an der Hochschule Pforzheim. „Diese gefällige wiedererkennbare Form, die freundlich ist. Das Kindchenschema mit großen Augen weckt den Beschützerinstinkt.“ Der Name Käfer geht vermutlich auf einen Korrespondenten der New York Times zurück, der in seinem Bericht den Volkswagen als „little shiny bug“ (kleiner glänzender Käfer) bezeichnete.

Allerdings war die Form in den 1930er-Jahren nicht revolutionär. Bei der Konstruktion bediente sich Porsche Ideen des österreichischen Designers Béla Barényi. „So hat man sich das aerodynamische Design vorgestellt“, sagt Fügener. Im Gegensatz zu anderen Autobauern blieb Volkswagen dem Käfer und seiner Formsprache treu.

Der erste im Jahr 1936 gebaute VW-Käfer.

Das wurde dem inzwischen mit Abstand größten deutschen Autobauer fast zum Verhängnis. „Im Jahr 1970 war der Käfer von seiner Entwicklung am Ende“, sagt der Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen. Weil Volkswagen zu lange an dem Konzept festhielt, habe sich der Konzern den Weg in die Zukunft fast verbaut. „Nach dem Käfer kam eine große Durststrecke, bis der Golf kam.“ Klar sei aber auch: „Ohne Käfer gäbe es kein VW und ohne Käfer wäre VW nie ein wichtiger Autobauer geworden.“

Erst 1985 wurde der letzte Käfer in Deutschland offiziell verkauft, aber noch lange aus Mexiko importiert. Erst 2003 wurde die Produktion in Mexiko eingestellt. Insgesamt liefen 21,5 Millionen Käfer vom Band. (dpa)

Er läuft und läuft und läuft

Der Slogan "Er läuft und läuft und läuft" kam nicht von ungefähr. "Der Käfer war ein Auto, dass zu der Zeit in seiner Zuverlässigkeit herausstand", sagt Designprofessor Lutz Fügener. Der VW war sehr einfach zu reparieren und zu warten, durch den luftgekühlten Motor. "Der Käfer hat natürlich eine sehr lange Testphase hinter sich, nämlich den Zweiten Weltkrieg." Porsches Neffe Herbert Kaes unternahm mit dem Prototyp VW 38 mit Wehrmachtszulassung Langstreckenfahrten nach Budapest und Griechenland. Die längste Testfahrt führte bis nach Afghanistan.

Porsche und VW

2014: Der Fuldataler Otto Weymann steht neben seinem verrosteten und zum Kunstobjekt umfunktionerten VW-Käfer. Nach seinen Angaben war es das erste Auto, das nach dem Mauerfall 1989 zwischen Ost und West den Besitzer gewechselt hatte.

Der erste Volkswagen, der Käfer, stammt von Prof. Ferdinand Porsche (1875-1951), der den Wagen in Stuttgart konstruierte. Erst nach dem Krieg wurde das Auto in Wolfsburg gebaut. Die VW-Fabrik leitete Porsches Schwiegersohn Anton Piëch. Aus VW-Teilen konstruierte nach dem Krieg Porsches Sohn Ferry Porsche den ersten gleichnamigen Sportwagen. 1993 wurde Ferdinand Porsches Enkel Ferdinand Piëch VW-Chef. Von 2002 bis vor wenigen Wochen stand er an der Spitze des Aufsichtsrats. Die Porsche-Holding ist komplett in der Hand der Familien Porsche und Piëch. Sie ist als VW-Mehrheitseigner das Dach, das die Firmen Porsche und Volkswagen vereint. (dpa)

Von Annika Graf

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.