Im Werk in Baunatal arbeiten 16.500 Menschen

VW Kassel verbaut täglich 600 Tonnen Stahlblech zu Getrieben

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Das Volkswagen-Werk Kassel in Baunatal: Im Vordergrund der Konzernbereich After Sales mit den OTC-Hallen, im Hintergrund – auf der anderen Seite der A 49 – das VW-Werk mit seinen Fertigungshallen. Die Aufnahme entstand 2012. 

Baunatal. VW in Kassel ist ein wirtschaftlicher beschäftigungs- und strukturpolitischer Motor in Nordhessen. Am Standort hängen nicht nur 16.500 Beschäftigte mit Familien, sondern jede Menge kleine Unternehmen.

Dazu zählen Zulieferer, aber auch viele Handwerker.

VW Werk Kassel ist so groß wie 450 Fußballfelder

Das Volkswagen Werk Kassel umfasst eine Fläche von 3,4 Quadratkilometern, von denen etwa die Hälfte bebaut ist. Das entspricht der Größe von 450 Fußballfeldern. Zum Werk gehören: Gießerei und Bearbeitung, Getriebebau und Aggregate-Aufbereitung, Umformtechnik, Abgasanlagenfertigung sowie der Konzern After Sales.

Der VW-Standort Kassel ist das Kompetenzzentrum für elektrische Antriebe der Marke Volkswagen. Durch seine Kompetenz im Bereich Entwicklung und Planung sowie in der Serienfertigung von e-Maschinen und Hybridgetrieben trägt das Werk maßgeblich zu den Zukunftsprojekten der Marke Volkswagen bei. Kassel ist Leitwerk für die Elektroantriebe und damit auch zuständig für die Planung und Entwicklung des Modularen Elektrifizierungsbaukastens verantwortlich.

Thorsten Jablonski (48) leitet seit Mitte Januar 2016 das Werk. Der 48-jährige Maschinenbau-Ingenieur war zuvor Werkleiter des VW-Komponentenwerkes in Braunschweig. Das Werk Kassel beschäftigt 16 500 Mitarbeiter.

VW Kassel stellt Getriebe her

Es ist der wichtigste Getriebehersteller des VW-Konzerns und zählt zu den bedeutendsten Komponentenlieferanten für die fahrzeugbauenden Werke. Neben Schalt- und DSG-Getrieben werden auch e-Antriebe, Abgasanlagen und formgehärtete Karosserieteile produziert.

Seit der Werksgründung 1958 haben mehr als 127 Millionen Getriebe die Produktionshallen verlassen, im Geschäftsjahr 2016 waren es 3,6 Millionen. Im gleichen Jahr wurden über 2,9 Millionen Abgasanlagen produziert – damit kommen 43 Prozent der Abgasanlagen für Volkswagen in Europa aus Kassel.

Daneben werden täglich 600 Tonnen Stahlblech zu 50.000 Getriebe- und Antriebskomponenten sowie 135.000 Karosseriekomponenten gefertigt. Außerdem werden in der Gießerei, der größten in Europa für Druckgussverfahren, jährlich 13 Millionen Gussteile hergestellt. 

Konzern After Sales hat 2500 Beschäftigte

In Baunatal ist auch der Konzern After Sales angesiedelt. Fünf Original Teile Center (OTC), das FIB (Fahrzeugintelligente Bauteile wie e-Schlüssel) sowie das weltweite Depotnetzwerk beherbergen 1,6 Millionen unterschiedliche Teile für die Konzernmarken. Jährlich werden aus Kassel 21 Millionen Auftragspositionen in mehr als 80 Länder ausgeliefert.

Imelda Labbé

Im Konzern After Sales arbeiten 2500 Beschäftigte. Über die Volkswagen Original Teile Logistik GmbH (OTLG) werden von Baunatal aus zudem sieben Vertriebszentren in Deutschland mit Original Teilen versorgt, die 3600 Werkstattbetriebe zweimal täglich beliefern. Der Bereich wird seit 2016 von Imelda Labbé (49) geleitet. Vor ihrem Wechsel war sie Sprecherin der Geschäftsführung von Skoda Auto Deutschland.

Interview mit VW-Werkleiter Thorsten Jablonski

Der VW-Werkleiter schätzt beispielsweise die Kompetenzen in der Region Nordhessen und die gute Zusammenarbeit mit den Fachbereichen der Universität.


Wie stark reicht die Region ins VW-Werk Kassel hinein?

Thorsten Jablonski: Als größter nordhessischer Arbeitgeber atmen wir mit der Region und die Region mit uns. Die 16.500 Beschäftigten am Standort Kassel leben größtenteils im Umkreis von 50 Kilometern um das Werk. Sie sind für uns ein wichtiger Wettbewerbsfaktor und prägen natürlich auch das Leben in ihren Heimatgemeinden mit. Bedingt durch die gute Auftragslage haben wir uns in den vergangenen fünf Jahren personell deutlich verstärkt. Diesbezüglich profitieren wir als Standort von der guten Ausbildungsqualität in der Region. Als globaler Konzern haben wir in unserer Lieferantenstruktur natürlich viele internationale Partner, schätzen aber auch die regionalen Kompetenzen.

Profitiert Volkswagen von der Universität Kassel? 

Jablonski: Ja, wir profitieren als Standort durch die ausgezeichnete Expertise und die große Kooperationsbereitschaft in den Fachbereichen. Seit Jahren sind unsere Experten im intensiven Austausch zu den Innovationsfeldern, die wir am Standort vorantreiben. Beim Thema e-Antrieb profitieren wir bereits standortübergreifend von der engen Zusammenarbeit. Diese ist für Volkswagen eine wertvolle Bereicherung, da wir auch künftig nicht alle Innovationen bei uns im Werk selbst entwickeln. Ich setze darauf, dass wir diese und weitere Kooperationen in den kommenden Jahren weiter ausbauen, denn wir sind als Standort auf ein gutes regionales Netzwerk angewiesen.

Welche Chancen sehen Sie für Nordhessen? 

Jablonski: Wir stehen weltweit vor einer großen Mobilitätswende, bei der der Umstieg von reiner Verbrennungstechnologie auf Elektroantriebe von zentraler Bedeutung ist. Bis zum Jahr 2025 wird allein die Marke Volkswagen über 20 rein elektrisch angetriebene Modelle anbieten. Darüber hinaus müssen wir Themen wie Digitalisierung der Arbeitswelt, Optimierung logistischer Prozesse sowie Umweltthemen weiter vorantreiben, um international wettbewerbsfähig zu bleiben. Durch diese und weitere wichtige Zukunftsthemen kann für die Region Nordhessen ein lukrativer Markt entstehen, der etablierten Unternehmen wie auch Start-up-Unternehmen Chancen durch den Aufbau neuer Geschäftsfelder und Produkte bietet. Wenn es uns in Nordhessen gelingt, alle Kompetenzen zu bündeln, Synergien zu konzentrieren und in Kooperation mit der Universität Studiengänge weiterhin zu spezialisieren, bin ich überzeugt davon, dass die Region dadurch wirtschaftlich stark profitiert und an Attraktivität weiter dazu gewinnt.

Thorsten Jablonski

Thorsten Jablonski (48), ist 1994 als Volontär bei Volkswagen eingestiegen. Ab dem Jahr 1996 baute er den Entwicklungsbereich im Werk Braunschweig mit auf. Von 1998 bis 2001 war er Referent des Betriebsrats, den er in technischen und wirtschaftlichen Fragen beriet. 

Bevor er im Juni 2012 Werkleiter in Braunschweig wurde, leitete er für zweieinhalb Jahre zusätzlich die gesamte Komponentenentwicklung. Jablonski ist verheiratet und Vater von drei Kindern.

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