Verbraucher sind verunsichert

Fragen und Antworten zu VW: Aufklärung nur scheibchenweise

Jetzt also auch CO2-Angaben, die bei VW nicht stimmen. Und neben Manipula tionssoftware in Dieselmotoren gibt es „Unregelmäßigkeiten“ auch bei Benzinern.

Warum nennt VW keine weiteren Details?

Das fragte der Autoclub ACE gestern auch: „Mit dem jüngsten Eingeständnis verfälschter CO2-Werte tritt VW die Flucht nach vorne an, ohne die Fehler genau zu benennen - das verunsichert Verbraucher weiter.“

Und das Teilgeständnis vom Dienstagabend?

Interpretation von ACE-Sprecher Klaus Michael Schaal: „VW macht das nicht aus Gutmenschentum, vielmehr geht man wohl davon aus, die Fehler würden irgendwann von externer Stelle entdeckt - also lieber jetzt von sich aus an die Öffentlichkeit.“ Laut Handelsblatt soll sich ein Whistleblower, also jemand aus dem Konzern selbst, bei VW-Vorstandschef Matthias Müller mit dem Hinweis gemeldet haben, dass die CO2-Werte bei Tests auf dem Prüfstand bewusst manipuliert worden seien, damit die Autos in eine bessere Energieklasse eingestuft werden.

Unter 800.000 neu verdächtigen Autos - 200.000 davon in Deutschland unterwegs - sind laut VW auch 98.000 Benziner. Und viele Autos, die mit dem Label BlueMotion als vorbildlich schadstoffarm vermarktet wurden. Stimmt das?

Letzteres hat VW bestätigt, nachdem Zeitungen zuvor interne Papiere zitiert hatten. Die FAZ zu CO2-Werten auf dem Papier und im richtigen Leben: „Als Beispiel wird in den Untersuchungsprotokollen der Golf BlueMotion genannt, der mit 90 Gramm CO2/km angegeben ist und tatsächlich mehr als 100 Gramm ausstößt.“ Die interne Revision halte das für „schlicht betrügerische Angaben“.

Polo, Golf, Passat, Audi A1 und A3, Skoda Octavia sowie Seat Leon und Ibiza zeigen CO2-„Unregelmäßigkeiten“. Gibt es genauere Infos?

Nicht offiziell aus Wolfsburg. „Wir wissen auch nicht mehr“, hieß es auf Anfrage aus der Konzernkommunikation. Laut Focus geht es „um Dieselmotoren mit den Hubräumen 1,6 Liter und 2,0 Liter (1.6 TDI/2.0 TDI). Auch bei Benzinern mit Zylinderabschaltung (1.4 TSI bei VW / TFSI bei Audi) wurden Unregelmäßigkeiten festgestellt.“

Dass Autos mehr Sprit schlucken und so auch mehr klimaschädliches CO2 produzieren als behauptet, ist ja kein Geheimnis. Jetzt wird das, wenigstens für VW, auch offiziell. Was droht damit Autofahrern?

Höhere CO2-Werte, das hieße streng genommen höhere Kfz-Steuern - sogar rückwirkend. Diese Mehrkosten, versicherte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), wolle man per Gesetz aber Autofahrern ersparen. Volkswagen solle zahlen. Über alle Marken lässt sich der Staat 2015 wegen manipulierter Abgaswerte laut Schätzungen der Deutschen Umwelthilfe (DUH) 1,8 Mrd. Euro an Kfz-Steuer entgehen. (mit dpa)

Rubriklistenbild: © dpa

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