VW will Rückruf für alle Modelle bis Jahresende anschieben

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Bislang stehen die VW-Werkstätten etwa 4,6 Millionen manipulierten Autos für die Umrüstung offen, weltweit sind 11 Millionen Fahrzeuge betroffen. Foto: Julian Stratenschulte

Lange stockte der Rückruf bei VW, jetzt kommt er langsam in Fahrt. Bis Jahresende will der Autobauer die Umrüstung für alle Modelle zumindest gestartet haben. Das ehrgeizige Ursprungsziel scheint aber kaum noch erreichbar.

Wolfsburg (dpa) - VW will im Abgasskandal noch in diesem Jahr die Umrüstung aller manipulierten Dieselmodelle in Europa auf den Weg gebracht haben. Ob der Konzern es aber schafft, die Aktion wie ursprünglich geplant auch 2016 abzuschließen, ist ungewiss.

"Wir gehen weiterhin davon aus, dass der Rückrufprozess das gesamte Kalenderjahr 2016 umfassen und bis Ende des Jahres für alle betroffenen Modelle begonnen haben wird", sagte der Vertriebschef der Marke VW, Jürgen Stackmann, der Deutschen Presse-Agentur.

Bislang stehen die Werkstätten etwa 4,6 Millionen manipulierten Autos für die Umrüstung offen, weltweit sind 11 Millionen Fahrzeuge betroffen. Stackmanns Äußerung zielt in eine ähnliche Richtung wie Aussagen von Konzernchef Müller, wonach möglicherweise nicht alle Umrüstungen 2016 zu schaffen seien.

Das ursprüngliche Ziel des Konzerns war es, die gesamte Umrüstaktion in diesem Jahr abzuschließen. Es fehlen aber noch Freigaben vom Kraftfahrt-Bundesamt für die technischen Lösungen zahlreicher Modelle. Im ersten Halbjahr hatte es Verzögerungen unter anderem beim Modell Passat gegeben.

Trotz des Skandals und schärferer Abgasvorgaben will VW Dieselmotoren aber noch über Jahre auch in günstigere Kleinwagen einbauen. "Es wird auch 2020 noch einen Polo-Diesel geben", sagte Stackmann.

Um die Zukunft des Dieselantriebs, besonders in den Innenstädten, gibt es seit der VW-Abgas-Affäre verstärkt Diskussionen. Auch dessen Steuervorteile stehen zur Debatte.

Konzernchef Matthias Müller mahnte zudem kürzlich, die Diesel-Fortentwicklung werde "enorm teuer und aufwendig". Parallel würden Elektroantriebe billiger, so dass VW sich fragen müsse, "ob wir ab einem gewissen Zeitpunkt noch viel Geld für die Weiterentwicklung des Diesels in die Hand nehmen".

Stackmann betonte: "Das Thema E-Mobilität wird für die Marke VW kein Nischenthema mehr sein, sondern ein relevantes Geschäft mit großem Aufschlag auch beim Volumen." Die Reichweite sei ein Schlüsselthema ebenso wie die Lademöglichkeiten.

Der VW-Vertriebschef versprach: "Wir bereiten uns auf einen großen, beherzten Schritt in der E-Mobilität vor, der Dornröschenschlaf wird sehr schnell ein Ende haben." Industrie und Bundesregierung fördern die E-Mobilität seit kurzem mit einer Kaufprämie. "Ob das Ziel der Bundesregierung mit einer Million E-Autos 2020 erreicht wird, wird sich zeigen", sagte Stackmann.

Neben Deutschland - das Land will der globale Leitanbieter für die E-Mobilität werden - entschieden aber auch andere Märkte. "China wird ohne Zweifel der größte Markt für E-Autos in der Welt. Der Markt wird dort in schnellen Schüben wachsen", sagte Stackmann.

Er leitet den Vertrieb und das Marketing der Kernmarke seit November 2015. Trotz der Diesel-Krise zeigen sich die Verkäufe bei VW-Pkw robust, die Hausmarke um Golf und Passat liegt in der Halbjahresbilanz nur 0,7 Prozent unter dem Vorjahreswert. "Angesichts der Umstände bin ich mit den Auslieferungen der Marke im ersten Halbjahr 2016 insgesamt zufrieden", sagte der Manager, der zuvor auch bei den VW-Schwestermarken Seat und Skoda Station gemacht hatte.

In den USA gilt als Folge der Abgas-Affäre ein Verkaufsstopp für Diesel, was angesichts brummender Geschäfte auf dem wichtigsten Markt China aber kaum ins Gewicht fällt. "In China gibt es weiter starkes Wachstum, in Nordamerika einen leichten Rückgang."

Der Diesel-Absatz habe in den USA zwar im Durchschnitt einen Anteil von rund 20 Prozent gehabt. "Das durch den Verkaufsstopp der Dieselmodelle fehlende Geschäft konnten wir aber in Teilen durch Fahrzeuge mit Benzinmotoren kompensieren", sagte Stackmann.

Die größte Baustelle bleibe Südamerika. "Die Märkte dort sind wegen der wirtschaftlichen und politischen Krise stark unter Druck. Innerhalb von zwei Jahren hat sich der Markt in Südamerika nahezu halbiert. Es wird eine Zeit dauern, bis sich die Region fängt."

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