Wohnzimmer als Verkaufsraum

Wandel in der Welt der Vertreter: Verkaufspartys beliebt

+
Am Rande einer Verkaufsparty genießt eine Teilnehmerin ein Eis. Foto: Daniel Naupold

Klinkenputzen - das war einmal. Viele Vertreter machen ihr Geschäft längst auf Partys. Im heimischen Wohnzimmer sitzt das Geld locker.

Berlin (dpa) - Der klassische Staubsauger-Vertreter klingelt in Deutschland nur noch selten an der Haustür. Auf Partys im heimischen Wohnzimmer dagegen wird immer mehr verkauft - von Tupperware bis Thermomix.

Im vergangenen Jahr erwirtschafteten Vertreter nach Angaben des Bundesverbands Direktvertrieb mit dem Wohnzimmer-Verkauf rund eine Milliarde Euro. Insgesamt sei der Umsatz im Direktvertrieb trotz des wachsenden Onlinehandels mit 1,8 Milliarden Euro stabil.

Die Partys beispielsweise für Kosmetik, Haushaltsgeräte und Wein machten einen immer größeren Teil des Branchenumsatzes aus, sagte Verbandsgeschäftsführer Jochen Clausnitzer. Von den 11,2 Millionen Bestellungen bei Direktvertriebsunternehmen seien im vergangenen Jahr allein 7 Millionen von Kunden auf Verkaufspartys gekommen.

Mit unbestellten Besuchen an der Haustür - dem klassischen Staubsauger-Vertreter - mache die Branche dagegen nur noch 6 Prozent ihres Umsatzes. "In immer weniger Haushalten sind tagsüber Bewohner zu erreichen", begründete Clausnitzer die Entwicklung. Einige Firmen hätten die Kundengewinnung an der Haustür daher vollkommen aufgegeben und setzten stattdessen auf Stände in Einkaufszentren, wo sie die Geräte vorführten.

Der boomende Onlinehandel vermiest den Vertretern nach Brancheneinschätzung nicht etwa das Geschäft, sondern beflügelt es sogar noch. "Das Thema Glaubwürdigkeit gewinnt an Bedeutung", meinte Clausnitzer. Viele Käufer legten Wert auf Empfehlungen von Freunden und Bekannten. Außerdem könnten sie die Ware bei Verkaufspartys direkt ausprobieren. Deshalb werde auch nur etwa jeder 100. gekaufte Artikel wieder zurückgeschickt - deutlich weniger als im Onlinehandel.

Die Zahl der Vertreter stieg nach Verbandsangaben im vergangenen Jahr um 8 Prozent auf rund 222.400. Fast alle (96 Prozent) von ihnen verkaufen allerdings nur im Nebenjob. "Unseren Mitgliedsunternehmen wären Vollzeit-Beschäftigte lieber", sagte Clausnitzer. Die selbstständigen Berater aber müssten dann oft deutlich höhere Krankenversicherungsbeiträge zahlen. Viele Verkäufer stockten mit den Partys auf oder verdienten sich etwas für die Altersvorsorge dazu. Vor allem Mütter schätzten die Flexibilität. 72 Prozent der vom Verband vertretenen Verkaufsberater sind Frauen.

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.