Die wichtigsten Antworten

Ab wann muss Rente versteuert werden?

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Rund 48.000 Rentner zusätzlich werden am 1. Juli durch die Rentenerhöhung steuerpflichtig. Ob sie auch Steuern zahlen müssen, entscheidet sich erst mit der Steuererklärung.

Wegen der Steuern, die Rentner zahlen müssen, gibt es bei vielen Betroffenen Unsicherheit. Wann muss ich als Rentner überhaupt Steuern zahlen? Und gibt es einen Grundfreibetrag für Rentner?

Die Rentenerhöhung zum 1. Juli 2019 um wahrscheinlich 3,2 (West) bzw. 3,9 (Ost) Prozent für knapp 21 Millionen Rentner in Deutschland bedeutet für rund 48.000 von ihnen, dass sie erstmals Einkommensteuer bezahlen müssen. Damit werden es insgesamt rund 4,98 Millionen Ruheständler sein, deren Rente anteilig versteuert wird. Das teilte das Bundesfinanzministerium dem Rentenexperten der Linken, Matthias Birkwald, mit. Dazu hat die HNA* die wichtigsten Fragen und Antworten für Rentner zusammengefasst.

Wie kommt es, dass Rentner Steuern zahlen müssen?

Seit dem 1. Januar 2005 müssen Renten zum Teil versteuert werden. Dafür werden Aufwendungen für die Altersvorsorge, also gesetzliche Rentenbeiträge und private Vorsorge, zunehmend steuerfrei (mit Ausnahme steuerlich geförderter Beiträge).

Was heißt in diesem Zusammenhang zunehmend?

Der Gesetzgeber hat einen auf 35 Jahre angelegten Übergangszeitraum geschaffen, in dem die Aufwendungen für die Altersvorsorge zunehmend steuerfrei gestellt werden, dafür aber der Anteil der zu versteuernden Rente steigt. Wer 2040 und später in Rente geht, muss 100 Prozent versteuern.

Wonach richtet sich der Steueranteil bei Rentnern?

Nach dem Jahr des Rentenbeginns. 2005 waren 50 Prozent der Rente zu versteuern, ab dann wurden es in Zwei-Prozent-Schritten mehr. 2018 sind es bereits 76 Prozent, 2019 steigt der Satz auf 78 Prozent.

Und dabei bleibt es dann bei diesem Steuersatz?

Ja, dieser prozentuale Anteil ändert sich für den Einzelnen dann nicht mehr. Wer also 2019 in Rente geht, muss immer 78 Prozent der Rente versteuern. Er hat also einen Freibetrag von 22 Prozent. Aber: Dieser Freibetrag wird im Jahr des Rentenbeginns in Euro ausgerechnet und ändert sich ebenfalls nicht mehr. 

Was passiert dann bei Rentensteigerungen?

Der einmal ausgerechnete Freibetrag bleibt, das zu versteuernde Einkommen wird also höher (siehe Hintergrund). Oder anders gesagt: Die Rentenerhöhung muss voll versteuert werden.

Was bringt dem Staat die Rentenerhöhung im Sommer 2019?

Allein die Erhöhung bringt nach Auskunft des Bundesfinanzministeriums Mehreinnahmen von 410 Mio. Euro. ´

Wie kommt es, dass trotz des seit 2005 steigenden Steueranteils nur rund 25 Prozent der Rentner Steuern zahlen?

Weil die Rente geringer ist als das Arbeitseinkommen und damit auch ein geringerer Steuersatz angewandt wird. Zieht man den Rentenfreibetrag von der Rente ab, fällt der Rest bei vielen unter den steuerlichen Grundfreibetrag, der jedem zusteht.

Muss man dann eine Steuererklärung machen?

Ja, wenn die Gesamteinkünfte – also neben der gesetzlichen Rente auch private Renten, Miet- und Kapitaleinnahmen – über dem jährlichen Grundfreibetrag liegen, in diesem Jahr sind das 9000 Euro für Singles und 18.000 Euro für Verheiratete. Viele Rentner haben zusätzliche Einkünfte, können aber auch Werbungskosten, Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung und andere Vorsorgebeträge steuerlich geltend machen.

Gleichen sich steuerliche Freistellung von Altersvorsorge und Besteuerung der Renten tatsächlich aus?

Langfristig übersteigt die steuerliche Entlastung im Berufsleben die Belastung durch die Rentenbesteuerung. Bleibt die Frage, ob die steuerliche Entlastung von Rentenbeiträgen tatsächlich, wie von der Politik erhofft, für private Vorsorge genutzt wird, so der Linken-Politiker Birkwald. Die Linke fordert, dass der steuerliche Grundfreibetrag auf 12.600 Euro erhöht wird, um auch Rentner mit geringerem Einkommen zu entlasten.

 

Petra Wettlaufer-Pohl

 

*HNA.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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