Erbschaftsrecht: Experte berichtet über die Fallstricke der aktuellen Gesetzeslage

Wann Witwen gewinnen

Wenn der Gatte tot ist: Früher konnte die Witwe vor Ablauf der Zehnjahresfrist ihren vollen Anspruch geltend machen, wenn ihr Mann seiner Affäre Geld schenkte – heute ist das anders. Foto: dpa

Kassel. Wer beim Erbrecht auf den Pflichtteil baut, der könnte leer ausgehen. Denn seit dem neuen Erbrecht, das 2009 in Kraft trat, gleicht die Pflichtteilsregelung tickenden Zeitbomben. Mittlerweile häufen sich bei Steuerberatern und Anwälten die Streitfälle bei der Umsetzung des neuen Rechts. Einer der Juristen ist Erb-Experte Thomas Jorde, der heute, ab 18.30 Uhr, bei den Kasseler Erbrechts- und Vermögenstagen bei Plansecur über die rechtlichen Fallstricke referiert. Zwei Beispiele:

1 Klaus schenkt seiner Affäre im Jahr 2000 eine Million Euro. 2009 stirbt Klaus. Seine Witwe macht einen Pflichtteil-Anspruch in selber Höhe gegen die Geliebte geltend. Laut altem Recht war die Zehnjahresfrist noch nicht um, und die Witwe konnte ihren Anspruch voll geltend machen.

Hätte Klaus das Geld 2010 verschenkt und würde erst 2019 sterben, hätte seine Liebschaft die besseren Karten. Da jetzt das Abschmelzungsmodell bei Pflichtteilen gilt, kann Klaus’ Witwe nur noch ein Zehntel geltend machen. Abschmelzungsmodell heißt, der Anteil verringert sich über zehn Jahre jeweils um ein Zehntel.

2 Uwe hat seiner Gattin Maria absprachegemäß in seinem Testament ein Drittel seines Vermögens hinterlassen – den Rest sollen die drei Kinder bekommen. Als Maria nach Uwes Tod erfährt, dass er sie betrogen hat, schreibt sie Amtsgericht und Kindern: „Hiermit schlage ich die Erbschaft aus und mache meine Zugewinnausgleichs- und Pflichtansprüche geltend.“

Als Uwe Maria heiratete, hatten beide kein Vermögen. Als Uwe starb, hatte er ein Vermögen von fünf Mio. Euro. Folgen der Ausschlagung: Maria bekommt statt des Drittels in Höhe von 1,6 Mio. insgesamt 2,81 Mio. Euro. Denn sie bekommt den Zugewinn von 50 Prozent (2,5 Mio.), und aus dem gesetzlichen Erbteil errechnet sich der kleine Pflichtteil, der gegenüber ihren Kindern ein Achtel (0,31 Mio.) beträgt.

Zwei Beispiele, die für reichlich Zwist sorgen können, so Jorde. Deshalb verweist er auf altbewährte Instrumente, die zur Planung des Erbes genutzt werden können. Dazu gehören: Verfügungen von Todes wegen, aber auch Vollmachten, Schenkungs- und Eheverträge sowie Pflichtteilsverzichtsverträge. Aber: Für Gesellschafter von Unternehmen gelten nach neuem Recht andere Regeln, da seien Experten gefragt. Aber, so Jorde: „Grundsätzlich geht Gesellschaftsrecht vor Erbrecht.“

Informationen unter: BDO Troup Fischer, Swetlana Winter, Telefon: (0561) 76 65 0.

Von Dorothea Backovic

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