Hunderte Flüge ausgefallen

Warnstreiks beendet - Verdi setzt Ultimatum

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Zahlreiche Flüge fallen wegen des Warnstreiks aus.

Berlin - Hunderte Flüge fallen aus, Kitas bleiben geschlossen, Busse und Bahnen im Depot. Warnstreiks im öffentlichen Dienst machen den Bürgern das Leben schwer. Verdi verschärft im Tarifkonflikt den Ton.

Hunderte Flugausfälle, geschlossene Kitas, lahmgelegter Nahverkehr: Die Gewerkschaft Verdi hat vor der nächsten Tarifrunde für den öffentlichen Dienst ihre Stärke demonstriert. Ein Warnstreik an sieben Flughäfen behinderte den Flugverkehr am Donnerstag, legte ihn aber nicht lahm. Nach Verdi-Angaben beteiligten sich insgesamt 104 000 Beschäftigte des öffentlichen Dienstes an Ausständen in zehn Bundesländern und an den Flughäfen. Verdi-Chef Frank Bsirske setzte den Arbeitgebern im Tarifkonflikt ein Ultimatum.

Bsirske fordert endlich ein Ergebnis

In der nächsten Gesprächsrunde müsse es ein Ergebnis geben, sagte Bsirske am Donnerstag bei einer Kundgebung vor etwa 3000 Menschen in Freiburg. „Wenn wir Montag und Dienstag nächster Woche wieder zusammensitzen, müssen sich die Arbeitgeber bewegen. Sonst droht, nach der Schlichtung, ein harter Arbeitskampf.“ Die Arbeitgeber müssten ein konkretes Angebot vorlegen.

Bis zum Beginn der Spätschicht folgten Tausende Beschäftigte des öffentlichen Dienstes an Flughäfen dem Aufruf von Verdi und ließen die Arbeit ruhen. Besonders stark betroffen war das größte Drehkreuz in Frankfurt. Dort wurden mehr als 550 von 1300 geplanten Flügen annulliert. Die Passagiere hatten sich allerdings frühzeitig auf die Behinderungen eingerichtet, so dass es an den Terminals ruhig blieb.

Liste der gestrichenen Lufthansa-Flüge

Am frühen Nachmittag wurde der Streik planmäßig beendet. „Der Normalbetrieb läuft jetzt langsam wieder an“, berichtete eine Sprecherin des Frankfurter Flughafens. Die meisten Ausfälle betrafen die Lufthansa, die am Mittwoch vorsorglich jeden dritten ihrer weltweit 1800 für Donnerstag geplanten Flüge abgesagt hatte.

Laut Verdi-Sekretär Uwe Schramm beteiligten sich in Frankfurt am Morgen mehr als 90 Prozent der betroffenen Mitarbeiter an dem Streik. „Es läuft besser als erwartet.“ Dagegen waren an vielen anderen deutschen Flughäfen kaum Auswirkungen zu spüren, obwohl es auch dort Flugausfälle gab. Verdi hatte im Tarifkonflikt des öffentlichen Dienstes zu mehrstündigen Warnstreiks der Flughafenbeschäftigten auch in München, Düsseldorf, Hamburg, Hannover, Köln/Bonn und Stuttgart aufgerufen. In Berlin wurde zwar nicht gestreikt, aber auch dort fielen viele Verbindungen aus, weil die Ziele nicht angeflogen werden konnten.

Bei Streik: Ihre Rechte als Passagier

Es ist eine Horrorvorstellung für Passagiere: Ein Streik am Flughafen legt den ganzen Betrieb lahm. Der Start in den Urlaub verzögert sich, oder die Rückreise. Das sollten Betroffene wissen: © dpa
Fällt ein Flug wegen eines Streiks aus, muss die Airline schnellstmöglich eine Ersatzbeförderung organisieren. Außerdem ist sie verpflichtet, gestrandete Passagiere bei längeren Verspätungen mit Essen und Getränken zu versorgen. © dpa
Was passiert, wenn ich am Flughafen gestrandet bin? Der Veranstalter oder die Fluggesellschaft muss gestrandete Kunden betreuen. Die Leistungen gemäß der EU-Fluggastrechteverordnung sind unabhängig davon, ob das Unternehmen für die Verspätungen oder Ausfälle von Flügen verantwortlich ist. © dpa
Passagiere haben Anspruch auf Essen und Getränke, meist erhalten sie dafür Gutscheine. Verschiebt sich der Flug auf einen anderen Tag, muss die Airline oder der Veranstalter die Übernachtung in einem Hotel übernehmen. © dpa
Wie komme ich trotz des Streiks an mein Reiseziel? Die Fluggesellschaft oder der Veranstalter hat die Pflicht, so schnell wie möglich eine Ersatzbeförderung zu organisieren. Kunden können diese per Telefon oder am Schalter des Unternehmens am Flughafen fordern. Urlauber sollten aber nicht aus Verärgerung ohne Rücksprache einfach ein Zugticket buchen. © dpa
Ab der fünften Verspätungsstunde hat der Fluggast außerdem das Recht, das Ticket zurückzugeben und sich die Kosten erstatten zu lassen. Damit ist die Airline jedoch aus allen Pflichten entlassen. © dpa
Was bedeutet Ersatzbeförderung genau? Die Fluggesellschaft oder der Reiseveranstalter müssen ihre Passagiere schnellstmöglich ans Ziel bringen. Bei kürzeren Streiks ist ein Abwarten üblich. Bei längerer Störung des Flugbetriebes müssen die Airlines und Reiseversanstalter die Kunden mit der Bahn oder Bussen zu anderen Flughäfen bringen und von dort aus zum gewünschten Ziel.  © dpa
Habe ich bei Streik Anspruch auf eine Entschädigung? Nein. Die Fluggesellschaft oder der Veranstalter sind nicht dafür verantwortlich, wenn wegen eines Streiks vom Sicherheitspersonal oder der Fluglotsen Flüge ausfallen. © dpa
Es handle sich um einen Fall höherer Gewalt. (wie auch bei einer Aschewolke) Denn Sicherheitspersonal ist weder bei einer Fluggesellschaft noch bei einem Veranstalter angestellt. Bei einem solchen “Drittstreik“ steht Urlaubern daher keine Entschädigung zu, wie sie eine EU-Verordnung zu Flugausfällen vorsieht. © dpa
Wie sieht es bei einer Pauschalreise aus? Fraglich ist, ob der Veranstalter seine Leistungspflichten erfüllt hat. Die Gründe für ein Nichterfüllen spielen keine Rolle. Sitzen Reisende zum Beispiel zwei Tage am Flughafen fest, statt am Strand zu liegen, können sie den Reisepreis entsprechend mindern. © dpa
Handelt es sich um eine Kurzreise, können sie sogar von der Reise kostenlos zurücktreten. Schadenersatz wegen vertaner Urlaubszeit gibt es jedoch nicht. © dpa

In München wurden 133 Flüge gestrichen, die meisten ebenfalls bei Lufthansa. Der verbleibende Betrieb verlief ruhig und geregelt. Auf den Bus umsteigen mussten die Fußball-Profis von Bayer Leverkusen, die nach dem Auswärtssieg in Augsburg keinen Flug von München aus in die Heimat bekamen.

Die Warnstreiks an den Flughäfen liefen parallel zu Aktionen mit Zehntausenden Beschäftigten aus anderen Bereichen des öffentlichen Dienstes. Schwerpunkte der Ausstände am Donnerstag waren die Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Betroffen waren unter anderem Kitas, Müllabfuhr, Stadtreinigung, Bürgerämter, Verwaltungen, Schwimmbäder, Jobcenter, Arbeitsagenturen, Nahverkehr und Außenstellen der Deutschen Rentenversicherung.

Verdi will damit Druck vor der dritten Tarifrunde machen. Die Gewerkschaften fordern, dass die Einkommen der 2,1 Millionen Angestellten im Bund und in den Kommunen um einen Betrag von 100 Euro und dann zusätzlich um weitere 3,5 Prozent steigen. Die Arbeitgeber haben bislang kein Angebot vorgelegt.

dpa

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