Wegen Schuldenkrise

IWF warnt vor globalem Finanzkollaps

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DAs Bankenviertel in London

Frankfurt/Tokio - Von der Schuldenkrise im Euroraum geht nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) eine große Gefahr für die globale Finanzstabilität aus.

Neben der schnellen Umsetzung bereits beschlossener Maßnahmen seien weitere Schritte nötig, um die Krise dauerhaft zu überwinden und eine Rezession zu verhindern, heißt es in dem am Mittwoch in Tokio vorgelegten „Bericht zur globalen Finanzstabilität“. Neben dem Euroraum drückten auch die hohen Staatsdefizite der USA und Japans das Vertrauen der Märkte.

Schwindendes Vertrauen der Märkte habe in Europa zu einer Kapitalflucht vom Rand in den Kern des Euroraums geführt. Dies bedeute höhere Kreditkosten und eine wachsende Kluft zwischen den „Reichen und Habenichtsen“, stellte der IWF fest.

Eurobonds und Finanztransaktionssteuer: Instrumente gegen Euro-Krise

Eurobonds und Finanztransaktionssteuer sind seit langem diskutierte Instrumente im Kampf gegen die Euro-Finanzkrise. © ap
Eurobonds sind gemeinsam ausgegebene Anleihen aller Eurostaaten. Bisher zahlen die einzelnen Länder für ihre Staatsanleihen unterschiedliche Risikoaufschläge, also Zinsen für ihre Kredite - je nach dem, für wie zahlungsfähig die Investoren den jeweiligen Staat beurteilen. Mit gemeinsam ausgegebenen Papieren entstünde in der Eurozone ein einheitlicher Zinssatz für alle Euroländer. © dpa
Befürworter von Eurobonds argumentieren, mit Gemeinschaftsanleihen steige die Kreditwürdigkeit der Eurozone als Ganzes. Derzeit können sich Länder wie Spanien und Italien nur noch gegen kritisch hohe Zinsaufschläge Geld zur Finanzierung ihres Haushalts beschaffen. Deutschland hingegen nimmt momentan extrem günstig neue Kredite auf, weil es als sehr zahlungsfähig gilt. © dpa
Mit Eurobonds müsste jedoch auch die Bundesrepublik den Investoren eine deutlich höhere Rendite zahlen. Das würde den Bundeshaushalt stärker belasten. Zudem argumentieren Kritiker der Bonds, dass mit einer Vergemeinschaftung der Schulden der Druck zu Sparmaßnahmen und Reformen in den Krisenländern Südeuropas sinken würde. © dpa
Die Finanztransaktionssteuer soll nach einem Vorschlag der EU-Kommission für sämtliche Finanzprodukte wie Aktien, Anleihen oder Derivate in allen 27 EU-Staaten gelten. Befürworter wie Deutschland und Frankreich erhoffen sich Einnahmen in Milliardenhöhe. Zudem könnte die Abgabe den sensiblen Hochgeschwindigkeitshandel an den Börsen weniger attraktiv machen. © dpa
Kritiker wie Großbritannien und Schweden fürchten, dass die Steuer Banken und Investoren vertreibt und damit der Wirtschaft in Europa schadet. Eine solche Besteuerung sei wettbewerbsschädigend, solange internationale Finanzplätze nicht mitmachen. © dpa

Zwar habe die Eurozone wichtige Gegenmaßnahmen eingeleitet, zuletzt im September die Europäische Zentralbank mit der Ankündigung, unter bestimmten Bedingungen Staatsanleihen zu kaufen. Ohne schnell greifende zusätzliche Maßnahmen könnte der zunehmende Druck auf Banken in Europa zu einem Guthaben-Rückgang von 2,8 bis 4,5 Billionen Dollar (2,2 bis 3,5 Billionen Euro) führen. Eine Kreditklemme könnte entstehen, wenn die Banken aus mangelndem Vertrauen weniger Darlehen gewährten.

„Die Verpflichtung zu einer klaren Roadmap für eine Bankenunion und Fiskal-Integration werden zur Wiederherstellung von Vertrauen, Umkehr der Kapitalflucht und Reintegration des Euroraums benötigt“, erklärte der Leiter der IWF-Geldmarktabteilung, José Vinals.

Die einzelnen Staaten müssten ihren Teil dazu beitragen, indem sie eine wachstumsfördernde Politik machten und die Säuberung des Bankensektors abschlössen, sagte Vinals weiter. Er nannte drei Punkte:

- Abbau der Staatsverschuldung und Defizite auf eine Art und Weise, die Wachstum unterstützt,

- Umsetzung von Strukturreformen, um externe Ungleichgewichte zu reduzieren und Wachstum zu fördern,

- Säuberung des Bankensektors, einschließlich der Rekapitalisierung und Restrukturierung überlebensfähiger Banken und Auflösung nicht lebensfähiger Banken.

Diese Anstrengungen seien im Euroraum umzusetzen. Die EZB solle den Banken weiterhin ausreichend Geldmittel zur Verfügung stellen. Von fundamentaler Bedeutung sei eine Bankenunion, „um die schädliche Verbindung zwischen Staaten und inländischen Banken zu brechen“.

dapd

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