Fragen und Antworten

Warum ein Brexit EU-weit für Turbulenzen sorgen würde

Ein möglicher Brexit hätte nicht nur massive Auswirkungen auf Großbritannien. Innerhalb der EU würden sich im Falle des Falles die Gewichte verschieben. Das würde auch Deutschland zu spüren bekommen. Fragen und Antworten zum Thema.

Welche Risiken birgt ein Brexit für alle Beteiligten? 

Für Großbritannien liegen die Risiken auf der Hand. Die Briten würden die Verbindung zur EU und damit zu ihren wichtigsten Handelspartnern kappen. Deutschland müsste künftig mehr Geld für die Finanzierung des EU-Haushalts aufbringen, weil mit den Briten der drittgrößte Nettozahler ausfallen würde. Sie zahlten im Jahr 2014 knapp fünf Milliarden Euro. Diese Summe müsste auf die verbleibenden Staaten der EU verteilt werden.

Ist es grundsätzlich möglich, dass Großbritannien von Brüssel unabhängig wird? 

Unabhängigkeit dürfte in der Binnenmarkt-Gesetzgebung schwierig werden. Auch als nicht EU-Land muss Großbritannien die Regeln zum Wettbewerbsrecht und der Beihilfekontrolle akzeptieren. Fraglich ist, ob sich die EU auf Sonderregelungen für die Briten einlassen würde. Gibt sich die EU zu großzügig, ruft sie Nachahmer auf den Plan. Deshalb müssen sich die Briten im Falle eines Brexits auf Handelsbarrieren zum Kontinent einstellen.

Ökonomen gehen daher davon aus, dass die britische Wirtschaft in den kommenden Jahren um drei bis vier Prozent schrumpfen könnte. Mögliche Zollschranken würden sich auch negativ auf den Handel mit Deutschland auswirken. Vorteile dürfte aber die Stadt Frankfurt haben – Finanzgeschäfte könnten von London nach Frankfurt verlagert werden. Die Stadt müsste allerdings den Ansturm der Banker bewältigen.

Wie groß ist die Ansteckungsgefahr für andere EU-Länder? 

Ansteckungseffekte werden von einzelnen Ökonomen nicht mehr ausgeschlossen. Lösen sich einige Länder aus der EU, würde dies den gesamten Wirtschaftsraum erschüttern. Dies könnte bedeuten, dass Deutschland in eine Rezession rutscht. Globale Auslöser – wie die Pleite der Lehman-Bank und die Immobilienblase in den USA – waren auch 2008/2009 mitverantwortlich für die weltweite Finanzkrise.

Ist es klug, den Zugang zum europäischen Binnenmarkt aufzugeben?

Für die Insel ist ein ungehinderter Zugang aus wirtschaftlicher Sicht von großer Bedeutung. Jede künftige Regierung müsste mit Brüssel Verträge über den Zugang zum Binnenmarkt schließen.

Was bedeutet das für die Währung Euro? 

Zwar setzen die Briten nach wie vor auf das Pfund. Indirekt hinterlässt ein Brexit aber Spuren. Sollten weitere EU--Länder ausscheren, stellt sich die Frage, wie nachhaltig ist der Euro noch? Auf Dauer würde die Gemeinschaftswährung an Wert verlieren. Ein Brexit würde sicherlich zu einer Instabilität der Finanzmärkte führen.

Rubriklistenbild: © dpa

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