VW-Personalleiter Eric Reuting ist seit 100 Tagen im Amt

„Was ich sage, das gilt auch“

Personalchef Eric Reuting Foto: VW

Baunatal. Fliesen im Bad legen, Decke abhängen, Wände verputzen, Treppe schalen – kein Problem für Eric Reuting (45). Der neue Personalleiter im Volkswagen-Werk Kassel in Baunatal werkelt gern: „Mit den eigenen Händen etwas schaffen, das macht Spaß.“

Drei Häuser habe er gebaut, mitgebaut, umgebaut – zuletzt war es ein denkmalgeschütztes, das er bearbeitete. Nun wohnt der Betriebswirt in Kassel. „So soll es für die nächsten Jahre bleiben“, sagt er. Reuting hat im Oktober den Posten von Thomas Sigi übernommen, der in den Vorstand des Autozulieferers ZF nach Konstanz gewechselt hat.

Der Personalchef versteht sich als Macher, ob in den eigenen vier Wänden oder im Büro. Seine Aufgabe bezeichnet er als „gestaltender Dienstleister der Fertigung“. In dieser Funktion will er seinen Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit und damit zur Sicherung des Standorts für die 13 000 Mitarbeiter leisten. Nach den ersten 100 Tagen steht auf seiner Liste die Arbeitssicherheit oben.

„Überzeugen, nicht überreden“

Erfahrung bringt der gebürtige Bochumer, der sich selbst als „Personaler aus Leidenschaft mit kaufmännischen Hintergrund“ bezeichnet, aus fast 20 Berufsjahren bei Thyssen, Audi und Hochtief mit. In dieser Zeit habe er sich den Titel harter, aber fairer Verhandler erarbeitet. „Was ich sage, das gilt auch“, versichert Reuting, der Mitglied der IG-Metall ist. So bereitet ihm der Spagat zwischen Betriebsrat und Werkleitung kein Kopfzerbrechen. Letztlich sei alles eine Frage der Kommunikation. Sein Rezept: „Überzeugen, nicht überreden.“ In all den Berufsjahren hat Reuting, der aus einer Arbeiterfamilie stammt, mehrfach die Position gewechselt. Chance durch Veränderung und Loyalität, nennt er das, da es oft der selbe Arbeitgeber war.

Er selbst sieht sich als Macher – gern unkonventionell. Für einen früheren Arbeitgeber stellte er die Fertigung um, damit das Personal besser eingesetzt werden konnte. Sein Einsatz: den Fertigungsleiter bekochen, eine Flasche Trollinger-Lemberger und einige Stunden Diskussion. Am Tag darauf habe er mit „dürren 20 Zeilen“ begründet, warum er 150 000 Euro für die Änderung brauche. Es hat geklappt.

Wichtig seien ihm Werte wie Respekt, Fairness, Vertrauen und Freude. Für das rechte Maß an Freude sorgt er auch selbst – mit Geburtstagsständchen. In Bochum sang der Vater eines elfjährigen Sohnes in einem Gospel-Chor - „hörbar über Badezimmer-Niveau “, wie er über sich selbst witzelt.

Von Martina Wewetzer

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