Öko-Test berichtet

Der Wasser-Test: Ist Wasser aus der Flasche wirklich gesünder als aus der Leitung?

Wasser aus der Leitung und aus der Flasche standen bei Öko-Test auf dem Prüfstand. Die Experten kommen zu einem eindeutigen Ergebnis.

  • Öko-Test: Ist Wasser aus der Flasche oder aus der Leitung besser?
  • In ihrem Test kommen die Experten kommen zu eindeutigem Ergebnis
  • Die Umweltbilanz der verschiedenen Wasser geht sehr weit auseinander

Kassel - Viele Menschen greifen auf Wasser aus dem Wasserhahn zurück, um ihren täglichen Durst zu stillen. Wieder andere sind der Überzeugung, dass nur Wasser aus der Flasche wirklich sauber und unschädlich ist. Aber was stimmt denn nun? Kann das Wasser aus dem Hahn dem Mineralwasser aus der Flasche wirklich das Wasser reichen? Öko-Test ist dieser Frage auf den Grund gegangen.

Wasser: Öko-Test macht den Vergleich Leitung gegen Flasche

Öko-Test verglich Wasser aus der Leitung und Wasser aus der Flasche. Folgende Punkte wurden verglichen:

  • Verträglichkeit für die Umwelt
  • Besser für das Klima
  • Der Preis
  • Menge an Mineralien
  • Reinheit des jeweiligen Wassers

Um sagen zu können, ob das Leitungswasser genauso gesund ist wie das Wasser aus der Flasche, haben die Experten von Öko-Test zunächst die Reinheit der beiden Produkte verglichen.

Öko-Test: Wasser aus der Leitung und Mineralwasser haben einen gewaltigen Unterschied

Bei Wasser aus der Flasche gibt es häufig noch den Namenszusatz Mineralwasser. Diesen gibt es bei Wasser aus der Leitung selbstredend nicht. Grund für den Namenszusatz ist die Herkunft und damit auch die Reinheit des Wassers, wie die Experten von Öko-Test erläutern. Das Leitungswasser stammt meist aus Grundwasser, das sich in Schichten nahe der Oberfläche angesammelt hat. Teilweise stammt es aber auch aus Flüssen und anderen Gewässern. Deshalb muss es zumeist erst aufbereitet werden, bevor es genießbar ist.

Der Zusatz Mineral bei dem Wasser aus der Flasche darf nur verwendet werden, wenn das Wasser aus einer geschützten Quelle stammt. Diese Quellen finden sich vor allem in großer Tiefe. Der Vorteil bei dem Mineralwasser ist, dass es wenig oder gar nicht aufbereitet werden muss. Das liegt daran, dass Verunreinigungen es meist nicht bis in die tieferen Wasservorkommen schaffen.

Öko-Test: So rein ist das Wasser aus der Flasche im Vergleich zu dem aus der Leitung

In dem Wasser aus der Leitung finden sich oft Verunreinigungen, die erst entfernt, werden müssen bevor es als trinkbar gilt. Ob dies auch gelingt, hat die Stiftung Warentest im Juni 2019 stichprobenartig überprüft. In dem Test, auf den sich auch Öko-Test bezieht, untersuchten die Experten von Stiftung Warentest 20 Proben von Wasser aus der Leitung.

Keine der Proben, die aus jeweils unterschiedlichen Gemeinden stammten, überschritt die vorgegebenen Grenzwerte. Auch die Gesundheitsämter überprüfen diese Werte in regelmäßigen Abständen. Verunreinigungen kommen allerdings auch bei Wasser aus der Flasche vor. Diese Verunreinigungen finden sich im Grundwasser in Deutschland und müssen bereinigt werden:

VerunreinigungUrsprung
Nitrat Hauptsächlich aus landwirtschaftlichem Dünger
Pestizide Auch Gifte von vor 20 Jahren die langsam abgebaut werden
ArzneimittelrückständeKläranlagen können nicht alle Rückstände aus Fäkalien filtern
ChemikalienUrsprung: Industrie, Reinigungsmittel und Pflegeprodukte

Wasser im Test: Das Fazit von Öko-Test

In einigen Punkten ist die Trinkwasserverordnung, welche für das Wasser aus der Leitung gilt, sogar strenger als die Mineralwasserverordnung, welche für das Wasser aus der Flasche gilt. Laut Öko-Test ist in den allermeisten Fällen Wasser sowohl aus der Flasche als auch aus der Leitung sauber. Die Annahme, dass Mineralwasser in der Regel sauberer ist, bestätigt sich dagegen nicht.

Wasser im Test: Mineralstoffquelle von Öko-Test bewertet

Die Ansicht, dass Wasser als eine Hauptquelle an Mineralstoffen fungiert, ist weit verbreitet. Wissenschaftler der Universität Paderborn verweisen allerdings seit Jahren darauf, dass die lebenswichtigen Mineralstoffe vor allem über feste Nahrung aufgenommen werden. Im Test von Öko-Test kam heraus, dass Wasser aus der Leitung so gut wie nicht für die Versorgung mit Mineralien geeignet ist. Öko-Test beruft sich hierbei auf eine Studie des Institutes für Lebensmittelwissenschaft und Humanernährung in Hannover.

Grund für den schlechten Mineralstoffgehalt des Wassers aus der Leitung ist laut den Experten aus Hannover die Entsalzungsanlagen in den Aufbereitungsanlagen. Aber auch bei Wasser aus der Flasche ist nicht immer ein hoher Gehalt an Mineralstoffen garantiert. Laut Öko-Test könne vor allem mit den Produkten, die „mit hohem Gehalt an Mineralien“ gekennzeichnet sind, ein Beitrag zur eignen Mineralstoffversorgung geleistet werden.

Diese Kennzeichnung darf Wasser aus der Flasche nur tragen, wenn der Gehalt über 1.500 Milligramm pro Liter liegt. Öko-Test zieht hier das Fazit, dass Wasser aus der Flasche beim Punkt Mineralstoffgehalt einen leichten Vorsprung gegenüber dem Leitungswasser hat. Allerdings nur, wenn das „richtige“ Wasser besorgt wird.

Experten von Öko-Test überprüfen Wasser-Qualität - der Test zeigt, ob Flasche oder Leitung besser ist (Symbolbild).

Wasser im Test: Geld sparen mit der Flasche oder doch aus der Leitung?

Bei Wasser gibt es extreme Preisunterschiede. Laut Öko-Test kostet das billigste Wasser aus der Flasche 13 Cent pro Liter. Das Wasser aus der Leitung ist im Schnitt 65-mal billiger. Bei diesem kostet der Liter im Durchschnitt laut Umweltbundesamt nur 0,2 Cent.

Tatsächlich richtet sich der Preis von dem Leitungswasser nach dem, was tatsächlich dafür an Kosten angefallen ist. Im Jahr 2016 betrug die Wasserabgabe pro Person am Tag in Deutschland 123 Liter. In Europa Vergleich liegt Deutschland damit im Mittelfeld. Italien hat beispielsweise einen täglichen Pro-Kopf-Verbrauch an Leitungswasser von 243 Litern.

Wasser im Test: Öko-Test untersuchte auch die Belastung für das Klima

Ein sehr eindeutiges Fazit kam bei der Recherche von Öko-Test in Bezug auf die Frage der Klimabelastung heraus. Demnach ist Wasser aus der Leitung weit weniger schädlich für das Klima als das Wasser aus der Flasche. Öko-Test beruft sich hierbei unter anderem auf das Institut für Energie- und Umweltforschung in Heidelberg. Laut diesem werden für einen Liter Wasser aus der Leitung weniger als zehn Prozent der Treibhausgase freigesetzt, die für eine Liter PET Flasche benötigt werden.

Die Verbraucherzentrale argumentiert in eine ähnliche Richtung. Laut ihr ist die Klimabelastung durch Mineralwasser aus der Flasche in Deutschland durchschnittlich 600-mal so hoch wie bei dem Wasser aus der Leitung. Das liegt laut der Zentrale auch daran, dass Wasser aus der Flasche mitunter importiert wird. Und das nicht wenig. Im Jahr 2019 sollen es nach Angaben von Öko-Test ganze 1,1, Milliarden Liter gewesen sein.

Wasser im Test: Umweltschädlichkeit ähnlich unterschiedlich wie bei der Klimabelastung

Im Hinblick auf die Belastung der Umwelt gibt es ähnlich große Unterschiede wie bei der Belastung des Klimas. Hier kommt es laut Öko-Test vor allem auf die Verpackung des jeweiligen Wassers an. Wasser aus der Leitung hat hier einen klaren Vorteil. Doch auch bei dem Wasser aus der Flasche gibt es Unterschiede, die großen Einfluss auf die Öko-Bilanz haben.

Die größte Belastung entsteht zum einen durch den Müll, der durch die Verpackung von Flaschenwasser anfällt. Und zum anderen durch die Transportwege, die das Wasser in der Flasche zurücklegt. Innerhalb Deutschlands kommt es nicht selten vor, dass Flaschenwasser bis zu 200 Kilometer weit gefahren wird, bevor es im Handel steht. Der Anteil am Mehrwegesystem liegt in Deutschland bei 33 Prozent.

Experten von Öko-Test untersuchen auch die Öko-Bilanz von Wasser - Gerade bei dem Nass aus der Flasche ist diese wichtig (Symbolbild).

Auch wenn das Leitungswasser besser für die Umwelt ist, gibt Öko-Test dennoch einen Tipp, wie auch bei Flaschenwasser auf die Umwelt geachtet werden kann: Diese wird weniger belastet, wenn man regionales Wasser aus einem Mehrwegsystem kauft.

Auch Stiftung Warentest untersuchte Wasser im Test: Es stammte unter anderem von Aldi und Netto. Eine Naturquelle hatte extrem hohe Uran-Werte.

Öko-Test: Außer Wasser wurden auch andere Produkte getestet

Nicht nur Wasser wurde zuletzt von Öko-Test unter die Lupe genommen, sondern auch Fischstäbchen. Das Ergebnis überraschte sogar die Experten. Auch Reis wurde von Öko-Test bereits untersucht. Einige der untersuchten Sorten bergen Krebs-Gefahr. Einige Lebensmittel erhöhen das Risiko einer Krebserkrankung. Von diesen Produkten sollten Sie laut Stiftung Warentest die Finger lassen, um das Risiko für Krebs zu senken. (Von Lucas Maier)

Auch Sonnencremes für Kinder und Babys wurden getestet. Kritisch sieht Öko-Test etwa Inhaltsstoffe.

Apfelsaft ist bei Kindern beliebt. Die Produkte sind sehr gesund. Doch viele Säfte enthalten auch Rückstände schädlicher Stoffe. Öko-Test vergibt vor allem an Bio-Apfelsaft Bestnoten.

Rubriklistenbild: © dpa

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