Fragen und Antworten

Von wegen Drahtesel – Fahrräder mausern sich zu Trendprodukten

Will Maßstäbe setzen: Als Symbiose von Fahrrad und Motorrad beschreibt die Münchner Evinci Mobility GmbH ihr SUV-E-Bike Pike I. Das Rad beschleunigt in vier Sekunden von 0 auf 40 km/h, der Akku soll für mehr als 100 Kilometer reichen. Noch im März soll die Serienproduktion starten. Zum Preis gibt es noch keine Angaben. Foto: obs/evinci Mobility GmbH

Berlin. Zwar gilt das Auto als des Deutschen liebstes Kind, aber das Fahrrad holt in Sachen Beliebtheit offenbar auf. Fragen und Antworten zum Thema.

Immer mehr Zweiräder werden verkauft, längst sind Räder unterschiedlichster Art trendy. Das gilt auch für E-Bikes, also solche mit Elektromotor. Trotzdem fordert die Branche eine Förderung, falls die Bundesregierung künftig den Kauf von Elektroautos bezuschussen sollte.

Was macht das Rad so attraktiv? 

Wer Staus umgehen will, zur Schule muss oder nur kurz zum Einkaufen möchte, nutzt das Rad. Vor allem in den Städten, so gestern der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) bei seiner Jahrespressekonferenz in Berlin, sei das Auto immer weniger das erste Verkehrsmittel der Wahl. Hinzu kommt, dass der Drahtesel ein Statussymbol geworden ist, für den viele Kunden tief in die Tasche greifen.

Wie hat sich der Fahrradmarkt 2015 entwickelt? 

Letztes Jahr hat die Branche erneut Zuwächse verbucht. So wurden 4,35 Millionen Räder und E-Bikes verkauft, 2014 waren es insgesamt 4,1 Millionen. Der Bestand der Fahrräder inklusive Elektroräder wird in Deutschland jetzt auf 72 Millionen geschätzt. Der Umsatz lag in 2015 bei 2,42 Milliarden Euro, zwölf Prozent mehr als im Vorjahr. Rechnet man das Zubehör- und Teilegeschäft noch dazu, ergibt sich eine Summe von rund fünf Milliarden Euro.

Worauf legt der Kunde Wert?

Die Entwicklung gehe zu hochwertigen Rädern, so gestern ZIV-Geschäftsführer Siegfried Neuberger. „Das Fahrrad ist immer mehr ein Trend- und Imageprodukt.“ Durchschnittlich gaben Kunden im letzten Jahr 557 Euro für ein Rad oder ein E-Bike aus. 2014 waren es noch 528 Euro.

Besonders häufig gekauft wurden Trekking-Räder (Anteil 33 Prozent), vor Cityrädern (21 Prozent), gefolgt von den E-Bikes (12,5 Prozent) und den Mountainbikes (zehn Prozent). Kunden gehen aber immer noch am liebsten zum Fachhandel, 69 Prozent aller Räder wurde dort gekauft. Nur 18 Prozent in Baumärkten und Warenhäusern, 13 Prozent im Internet.

Woher kommt der Trend zum E-Bike?

Die Modellvielfalt ist laut Verband größer geworden und richtet sich jetzt auch an eine jüngere und sportliche Zielgruppe. Deshalb sei zum Beispiel das E-Mountainbike im Moment besonders gefragt. 2015 wurden 553 000 Elektroräder verkauft, die Branche verzeichnete ein Plus von 11,5 Prozent. Der Bestand der E-Bikes in Deutschland wird auf 2,5 Millionen geschätzt.

Weshalb will man eine Förderung? 

Den Plan der Bundesregierung, bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf die Straße zu bringen, habe man bei den E-Bikes längst erfüllt, so Neuberger. Sollte die Koalition eine Kaufprämie für E-Autos beschließen, müssten Elektroräder trotzdem entsprechend gefördert werden. Schließlich seien auch sie eine Alternative zum herkömmlichen Auto.

Frühjahrs-Check fürs Fahrrad

Vor der ersten Radtour im Jahr sollte das Fahrrad nicht nur geputzt werden, sondern auch Bremsen, Kette, Licht und Reifen müssen geprüft werden. Technisch Versierte können vieles selbst erledigen, doch es gibt Grenzen: Gehe es um elementare Dinge wie Schaltung oder Tretlager, sei der Gang ins Fachgeschäft ratsam, rät Roland Huhn vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club (ADFC).

Händler bieten Fahrradinspektionen an – je nach Umfang zwischen 60 und 70 Euro.

Kette

Eine Stahlkette besteht aus rund 400 Einzelteilen und kann Rost ansetzen, wenn sie nicht gut gepflegt wird, erläutert David Koßmann vom Pressedienst Fahrrad. Dann kann sie bei der Fahrt abfallen oder brechen. Besonders bei einer offenen Kettenschaltung bedarf die Kette einer guten Pflege. Am besten wird sie während der Saison etwa einmal pro Monat geölt. Eine rostige Kette lässt sich mit Öl und einem Lappen oft wieder flott machen. Bei extremem Rost sowie festkorrodierten Gliedern muss sie eventuell ausgetauscht werden.

Reifen

Fast jeder Reifen verliert mit der Zeit Luft, daher muss er vor der Fahrt aufgepumpt werden. Wie viel der Reifen verträgt, steht auf dem Mantel. Zum Reifen-Check zählt auch die Überprüfung des Mantels. „Eine bestimmte Profiltiefe ist zwar gesetzlich nicht vorgeschrieben, aber blank sollte die Lauffläche nicht sein“, sagt ADFC-Experte Roland Huhn. Sind Risse oder einzelne Fäden am Mantel sichtbar, ist dies ein Zeichen dafür, dass die Decke ausgetauscht werden muss.

Speichen

Beim Speichentest reicht es, mit zwei Fingern die Spannung der Speichen zu prüfen, sagt Huhn. Ist eine Speiche locker, muss sie nachgezogen werden. Das sollten nur Fahrradkenner selber machen, ansonsten kann das Ergebnis eine Acht in der Felge sein. Daneben müssen Felgen über je zwei Reflektoren verfügen, um verkehrssicher zu sein.

Bremse

Moderne Velos verfügen zwar über Scheibenbremsen, aber auch hier gibt es Klötze, die sich abnutzen können. Geprüft werden müssen in jedem Fall auch die Bremszüge. „Man sollte noch ungefähr zwei Zentimeter Luft haben, wenn man am Bremshebel zieht“, sagt Huhn. Dann ist gewährleistet, dass man noch wirkungsvoll bremsen kann.

Bei Fahrrädern mit Felgenbremsen sollten Bremsklötze und Felge gereinigt werden. (dpa/tmn)

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.