Sparquote sinkt

Wegen Mini-Zinsen: Deutsche sparen immer weniger

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Geschlachtetes Sparschwein: Die EZB verdirbt den Menschen in Deutschland zunehmend die Lust am Sparen.

Berlin - Die EZB verdirbt den Menschen in Deutschland zunehmend die Lust am Sparen. Weil Anleger auf dem Sparbuch oder dem Tagesgeldkonto nach Abzug der Inflation Geld verlieren, sinkt die Sparquote.

Als Reaktion auf den Mini-Zins legen die Menschen in Deutschland immer weniger Geld auf die hohe Kante. 2012 sei die Sparquote - also die Sparsumme als Teil des verfügbaren Einkommens - um 0,1 Prozentpunkte auf 10,3 Prozent gesunken, in den ersten sechs Monaten 2013 auf nur noch 10,0 Prozent, teilte der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) am Dienstag in Berlin mit.

Eine zentrale Ursache für diesen Rückgang sei die lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), sagte BVR-Vorstandsmitglied Andreas Martin: „Die niedrigen Zinsen verringern die Erträge konventioneller Zukunftsvorsorgeprodukte und damit auch die Sparanreize.“ Experten wie Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater warnen seit Monaten vor einer Realzinsfalle: Weil die Inflation über dem Zinsniveau liegt, ist die reale Verzinsung negativ - der Sparer verliert Geld.

So wollen die EU-Staaten sparen

Italien: Die Regierung hat ein Sparpaket in Höhe von 24 Milliarden Euro verabschiedet, um den Haushalt zu sanieren. Gespart werden soll vor allem im öffentlichen Dienst. Aber auch Transferzahlungen an Regionen und Kommunen sollen in den kommenden drei Jahren um 10 Milliarden Euro gekürzt werden. © dpa
Spanien: Erstmals in der jüngeren Geschichte des Landes werden die Gehälter der Beamten von Juni an um durchschnittlich fünf Prozent gesenkt und im nächsten Jahr eingefroren. Auch bei den Renten wird es 2011 keine Erhöhung geben. Minister, Abgeordnete und Bürgermeister erhalten weniger Geld. Die staatlichen Investitionen werden um 6 Milliarden gekürzt. © dpa
Portugal: Ministerpräsident José Sócrates hat sein Versprechen gebrochen, die Steuern nicht zu erhöhen. Mit Billigung der Opposition und des Ministerrats kündigte der Sozialist die Anhebung der Einkommenssteuern um 1,0 bis 1,5 Prozentpunkte bis Ende 2011 an. Unternehmen mit Gewinnen von mehr als zwei Millionen Euro sollen eine zusätzliche “Krisensteuer“ von 2,5 Prozent zahlen. Die Mehrwertsteuer soll von 20 auf 21 Prozent steigen. © dpa
Griechenland: Die Regierung hat ein 30-Milliarden-Sparpaket durchgesetzt. Es umfasst viele Einschnitte für den Öffentlichen Dienst. Gehälter und Zulagen werden gekappt und Stellen gestrichen. Die Mehrwertsteuer soll auf 23 Prozent steigen, das Renteneintrittsalter für Frauen auf 65 Jahre angehoben werden. Wer besonders anstrengende Arbeit verrichtet, soll frühestens mit 60 statt bislang mit 55 in den Ruhestand gehen dürfen. Die Zahl der für eine volle Rente erforderlichen Beitragsjahre soll von 37 auf 40 Jahre angehoben werden. © dpa
Großbritannien: Der neue Premierminister David Cameron muss den größten Schuldenberg in der Geschichte des Landes abbauen und ein Haushaltsloch von umgerechnet 182,6 Milliarden Euro stopfen. Angekündigt sind ein weitgehender Einstellungsstopp im Öffentlichen Dienst, Kürzungen bei den Ausgaben für IT-Programme und Reisen von Regierungsmitgliedern. Minister sollen künftig keine eigenen Dienstwagen und Fahrer mehr haben. © dpa
Irland: Es werden Gehälter im Öffentlichen Dienst um bis zu 15 Prozent gekürzt. Die Sozialausgaben werden um 760 Millionen Euro zurückgefahren, beim Arbeitslosengeld kommt es zu Streichungen für bestimmte jüngere Altersgruppen. Geplant sind außerdem die Einführung einer CO2-Steuer und die Erhöhung des Rentenalters, das bis 2028 von derzeit 65 auf 68 Jahre steigen soll. © dpa
Frankreich: Die Regierung will die Staatsausgaben von 2011 bis Ende 2013 einfrieren. Jede zweite freiwerdende Stelle im öffentlichen Dienst wird nicht besetzt. Zudem will Paris Steuerschlupflöcher stopfen. Eine noch für dieses Jahr angekündigte Rentenreform soll das Defizit in den Sozialkassen senken. © dpa
Niederlande: Ähnlich wie die Deutschen pochen die Niederländer auf Konsolidierung. Die Regierung identifizierte Sparmöglichkeiten bei den Staatsausgaben von rund 20 Prozent. Die EU würde eine Anhebung des Pensionsalters von 65 auf 67 Jahre begrüßen, wie es in den Niederlanden debattiert wird. © dpa
Österreich: Mit Steuererhöhungen und strengen Sparmaßnahmen will Österreich seinen Staatshaushalt auf Vordermann bringen. Bund, Länder und Gemeinden sollen bis zu 5,1 Milliarden Euro einsparen, dazu sollen die Bürger über mehr Steuern für höhere Einnahmen sorgen. Außerdem soll es eine Bankensteuer geben, die die alpenländischen Geldhäuser rund 500 Millionen Euro kosten soll. © dpa
Deutschland: Das Finanzministerium hat einen drastischen Sparkurs angekündigt, um die Schulden von mehr als 1,7 Billionen Euro abzubauen. Nach Medienberichten konzentrieren sich die wichtigsten Einsparungen im Haushalt 2011 auf den Abbau steuerlicher Vergünstigungen und allgemeine Ausgabenkürzungen für die Ressorts. Spätestens Ende Juni müssen konkrete Vorschläge vorliegen. © dpa

Martin appellierte an die EZB, die niedrigen Zinsen nicht zum Dauerzustand werden zu lassen: „Anderenfalls droht eine Erosion der deutschen Spar- und Vorsorgekultur.“ Um die schwache Kreditvergabe in den Eurokrisenländern anzustoßen und die Wirtschaft aus der Rezession zu ziehen, hat die Notenbank den Leitzins auf das Rekordtief von 0,5 Prozent gesenkt.

EZB-Präsident Mario Draghi hat angekündigt, dass die Notenbank die Zinsen „für längere Zeit auf dem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau“ halten wird. Daher werde die Sparquote in diesem und kommenden Jahr weiter leicht sinken, betonte der BVR in seiner Studie zum Weltspartag (30. Oktober 2013).

Die Allianz hatte kürzlich errechnet, dass die Niedrigzinspolitik der EZB die deutsche Sparer Milliarden kostet. Der Versicherer stellte Zinsverluste den weniger gezahlten Zinsen für Kredite (Zinsgewinne) gegenüber. Das Ergebnis: Die Menschen in Deutschland verloren 2012 im Saldo 5,8 Milliarden Euro. Je länger die Phase der extrem niedrigen Zinsen anhält, desto größer dürften die Verluste werden. Denn höhere Zinsbindungen laufen nach und nach aus.

dpa

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