Merkels Berater wird Bundesbank-Chef

Berlin - Die Bundesbank wird jünger und weiblicher: Merkels enger Berater Jens Weidmann folgt als jüngster Notenbank-Chef dem amtsmüden Axel Weber, bei dem er einst studierte. Erstmals zieht auch eine Frau in den Bundesbank-Vorstand ein.

Der Wirtschaftsberater von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Jens Weidmann, wird neuer Bundesbank-Präsident. Darauf haben sich die Spitzen der schwarz-gelben Regierung verständigt. Der 42-jährige Weidmann wird der jüngste Notenbank-Chef in der Geschichte der Bundesbank. Der Spitzenposten wird vorzeitig frei, weil Noch-Präsident Axel Weber Ende April zurücktritt.

Weber gilt als wissenschaftlicher Ziehvater von Weidmann, der bei ihm studierte. Als Vize-Präsidentin geht die Bankenaufseherin Sabine Lautenschläger zur Bundesbank, die derzeit bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) arbeitet. Die Bundesregierung wollte die Entscheidung am Mittag (13.15 Uhr) offiziell bekanntgeben. Merkel will zusammen mit FDP-Chef Guido Westerwelle und Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) vor die Presse gehen. Weidmann soll nach dpa-Informationen schon zum 1. Mai seine Arbeit in Frankfurt beginnen. Er nahm am Mittwoch bereits nicht mehr an der Kabinettssitzung teil, in der die Personalien zur Kenntnis genommen wurden.

Der Ökonom beende “mit dem heutigen Tag“ seine Arbeit als Abteilungsleiter im Kanzleramt. Westerwelle hatte zunächst mit der Zustimmung für Weidmann gezögert. Bei den Liberalen gab es Sorgen, dass durch einen direkten Wechsel Weidmanns von der Politik zur Bundesbank ein unguter Eindruck entstehen könnte. Auch die Opposition hatte gewarnt, die Unabhängigkeit der Bundesbank stehe auf dem Spiel. Auf Vorschlag Westerwelles sollte eine Frau auf den Vize-Posten rücken, für den ursprünglich Weidmann im Sommer vorgesehen war. Auch Merkel soll eine Frau gewünscht haben. Westerwelle schlug in der FDP-Fraktion Lautenschläger vor. Es gab keine Einwände gegen die 46-jährige, erfahrene Bankenaufseherin. Merkel hatte Weidmann Anfang 2006 als ihren Berater ins Kanzleramt geholt. Er bereitet auch die Weltwirtschaftsgipfel im Kreis der G8- und G20-Staaten vor.

In der Finanzkrise gehörte Weidmann zum kleinen Kreis der Spitzenbeamten, die die gigantischen Rettungspakete für Banken und Wirtschaft steuerten. Weidmann, der auch beim Internationalen Währungsfonds und bei den Wirtschaftsweisen gearbeitet hatte, gilt als strikter Verfechter einer stabilen Währung. Die tatsächliche Macht der Bundesbank ist seit Gründung der Europäischen Zentralbank aber stark geschrumpft. Der Bundesbank-Präsident verdient rund 400 000 Euro. Weber, der mit seinem plötzlichen Rückzug mitten in der Euro-Schuldenkrise Merkel in Schwierigkeiten brachte, hatte sich für Weidmann als seinen Nachfolger stark gemacht. “Jetzt ist es Zeit, jüngere Kräfte ranzulassen.“ Weidmann sei “ein hervorragender Ökonom“ und “ein absoluter Profi“, sagte Weber im “Spiegel“. Ihm zu viel Nähe zur Politik vorzuwerfen, sei nicht gerechtfertigt. Nach Webers Abgang beharrt die Bundesregierung nicht mehr auf einem Deutschen an der Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB). Merkels Kandidat Weber galt lange als Favorit für die Nachfolge von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet, der im Herbst aufhört. Weber hatte sich mit seiner Kritik am EZB-Krisenmanagement in der Euro-Schuldenkrise international isoliert und schließlich das Handtuch geworfen.

dpa

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