Defizit von 62,4 Mio. Euro

Nach Geschäftseinbruch: SMA setzt auf das zweite Halbjahr

Niestetal/Kassel. Nach dem schlechten Jahresauftakt hat der nordhessische Solar-Spezialist SMA auch im zweiten Quartal mit Umsatzeinbrüchen und wachsenden Verlusten zu kämpfen.

Aktualisiert um 12.18 Uhr

Insgesamt wies der Konzern im ersten Halbjahr 2014 vor Zinsen und Steuern (Ebit) ein Defizit von 62,4 Millionen Euro aus - vor Jahresfrist hatte sich das Minus noch auf 23,2 Millionen belaufen.

Unterm Strich fiel der Verlust von Januar bis Ende Juni mit 44,9 Millionen fast drei Mal so hoch aus wie im ersten Halbjahr 2013. Der Umsatz sank um 26 Prozent von 341,2 Millionen Euro, geht aus den am Donnerstag vorgelegten Zahlen hervor.

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SMA hatte vor kurzem den Abbau von 600 Arbeitsplätzen angekündigt und seine Prognose für das laufende Jahr zusammengestrichen. Die im TecDax notierte Aktie fiel bis Mittag um 3,06 Prozent auf 20,125 Euro. SMA stellt Wechselrichter her. Sie wandeln den Gleichstrom aus der Solaranlage in netztauglichen Wechselstrom um und sind damit das Herzstück einer Solaranlage. Doch wichtige Märkte in Europa, einschließlich Deutschland, brechen ein, die Branche steckt im Preiskampf und gleichzeitig stehen Großprojekte im Stau.

Diese Konstellation hinterlässt Bremsspuren in allen SMA-Produktsparten - im ersten Halbjahr war nur das Servicegeschäft auf dem aufsteigenden Ast. Der Umsatz legte um fast 30 Prozent zu, trägt mit 16,4 Millionen Euro aber bislang nur eine Minidosis zum Gesamtgeschäft bei. Einen Gewinn brachteauch in dieses Geschäftsfeld nicht - immerhin fiel das Defizit vor Zinsen und Steuern mit 1,3 Millionen Euro um eine Million besser aus als vor Jahresfrist.

Doch der Hauptumsatzbringer der Niestetaler sind Wechselrichter für kleine und mittelgroße Solaranlagen. Förderkürzungen und die Diskussion um die EEG-Reform drückten den Umsatz im ersten Halbjahr um 20,7 Prozent auf 201,5 Millionen Euro. Derzeit verlieren die Nordhessen mit den Produkten Geld, statt welches zu verdienen: Der Verlust vor Zinsen und Steuern fiel mit 37,7 Millionen Euro wesentlich schlechter aus als vor Jahresfrist (minus 21,1 Millionen Euro).

Nicht einmal an Großanlagen hatte der Konzern noch Freude. Die Sparte Power Plant, die Solarkraftwerke ab einer Leistung von 500 Kilowatt ausstattet und vor Jahresfrist noch schwarze Zahlen vorwies, verabschiedete sich im ersten Halbjahr 2014 in die Verlustzone. Der Umsatz sackte um 42,5 Prozent auf 101,8 Euro ab, beim Ebit verbuchte SMA ein Minus von 13,4 Millionen Euro nach einem Plus von 17,7 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2013.

Mit der trüben Lage vor Augen setzt das Unternehmen seine Hoffnungen auf das zweite Halbjahr. Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon erwartet ein anziehendes Geschäft, vor allem in Nordamerika, Japan, Großbritannien und Australien - schon längst stammt der Löwenanteil des Umsatzes aus dem Ausland.

Der Konzern geht mit neuen Produkten an den Start, darunter mit einem Hybridsystem: Es kann Solarenergie in Stromnetze integrieren, die von Dieselgeneratoren gespeist werden. Millioneneffekte werden außerdem von Kostensenkungsprogrammen erwartet. Der break even, das ausgeglichene Ergebnis, sei in Reichweite, sagte Finanzvorstand Lydia Sommer in einer Analystenkonferenz.

Doch mehr als eine schwarze Null ist in diesem Jahr nicht drin: Ende Juli hatte SMA die Aussicht auf einen operativen Ertrag aufgegeben. Stattdessen rechnet der Konzern jetzt bestenfalls mit einem ausgeglichenen Ergebnis und schlimmstenfalls mit einem operativen Verlust von 45 Millionen Euro. (wll)

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2011 - 30 Jahre SMA

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Weitere Informationen folgen im Laufe des Tages an dieser Stelle.

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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