Einbecker Saatguthersteller gibt mehr Geld für Forschung aus – Streit um Gentechnik

KWS weitet Züchtung aus

Arbeit mit Fingerspitzengefühl: Der Saatguthersteller KWS treibt die Entwicklung von Pflanzensorten und neuen Technologien voran. Das Bild zeigt die Entfernung von Getreidepollen. Foto: KWS

Einbeck. Der niedersächsische Saatguthersteller KWS Saat AG treibt sein Züchtungsgeschäft voran. Im abgelaufenen Geschäftsjahr steckte das Unternehmen knapp 98 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung, acht Mio. Euro mehr als im Vorjahr, sagte Vorstandsmitglied Léon Broers am Donnerstag auf der KWS-Hauptversammlung vor rund 400 Aktionären in Einbeck.

Der Konzern, der im Geschäftsjahr 2009/10 (30. Juni) mit rund 3500 Mitarbeitern 754,1 Millionen Euro umsetzte, schaut sich dabei auch auf anderen Kontinenten um. So wird die Maiszüchtung in China aufgebaut: Das Land bietet für diese Pflanze die riesige Fläche von 23 Millionen Hektar, das entspricht gut der zehnfachen Fläche des Landes Hessen.

Auf Spurensuche

Außerdem hat das Unternehmen seine Aktivitäten auf dem Gebiet der molekularen Marker verstärkt. Das sind kurze Abschnitte in der DNA, dem Erbgut der Pflanze, die auf wichtige Eigenschaften von ihr hinweisen. Diese Marker sind für Züchter ein „Ortschild“, das ihnen hilft, schon in einem frühen Stadium die Pflanzen zu finden, die die gewünschten Eigenschaften haben. Dieses Suchsystem wurde nach Worten Broers deutlich verbessert. Im laufenden Geschäftsjahr will KWS das Budget für Forschung und Entwicklung auf 109 Millionen Euro ausweiten.

Die Hauptversammlung des Unternehmens, das zu rund 56 Prozent im Besitz der Familien Büchting, Arend Oetker und Gieseke ist, wurde von Protesten von Gentechnik-Gegnern begleitet. Die Gruppe um Witzenhäuser Agrarstudenten, Landwirte und Gärtner hatte vor dem Gebäude mit Samba-Trommeln und einer Gentechnik-Rüben-Häckselmaschine auf sich aufmerksam gemacht.

„Die Agro-Gentechnik berge nicht nur unzählige Risiken für Mensch und Umwelt, sondern bedeute auch ein hohes wirtschaftliches Risiko für Konzerne wie KWS, sagt der Landwirt Christian Bayer. Er bezog sich damit auch auf die USA, wo ein Gericht zunächst den Anbau von Zuckerrüben stoppte, die gegen das Herbizid Roundup ready resistent sind.

Nach Forschungsergebnissen der EU-Kommission gebe es keine wissenschaftlichen Hinweise darauf, dass gentechnisch veränderte Pflanzen eine größere Gefahr für die Umwelt oder die Lebens- und Futtermittelsicherheit darstellen als herkömmliche Pflanzen und Organismen, hielt KWS-Vorstandssprecher Philip von dem Bussche dagegen.

KWS nehme an dem steigenden Weltmarktanteil von gentechnisch veränderten Sorten in den Ländern teil, in denen man sich für den Anbau entschieden habe. Die Forschung finde jedoch weitgehend in Deutschland statt.

Im Geschäftsjahr 2009/10 hat KWS unterm Strich 51,5 Mio. Euro verdient. Die Aktionäre, die gut 76 Prozent des Stammkapitals vertraten, genehmigten sich eine Dividendenerhöhung um zehn Cent auf 1,90 Euro je Aktie. Im laufenden Geschäftsjahr sollen Umsatz und Betriebsergebnis um je fünf Prozent steigen.

Von Barbara Will

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