Entwicklungsländer unter Druck

Weltbank sieht Eurozone auf Wachstumskurs

+
Die niedrigen Zentralbankzinsen und eine bessere Kreditvergabe tragen zum Plus in Europa bei.

Washington - In der Eurozone läuft die Wirtschaft nach Ansicht der Experten von der Weltbank deutlich runder. Riskant könnte es hingegen für manche Schwellen- und Entwicklungsländer werden.

Sinkende Ölpreise und eine wahrscheinliche Zinserhöhung in den USA setzen nach Einschätzung der Weltbank viele Entwicklungsländer unter Druck.

Die bisherigen Garanten für das Wachstum der globalen Konjunktur müssten sich mit Reformen und Investitionen auf schwierige Zeiten vorbereiten, warnt die Weltbank in ihrer neuen Konjunkturprognose, die in der Nacht zum Donnerstag in Washington veröffentlicht wurde.

"Die Entwicklungsländer waren ein Motor des globalen Wachstums nach der Finanzkrise, aber jetzt müssen sie mit einem schwierigeren Umfeld zurechtkommen", sagte Weltbank-Präsident Jim Yong Kim in einer Mitteilung. Ihr Wachstum falle dieses Jahr mit 4,4 Prozent um 0,4 Prozentpunkte niedriger als zuletzt geschätzt.

Für das von einem Korruptionsskandal erschütterte Brasilien korrigierte sie ihre Prognose um 2,3 Prozentpunkte nach unten. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde dort um 1,3 Prozent sinken. Deutlich schlechter sehe es auch in Mexiko, Algerien und der Türkei aus. Für die kommenden beiden Jahre hält das Institut an seiner Prognose für die Entwicklungsländer von 5,2 und 5,4 Prozent Wachstum nahezu fest.

Die erwartete Zinserhöhung durch die US-Notenbank Federal Reserve "könnte den Kapitalfluss einschränken und die Kreditkosten erhöhen", sagte der Weltbank-Chefökonom Kaushik Basu. Insgesamt könnte gemessen am BIP rund 1,8 Prozent weniger Investitionen in betroffene Staaten fließen. Vor allem Länder, die als Exporteure bereits unter den Niedrigpreisen für Rohstoffe wie Öl und Kohle litten, könnten weiter in Mitleidenschaft gezogen werden.

Besser gehe es hingegen rund sechs Jahre nach dem Ende der Krise wieder den großen Volkswirtschaften. Die Wirtschaft in der Eurozone etwa erholt sich nach Einschätzung der Weltbank schneller als erwartet. Das Wachstum werde in diesem Jahr 1,5 Prozent betragen, errechnete die UN-Organisation.

Der schwache Euro helfe der Exportwirtschaft. Positiv wirke sich auch der sinkende Ölpreis aus, der zu mehr Konsumausgaben führe. Niedrige Leitzinsen und eine bessere Kreditvergabe durch Banken trügen ebenfalls zum Plus bei.

Zuletzt waren die Weltbank-Ökonomen noch von 1,1 Prozent Wachstum in diesem Jahr in der Eurozone ausgegangen. Im Vorjahr lag es bei 0,9 Prozent. Für 2016 rechnet der Entwicklungshelfer mit eine Plus von 1,8 Prozent. 2017 soll es bei 1,6 Prozent liegen.

Die Weltwirtschaft werde 2015 insgesamt um 2,8 Prozent zulegen, erklärte das Finanzinstitut weiter. Damit revidierte es seine letzte Schätzung vom Januar um 0,2 Prozentpunkte nach unten. Für 2016 und 2017 rechne es mit einem Plus von 3,3 sowie 3,2 Prozent.

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.