2010 könnten die Agrarpreise steigen, aber die Globalisierung bestimmt das Geschehen

Weltmarkt auf dem Acker

Abgestürzt: 2009 brachen die Erzeugerpreise für viele landwirtschaftlichen Produkte in Deutschland dramatisch ein. Am schlimmsten traf es Getreide, Milch, Schweinefleisch und Kartoffeln. Fotos: dpa

Baunatal. Die hessischen Bauern können in diesem Jahr auf mehr Geld für ihre Erzeugnisse hoffen. Das sagte Helmut Born, Generalssekretär des Deutschen Bauernverbandes, am Dienstag am Rande der Landwirtschaftlichen Woche in Baunatal (Kreis Kassel).

Im Wirtschaftjahr 2009, das am 30. Juni endete, hatten die Bauern etwa ein Viertel ihres Einkommens verloren. Gleichzeitig hatten sich Lebensmittelketten, vor allem die Discounter, einen erbitterten Preiskampf geliefert. Nach Worten Borns ist hier aber zumindest leichte Entspannung zu erwarten: Die ersten Preisverhandlungsrunden im November hätten gezeigt, dass moderate Erhöhungen möglich seien.

Dass auf den Verbraucher nun eine gewaltige Teuerungswelle zurolle, sei aber nicht zu erwarten: „Selbst wenn die Lebensmittelpreise um ein oder zwei Prozent steigen würden, würde das den Verbraucher nicht überfordern.“

Angesichts der schwierigen Lage drängt Friedhelm Schneider, Präsident des Hessischen Bauernverbandes, auf gesteigerte Aktivitäten der Landwirte: Nachfrage schaffen, neue Produkte anbieten, den Export steigern, lautet sein Dreisatz. Schon längst finden Agrarprodukte aus heimischen Landen den Weg auf Tische in aller Welt: Mit einem Ausfuhrwert von 50 Milliarden Euro ist Deutschland bereits die viertgrößte Agrar-Exportnation der Welt. Dabei müssen sich die Bauern auf immer launischere Märkte einstellen. Nie zuvor hätten die Preise für Agrarprodukte so stark geschwankt wie im zurückliegenden Jahrzehnt, stellte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Landwirtschaftliche Woche, Heinrich Heidel, fest.

Doch der Weltmarkt lockt auch: „Wenn unsere Schlachthöfe und Molkereien in Tokio, Schanghai oder Kairo mehr erlösen als beim Absatz hier zu Hause, dann müssen wir dort präsent sein“, sagte Born. Gleichzeitig bietet die Energieerzeugung Bauern ein neues Geschäftsfeld. Nach Angaben von Mark Weinmeister, Staatsekretär im hessischen Landwirtschaftministerium hat Bioenergie an der Erzeugung von Strom und Wärme aus regenerativen Quellen in Hessen einen Anteil von 75 Prozent. Bundesweit werde ein Sechstel der Ackerfläche von zwölf Millionen Hektar für die Energiegewinnung verwendet.

Doch die Landwirte fühlen sich in die Zwickmühle genommen: So ziehe sich zwar der Staat aus den Agrarmärkten zurück, mache ihnen aber gleichzeitig immer neue Vorgaben für nachhaltiges und ökologisches Wirtschaften. Dieser höhere Standard müsse bezahlt werden, sagt Born. Die Direktzahlungen der EU, die Landwirten die höheren Kosten zumindest teilweise ersetzen, sind noch bis 2013 beschlossen, nun müsse gesichert werden, dass auch anschließend noch Geld fließe.

Von Barbara Will

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