Die meisten Schnittblumen kommen aus dem Ausland – mit einem CO2-Rucksack

Weltreise für die Vase

Kassel / Göttingen. Den Deutschen blüht etwas. Gut drei Milliarden Euro im Jahr geben sie für Schnittblumen aus. Doch nur jede fünfte Blume sprießt im einheimischen Anbau. Der Rest wird importiert, rund 165 000 Tonnen Schnittblumen waren es im vergangenen Jahr.

Der Weg führt zu 90 Prozent über die Niederlande. Wichtige Lieferanten sind Ostafrika und Lateinamerika. Die empfindlichen Pflanzen reisen per Flugzeug an – und diese verursachen einen erheblichen CO2-Ausstoß.

Doch trotzdem setzt die Rose aus Ecuador dem Klima weniger zu als die Tulpe aus Holland, hat die Schweizer Umweltstiftung myclimate (Zürich) in einer Studie ausgerechnet. Ein Kilogramm der südamerikanischen Blumen verursacht danach CO2-Emissionen von rund zehn Kilogramm – die gleiche Menge holländischer Blumen bringt es auf das Vierfache. Die Blumen aus heimischer Produktion können hingegen eine vergleichsweise geringe Belastung von zwei Kilogramm vorweisen – vorausgesetzt, sie stammen aus dem Freiland.

Belastung Treibhaus

Denn vor allem die Aufzucht in Treibhäusern verlangt viel Energie. Die afrikanischen Blumen wachsen hingegen unter freiem Himmel. Die CO2-Bilanz ist deshalb günstiger, obwohl die 6000 Kilometer lange Flugreise 130 mal mehr Kohlendioxid verursacht als der Kleinlastwagen aus Holland.

Doch die Blumen aus Übersee werden oft mit Methoden angebaut, die Umwelt- und Verbraucherschützern ein Dorn im Auge sind. So prangert die Menschenrechtsorganisation FIAN Hungerlöhne und Verletzung von Arbeitsschutzbedingungen an.

Fair gehandelte und umweltfreundlich erzeugte Blumen, für die es mehrere Siegel gibt, sollen dafür sorgen, dass die Freude am bunten Strauß nicht zu Lasten von Arbeitern oder Natur geht. Dabei spielt auch das Thema CO2 inzwischen eine Rolle.

So haben sich Blumenzüchter, die das von Menschenrechtsorganisationen, Gewerkschaften, Handel und Industrie getragene Siegel Flower Label Programm (FLP) nutzen, zum Projekt „CO2-neutral“ zusammengeschlossen. Dabei wird zunächst die Klimabelastung durch die Blumenzucht errechnet und dann als eine Art Wiedergutmachung durch Umweltprojekte kompensiert.

Auch die Berliner Fleurop AG, an die allein in Deutschland knapp 8000 Floristen angeschlossen sind, hat den Umwelttrend erkannt. Wer einen „klimaneutralen“ Strauß kauft, spendet 1,20 Euro für ein Klimaprojekt der die Umwelstiftung myclimate. Doch „kein Florist schafft es, einen bunt gemischten Strauß aus nachweislich umwelt- und sozialverträglichem Anbau zu binden“, sagt Karin Spengemann, die Leiterin des Partnerservices, der den Kontakt zu den Floristen hält. „Das Angebot an dieser Ware ist einfach zu klein und recht teuer.“ Ein blühendes Geschäft sind die Klimasträuße, die es nur online zu bestellen gibt, nicht: Sie machen gerade einmal drei Prozent des Fleurop-Absatzes aus.

Von Barbara Will

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