Es wird wieder eng auf dem Arbeitsmarkt

Nürnberg - Vom einstigen Glanz ist nicht viel übrig, auf dem deutschen Arbeitsmarkt stehen die Zeichen auf Stagnation. Statt neue Stellen zu schaffen, denken Firmchefs über Kurzarbeit nach.

Entsprechend schwach fällt nach Experteneinschätzung der Herbstaufschwung aus.

Nach einem fast dreijährigem Arbeitsmarktaufschwung signalisiert ein schrumpfender Stellenmarkt das endgültige Ende des deutschen Jobwunders. Abgesehen von einem Ausreißer im Mai ist die Zahl der offenen Stellen im Oktober zum siebten Mal in Folge gesunken. Das geht aus dem am Montag veröffentlichten Stellenindex BA-X hervor. Mit 160 Punkten, einen Punkt weniger als im September, rutsche die Nachfrage nach Arbeitskräften auf den niedrigsten Stand seit Januar 2011. Die Zahl der Arbeitslosen will die Bundesagentur an diesem Dienstag (30.10.) veröffentlichen.

„Angesichts abgeschwächter Konjunkturerwartungen zeigen sich die Unternehmen insgesamt vorsichtiger, was Neueinstellungen angeht“, betonte die BA. In zahlreichen Branchen liege die Zahl der freien Stellen bereits unter dem Vorjahresniveau. Dennoch bewege sich die Zahl der offenen Stellen weiter auf hohem Niveau. So sei der höchste Wert vom Frühjahr 2007 aktuell nur um sechs Punkt unterschritten, gibt die Bundesagentur zu bedenken.

In einer beginnenden Schwächephase sehen Konjunkturforscher und Volkswirte deutscher Großbanken den deutschen Arbeitsmarkt. Nach ihren Berechnungen ist die Zahl der Erwerbslosen als Folge der Konjunkturflaute im Oktober verglichen mit dem Vormonat nur um 50 000 auf 2,74 Millionen gesunken, berichteten die Fachleute in einer dpa-Umfrage. Der im Oktober übliche Rückgang der Arbeitslosigkeit fiele somit nur halb so stark aus wie im Schnitt der vergangenen fünf Jahre.

Die Herbstbelebung ist Teil der typischen Schwankungen auf dem Arbeitsmarkt. Sie folgt auf die zumeist flaue Sommerpause, weil viele Unternehmen wegen Werksferien die Einstellung zusätzlicher Mitarbeiter verschieben. Dieses Mal scheinen sie dabei aber zögerlicher zu sein als sonst.

Die Tendenz auf dem Arbeitsmarkt sei inzwischen „durchwachsen“, sagte Commerzbank-Volkswirt Eckart Tuchtfeld. „Im Vergleich zum Vorjahr läuft der Arbeitsmarkt nicht mehr so rund.“ Die wegen der Konjunkturabschwächung und der Staatsschuldenkrise verunsicherten Unternehmen zögerten immer mehr mit der Einstellung neuer Mitarbeiter. Auch Steffen Henzel vom Münchner ifo-Institut ist überzeugt: „Die Tendenz der vergangenen Monate setzt sich erst mal auf dem Arbeitsmarkt fort und sorgt saisonbereinigt für weiter steigende Arbeitslosenzahlen.“

Fast alle Experten gehen allerdings nur von einer vorübergehenden Schwäche am Arbeitsmarkt aus. „Unterstellt, dass sich die Eurokrise nicht verschlimmert, dürfte die Industrie in der zweiten Jahreshälfte 2013 wieder neue Leute einstellen“, meint Henzel. Mit einem baldigen „Turnaround“ auf dem Arbeitsmarkt rechnet auch Deutsche-Bank-Volkswirt Heiko Peters: „Wenn dann wieder die Exporte zunehmen, wovon wir ausgehen, wird das auch die deutsche Konjunktur und mit etwas Verzögerung auch den Arbeitsmarkt positiv beeinflussen.“ Für das Jahr 2012 rechnet er im Schnitt mit 2,98 Millionen Erwerbslosen.

dpa

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