Wenn aus Äpfeln Himbeeren werden: Mit Aroma "umgefruchtet"

Berlin. Lebensmittelproduzenten sparen immer häufiger an den Zutaten, ohne dass Konsumenten es merken. Zuletzt ärgerten sich Verbraucherschützer über Schokoladenkekse, die ohne echte Schokolade auskommen, oder über Garnelen, die lediglich aus gepresstem Fisch-Eiweiß bestehen.

Jetzt haben sie ähnliche Mogeleien bei Früchten aufgedeckt. Da werden aus Äpfeln Himbeeren gemacht und wie beim Formfleisch ganze Früchte aus Obstbrei zusammengefügt. Mit Fruchtabbildungen auf Verpackungen wird oft geschummelt, lautet das Fazit der Verbraucherzentrale Hamburg, die den Betrug in einer Untersuchung aufgedeckt hat.

Die Etiketten zeigen andere Früchte als die Zutatenlisten. Zum einen fanden die Verbraucherschützer ein Schoko-Kirsch-Müsli, in dem mehr getrocknete kostengünstige Cranberries stecken als Kirschen. Zum anderen fielen ihnen „umgefruchtete“ Früchte auf. Umfruchten ist nichts anderes als ein gelungenes Täuschungsmanöver. So wird aus Billigbeeren teures Obst. „Apfelstückchen lassen sich mit Himbeersaft einfärben und aromatisieren“, sagt Armin Valet, Ernährungsexperte der Verbraucherzentrale der Hansestadt.

Da steckten dann im Müsli anstelle der auf der Verpackung umworbenen Himbeeren mit Himbeersaft gefärbte Apfelstücke. Auch aus Cranberries, also den roten säuerlich schmeckenden Moosbeeren, lassen sich edlere Früchte wie etwa Kirschen oder Erdbeeren machen - mithilfe von preiswerten Aromastoffen.

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Zum Umfruchten verwendet die Lebensmittelindustrie meist natürliche Aromen. Und die kommen in der Regel nicht aus Früchten. „Wichtige Aromastoffe für ein ,natürliches Himbeeraroma‘ kann man zum Beispiel aus Zedernholz gewinnen“, erläutert Valet. Zwar gibt es keine Anzeichen dafür, dass die Aromastoffe, die hierzulande in Lebensmitteln stecken, schädlich sind. Doch ihr Einsatz, so Valet, führt dazu, dass die Lebensmittel überaromatisiert werden und Verbraucher dazu anregen, mehr zu essen.

Ähnlich wie beim Klebefleisch bauen die Lebensmittelmacher selbst ganze Früchte nach - aus Obstbrei. Die so genannten Formfrüchte fielen der Verbraucherzentrale Hamburg in einem Snack auf. Aus Apfelsaft, Apfel- und Erdbeermus fügt der Hersteller die roten Sommerfrüchte zusammen, gaukelt dem Konsumenten auf dem Etikett aber echte Erdbeeren vor. Eine Täuschung, die es in den Augen der Hamburger Verbraucherzentrale so nicht geben darf.

„Zutaten, die auf der Abbildung zu sehen sind, müssen im Produkt auch drin sein“, fordert Ernährungsexperte Valet. Prangten auf der Verpackung saftige Himbeeren, müssten die im Müsli drin sein - und nicht nur Himbeersaft. Enthalte ein Kirsch-Müsli mehr Cranberries als Kirschen, sollte das für Verbraucher deutlich erkennbar sein.

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