Klagen über Billigflieger Easyjet nehmen zu - Flüge wurden erst am Reisetag gestrichen

Wenn die Crew müde ist

Lange Schlangen an den Schaltern von Easyjet: In Berlin Schönefeld saßen teilweise Hunderte Reisende fest, weil der Billigflieger kurzfristig Flüge strich. Foto:  dpa

„Easyjet hat uns am 17. Juli 2010 nicht nach Pisa geflogen und am 31. Juli nicht zurück geflogen! Beide Flüge annulliert, nachdem wir stundenlang im Flughafen gewartet haben! Das war krass und ziemlich mies. Möchte nie wieder EasyJet fliegen. Ferienkaputtmacher!“

www.billigflieger- tickets.de, 3. August

Kassel. So oder so ähnlich erging es vielen Flugreisenden, die mit dem Billigflieger Easyjet in der Ferienzeit unterwegs waren. Abflüge verschoben sich nach hinten, um dann doch annulliert zu werden. Auf billigflieger-tickets.de, einer Internetseite zum Flugpreisvergleich, kommentieren etliche Passagiere, dass sie erst am Abreisetag von den Streichungen erfuhren. Zudem klagten viele Kunden über die schlechte Erreichbarkeit der Airline. Worin aber liegen die Gründe der Flugausfälle?

„Generell werden Verzögerungen bei Billigfliegern über den ganzen Tag verschleppt, weil sie meist zwischen zwei Zielen pendeln. Bei einer sehr straffen Personalplanung sind irgendwann die Crewruhezeiten erreicht, und die Flüge müssen ausfallen“, sagt Oliver Pritzkow vom Luftverkehrs-Branchenportal airliners.de, dessen Online-Redaktion einen tagesaktuellen Nachrichtenüberblick zu Luftfahrtthemen liefert (siehe Hintergrund).

Easyjet macht vor allem Fluglotsenstreiks in südeuropäischen Ländern für die Probleme verantwortlich. Unangekündigte Arbeitsniederlegungen seien der Grund für die kurzfristigen Flugausfälle, sagt Easyjet-Sprecher Oliver Aust. 95 Prozent der Flüge gehen nach Griechenland, Italien, Spanien und Frankreich. Auch das Personal steht im Blickpunkt. „Wir haben 20 zusätzliche Flugbegleiter für Berlin eingestellt und suchen weitere 20. Sie schaffen zeitliche Puffer, aber die Situation ist noch nicht perfekt“, sagt Aust. Außerdem habe man das Berliner Callcenter auf 900 Mitarbeiter aufgestockt.

Warum aber haben andere Billig-Fluglinien weniger Probleme? Oliver Pritzkow von airliners.de: „Der größte Konkurrent Ryanair steuert zum Beispiel eher die abseits liegenden Flughäfen an, da kann auf Verzögerungen flexibler reagiert werden. Easyjet muss auf den großen Flughäfen ein bestimmtes Zeitfenster erwischen. Gelingt dies nicht, drohen Verspätungen.“ Oder es kommt zu ganzen Flugausfällen wie am 17./18. Juli 2010. Hunderte saßen in Berlin fest.

„Fluglotsen gehören nicht zum Betriebspersonal der Airline, deshalb sprechen wir von höherer Gewalt. Aber auch dann muss die Fluggesellschaft alles tun, um die Reisenden zu befördern“, sagt Sabine Fischer-Volk, Verbraucherzentrale Brandenburg.

Welche Möglichkeiten hat der Kunde? „Nicht die Fluglinie entscheidet, sondern der Fluggast. Er hat laut EU-Fluggastrechteverordnung das Wahlrecht, den Flugpreis erstattet oder eine Ersatzbeförderung mit dem nächstmöglichen Flug zu bekommen“, sagt die Reiserechtsexpertin.

Von Torsten Kohlhaase

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