Bundesfinanzminister arbeitet an Neuregelung für Immobilienfonds

Wenn Fonds zur Falle werden

Kassel. Anfang Mai hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble einen Referentenentwurf zur Neuregelung der Kündigungsfristen für offene Immobilienfonds vorgelegt.

Seit dieser Zeit versuchen die Anbieter offener Immobilienfonds über ihre Interessenvertreter vom Bundesverband Investment und Asset Management (BVI), Schäuble die angedachte sechsmonatige Kündigungsfrist wieder auszureden.

Auch eine Mindeshaltedauer von angepeilten zwei Jahren ist der Branche zu lang. Sie plädiert für eine Frist von einem Jahr bei institutionellen Anlegern wie Banken. Ziel dieser Gesetzesänderung ist eine bessere Liquiditätssteuerung. Zurzeit nehmen acht der 46 Fonds keine Anteile zurück und blockieren damit Geld der Anleger – der Fonds wird somit zur Falle.

Am 31. Mai wurde nun in Berlin zwischen Ministerium und BVI mit Argumenten gerungen – doch ohne Ergebnis. Dennoch dürfte den Fondsinitiatoren eine Gesetzesänderung nicht schmecken, denn das Geschäft läuft derzeit außerordentlich gut. Mit einer Jahresrendite zwischen 1,5 und 5,6 Prozent und dem Versprechen der Initiatoren in Immobilien und damit in Sachwerte zu investieren, punkten offene Immobilienfonds gegenüber durchschnittlichen 1,5 Prozent bei Tagesgeld.

Doch bei weitem nicht jeder Euro ist auch in Immobilien investiert. Etwa ein Drittel, so die Daumenregel, liegt in Bankguthaben und ähnlichem. Zum 30. April verwalteten die 46 in Deutschland gelisteten Fonds ein Vermögen von 90 Milliarden Euro. Die derzeit eingefrorenen Fonds haben daran einen Anteil von etwa einem Fünftel der Summe. Ein Jahr zuvor waren es 86,4 Mrd. Euro. Allein im ersten Quartal 2010 flossen den Immo-Fonds 3,2 Mrd. Euro zu – das beste Quartalsergebnis seit sieben Jahren, so der BVI.

Seltsames Zwitterprodukt

Schäubles Gesetzespläne könnten nun all jenen Anlegern dieses Investment vermiesen, die nur kurzfristig Geld parken wollen. Durch Mindesthaltedauer und Kündigungsfrist würden die Fonds zu langfristigen Investments umgebaut. Denn offene Immobilienfonds befinden sich in einer seltsamen Zwitterposition: Einerseits investieren sie in ein illiquides Segment wie Immobilien, andererseits versprechen sie Anlegern ein extrem liquides Anlagevehikel. Die Neugeregelung zielt darauf ab, dass die derzeit mögliche tägliche Anteilsrücknahme entfallen würde. Der BVI plädiert aber für flexible Regeln bei den Produkten.

Schäuble will aber nicht nur das Windhundrennen an den Börsen eindämmen, sondern mit den Fristen für eine bessere Liquiditätssteuerung sorgen. Denn mit den Fristen sinke die Wahrscheinlichkeit, dass die Fonds eingefroren werden müssen, da zu viele Anleger zu viel Geld in kurzer Zeit abziehen und somit den Fonds zwingen, Immobilien zu verkaufen. Eingefroren bedeutet, dass der Anleger nicht an sein Geld kann. Während dieser Zeit macht der Fonds Verluste oder Gewinne.

Von Martina Wewetzer

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