Mit fatalen Folgen

Wenn Schuldner zu spät beraten werden

+
Nur knapp jeder Sechste (15 Prozent) kann seine Schuldenberatung in den ersten drei Monaten beenden, für 18 Prozent der Menschen dauert diese mehr als zwei Jahre. Foto: Angelika Warmuth/Symbolbild

Wer tief in der Schuldenfalle sitzt, hat keine Zeit. Doch die Wartezeit bei der professionellen Beratung richtet sich oft nicht nach der Dringlichkeit der Situation.

Wiesbaden (dpa) - Schuldner in Deutschland müssen im Schnitt zehn Wochen auf eine professionelle Beratung warten - in besonders schweren Fällen kann dies zu spät sein und schlimme Folgen haben.

Für Menschen in finanziellen Schwierigkeiten ist eine schnelle Hilfe wichtig, da oft Zahlungsfristen und Mahnverfahren mit weiteren Gebühren im Raum stehen, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte. Im Extremfall drohten Stromsperren oder eine Kündigung des Mietvertrags.

Nach Angaben der Behörde ist eine Beratung nach zehn Wochen nicht immer ausreichend. Die Lage der Betroffenen, zum Beispiel der Grad der Verschuldung, spiele bei der Wartezeit allerdings meist keine Rolle. Schon 2015 habe die durchschnittliche Wartedauer zehn Wochen betragen, erklärte die Behörde.

Mehr als die Hälfte der Schuldner (63 Prozent) führen das Erstgespräch allerdings innerhalb von drei Wochen. Jeder Zehnte müsse sich dagegen mehr als 20 Wochen gedulden. Die längere Wartezeit entsteht häufig, weil es eine zu große Nachfrage nach begrenzten Terminen in einzelnen Beratungsstellen gibt.

Nur knapp jeder Sechste (15 Prozent) kann seine Schuldenberatung in den ersten drei Monaten beenden, für 18 Prozent der Menschen dauert diese mehr als zwei Jahre. Durchschnittlich zieht sich eine Beratung 16 Monate. Insgesamt gibt es rund 1400 Schuldnerberatungsstellen in Deutschland.

Die Überschuldung von Privatpersonen war nach Angaben der Wirtschaftsauskunftei Creditreform 2016 zum dritten Mal in Folge gestiegen. Rund jeder Zehnte steckte danach finanziell in der Klemme. Betroffen waren etwa 6,85 Millionen Menschen - 131 000 mehr als im Vorjahr, wie aus dem Creditreform-Schuldneratlas hervorging. Mehr als vier Millionen Menschen waren den Angaben zufolge dauerhaft überschuldet. 

Mitteilung vom Statistischen Bundesamt

Creditreform-Mitteilung

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.