Pumpspeicherkraftwerke liefern Strom zu Spitzenzeiten – Eon investiert weitere 200 Mio. Euro

Wenn Wasser bergauf fließt

Alt und neu: Das Kraftwerk Waldeck I ging 1932 in Betrieb, die unterirdische Anlage Waldeck II kam in den 70er Jahren hinzu. Nun soll sie erweitert werden.

Waldeck / Northeim. Der Energieversorger Eon lässt sich die Wasserkraft etwas kosten. Wenn das Pumpspeicherwerk in Hemfurth-Edersee (Kreis Waldeck-Frankenberg) wie geplant erweitert wird, gibt der Konzern innerhalb von zehn Jahren mehr als 300 Millionen Euro für die Anlagen Waldeck I und Waldeck II aus.

Also für Kraftwerke, die nicht einmal die ganze Zeit in Betrieb sind und auf scheinbar paradoxe Weise arbeiten: Sie befördern Wasser erst einmal einen Berg hinauf in ein Becken, um es später durch Röhren auf Turbinen zu leiten, die Strom produzieren.Um Energie zu erzeugen, wird also zunächst Energie gebraucht.

Die ersten Pumpspeicherkraftwerke, die ab den 30er Jahren entstanden, machten sich den Umstand zunutze, dass Nachtstrom billiger war als Tagstrom. Inzwischen haben sie einen neuen Sinn gewonnen: Bei allen Stromkonzernen wird immer mehr Energie aus erneuerbaren Quellen eingespeist. Laut Gesetz müssen die Versorger ihn abnehmen – auch, wenn sie ihn nicht brauchen.

Hintergrund: Strom aus Wasserkraft2009 wurden in Deutschland 596 Milliarden Kilowattstunden (kWh) Strom erzeugt, hat die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen ausgerechnet. Nur 19 Mrd. kWh kommen aus Wasserkraft. Innerhalb der erneuerbaren Energien ist Wasser jedoch die wichtigste Quelle. Alle deutschen Pumpspeicherkraftwerke zusammen haben eine Leistung von 6500 Megawatt. (wll)

Er wird deshalb genutzt, um in Pumpspeicherwerken das Wasser den Berg hinauf zu schicken. Wenn tagsüber der Stromverbrauch steigt oder die Produktion nachlässt, springen die Turbinen der Pumpspeicherwerke an: Sie liefern Strom zur Spitzenzeit.

Dafür hat sich die Eon-Tochter Wasserkraft GmbH bereits tief durch den Berg gebohrt: Das Kraftwerk Waldeck II entstand 1975 in einer der größten künstlichen Höhlen der Welt: 106 Meter lang, fast 34 Meter breit und 54 Meter hoch.

Mehr als fünf Millionen Kubikmeter Wasser können die Becken auf den Bergen fassen, um die Turbinen zu füttern. Wenn diese Kraftwerke anspringen, sind sie Schnellstarter: Sie können innerhalb von 90 Sekunden vom Stillstand auf volle Leistung hochfahren. Ein normales Braunkohlekraftwerk bräuchte dazu mehr als drei Stunden.

„Pumpspeicherwerke sind sehr flexibel“, heißt es bei der Statkraft Marketing GmbH in Düsseldorf. Die Tochter des norwegischen Versorgers hat 2009 von Eon das Pumpspeicherkraftwerk Erzhausen (Kreis Northeim) im Leinetal mit einer Leistung von 220 Megawatt übernommen. Sie untersucht, wie die Leistungsfähigkeit der Anlage ausgebaut werden kann.

Maximal sechs bis acht Stunden am Tag können die Kraftwerke Waldeck I und II laufen. Rein Rechnerisch können sie den Jahresstrombedarf von fast 450 000 Haushalte produzieren. Dass die Zahl der bundesweit 35 Anlagen stark wächst, ist trotzdem kaum zu erwarten: „Die Möglichkeiten, weitere Pumpspeicherkraftwerke in Deutschland zu errichten, sind sehr beschränkt“, stellt Statkraft fest.

Von Barbara Will

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