K+S spricht von Fehlern und Falschinformationen

Werraversalzung: K+S kontert Kritik aus der SPD

Kassel. Mangelnde Bemühungen zur Vermeidung von Salzabfällen im Werra-Kalirevier haben sieben SPD-Bundestagsabgeordnete von der Weser per Brief an die EU-Kommission beklagt.

K+S sieht in der Kritik der Politiker aus Hessen, Niedersachsen und NRW „Fehler und Falschinformationen“ und hat deshalb selbst nach Brüssel und an die SPD-Absender geschrieben.

Die Werra/Weser-Anliegerländer seien über wesentliche Schritte bis 2021 einig, die K+S und Hessen schon 2014 verabredet hätten, so der Kasseler Konzern. Neue Produktionstechnik solle bis 2018 das Salzabwasser des Werks Werra um weitere 20 Prozent auf 5,5 Mio. Kubikmeter jährlich senken. Das bringe mehr als nur die behauptete „minimale Verringerung“. Falsch sei auch die Aussage, die Abdeckung derart steiler Abraumhalden wie an der Werra sei noch nie gelungen. Die Halde Sigmundshall in Niedersachsen werde derzeit abgedeckt. Sie sei kleiner als die Halden in Hessen, aber ebenso steil.

Wenn Großversuche hier klappten, könnten ab etwa 2025 auch Halden an der Werra begrünt werden, um Salzwasserauswaschung zu verringern. Die Entsorgung von Salzabwasser in den flachen Abbauen aktiver Bergwerke in Hessen werde bis 2018 erprobt - vor allem mit Blick auf die Langzeitsicherheit.

Konter auch gegen den Vorwurf, nötige Investitionen nicht tragen zu wollen: „Insgesamt investiert K+S innerhalb weniger Jahre 800 Mio. Euro in den Umweltschutz - allein am Standort Werra.“ Damit sei die Abwassermenge von 20 Mio. Kubikmetern 1997 auf jetzt sieben Millionen reduziert worden. Der „Unterstellung, K+S würde Arbeitsplätze gegen Umweltschutz ausspielen, (...) möglicherweise sogar Politik und Behörden unter Druck setzen, treten wir mit aller Entschiedenheit entgegen“, schreibt K+S-Vorstandschef Norbert Steiner.

Weitere Versenkung 2017? 

Kurzfristig bleibt offen, ob K+S vom Regierungspräsidium Kassel bis Ende 2016 noch grünes Licht zur Versenkung zusätzlicher Abwassermengen in den Untergrund erhält. Der mit Blick auf den Grund- und Trinkwasserschutz jüngst gestoppte Entsorgungsweg ist der zweite neben der Direkteinleitung in die Werra. Weitere Versenkung ab 2017 rückt nach Angaben von CDU und Grünen im hessischen Landtag aber näher: Das Computermodell, das die Ausbreitung versenkter Salzabwässer im Untergrund kontrollieren und vorhersagen soll, hielten Experten jetzt für ausreichend präzise, hieß es am Donnerstag. Nun könne das Regierungspräsidium Kassel endlich über Verlängerung entscheiden.

Ausweg in Niedersachsen 

Nach jüngsten Entsorgungsengpässen sucht K+S dennoch weitere Auswege: Ein erster führt zum stillgelegten Bergwerk Bergmannssegen-Hugo in Sehnde bei Hannover. Dort läuft die vorgeschriebene Flutung der Grube seit Jahren - ab sofort mit Salzabwasser aus Hessen. 1500 Kubikmeter täglich, zehn Prozent der im Werk Werra anfallenden Menge, sollen in 50 bis 70 Tank-Lkw nach Norden rollen - später mehr, auch per Zug.

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