Märkte ziehen Lebensmittel zurück

Wie gefährlich ist Fipronil? Das müssen Sie zum Eier-Skandal wissen

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Millionen von Eiern werden in den Niederlanden vernichtet.

Der Skandal um verseuchte Eier verunsichert die Verbraucher. Viele fragen sich: Kann ich jetzt noch bedenkenlos Eier essen? Worauf sollte man achten? Ein Überblick.

München - Millionen Eier sind mit dem Insektizid Fipronil belastet. „Verbraucher sollten die Eier nicht konsumieren, sondern entsorgen oder ihrem Einzelhändler zurückgeben“, erklärte die Bremer Senatorin für Gesundheit und Verbraucherschutz, Eva Quante-Brandt. Am Wochenende war bekannt geworden, dass mit Fipronil belastete Eier aus den Niederlanden nach Deutschland geliefert wurden.

Was ist Fipronil?

Fipronil ist ein Insektizid. Es wird unter anderem gegen Flöhe, Läuse, Zecken, Schaben und Milben eingesetzt. Eine Anwendung bei Nutztieren, die zur Lebensmittelherstellung dienen, ist nicht zulässig.

Wie ist das Insektizid in Eier gelangt?

Als Auslöser der Fipronil-Verseuchung von Eiern gilt das Desinfektionsmittel Dega-16, mit dem Blutläuse bei Geflügel bekämpft werden sollen. Darin wurde Fipronil beigemischt. Unklar ist, ob dies bei einem belgischen Händler oder dem niederländischen Reinigungsbetrieb geschah. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. In den Niederlanden wurde mittlerweile Fipronil in Eiern von diversen Geflügelbetrieben nachgewiesen.

Welche Eier sind mit Fipronil belastet?

In mehreren Bundesländern (Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Schleswig-Holstein) sind möglicherweise belastete Eier aus den Niederlanden aufgetaucht – darunter auch Bio-Eier. Verbraucher können anhand der aufgestempelten Nummern selbst überprüfen, ob Eier in ihrem Kühlschrank mit dem Insektizid Fipronil belastet sind. Aktuell sind nach Angaben des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit (LVL) Eier mit den folgenden Nummern betroffen:

  • 1-DE-0357731
  • 1-NL 4128604
  • 1-NL 4286001
  • 0-NL 4392501
  • 0-NL 4385501
  • 2-NL-4015502
  • 0-NL-4310001
  • 1-NL-4167902
  • 1-NL-4385701
  • 1-NL-4339301
  • 1-NL-4339912
  • 2-NL-4385702
  • 1-NL-4331901
  • 2-NL-4332601
  • 2-NL-4332602
  • 1-NL-4359801.

Nicht auszuschließen ist, dass in den kommenden Tagen noch weitere Nummern hinzukommen. Darüber hinaus warnen die niederländischen Behörden vor weiteren Eiern, darunter vor allem die mit der Nummer 2-NL-4015502. Sie sind zwar nur in den niederländischen Handel gelangt. Wer in dieser Zeit in den Niederlanden eingekauft hat, könnte diese Eier aber nach Deutschland gebracht haben.

Was sollte man mit belasteten Eiern tun?

Die zuständigen Ministerien der betroffenen Bundesländer raten dazu, belastete Eier zu entsorgen. Das geht ganz regulär über die Restmülltonne. Wer will, kann die betroffenen Eier jedoch auch zum Händler zurückbringen und sein Geld zurückfordern.

Ist Fipronil für den Menschen gefährlich?

Wie genau Fipronil auf Menschen wirkt, ist nicht bekannt. In Experimenten mit Ratten schädigte der Stoff Nervensystem und Leber, erklärt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Es reizt nicht Augen oder Haut, löst keine allergischen Hautreaktionen aus und ist nach derzeitigem Stand weder erbgutschädigend noch krebserregend.

Wie wird berechnet, wie viel Fipronil für den Menschen eventuell schädlich ist?

Auf Grundlage von Tierexperimenten wurde im Rahmen der EU-Wirkstoffprüfung für Pflanzenschutzmittel eine Referenzdosis – kurz ARfD – berechnet. Sie gibt die Menge eines Stoffs pro Kilogramm Körpergewicht an, die man innerhalb von 24 Stunden ohne erkennbares gesundheitliches Risiko verzehren kann. Für die Berechnung wurde der Wert, der im Tierexperiment noch keine gesundheitliche Folgen hatte, durch 100 geteilt. Die errechnete Dosis liegt bei 0,009 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht.

Wie viele belastete Eier müsste ein Erwachsener essen, um die Dosis zu überschreiten?

In belgischen Eiern wurden bisher die höchsten Werte gemessen: 1,2 Milligramm pro Kilo Ei. Legt man diesen Wert zugrunde, kann ein Erwachsener mit 65 Kilo Körpergewicht sieben Eier innerhalb von 24 Stunden essen, ohne den Wert zu überschreiten. „Eine Überschreitung der ARfD bedeutet aber nicht zwangsläufig eine konkrete Gesundheitsgefährdung“, erklärt das BfR. Es bedeutet, dass eine Gefährdung möglich ist.

Sind Kinder anders gefährdet als Erwachsene?

Für Kinder gilt derselbe Richtwert wie für Erwachsene. Sie müssen aufgrund ihres geringeren Körpergewichts aber natürlich deutlich weniger Eier essen, um die Dosis zu erreichen. Das BfR gibt ein Rechenbeispiel: Bei einem Kind mit einem Gewicht von 16,15 Kilo wären es 1,7 Eier mit der höchsten Fipronil-Belastung innerhalb von 24 Stunden.

Enthalten auch Lebensmittel, in denen betroffene Eier verarbeitet wurden, das Insektizid?

Laut BfR wird Fipronil nicht abgebaut, wenn die Eier gekocht oder gebacken werden. Das BfR nimmt daher an, dass Lebensmittel, in denen belastete Eier stecken, genauso viel Fipronil enthalten wie die verarbeiteten Eier selbst. Wie viel Fipronil etwa in einer Portion Eiernudeln steckt, hängt von der Menge Eier ab, die in den Nudeln verarbeitet wurden. Woher verarbeitete Eier in Lebensmitteln stammen, ist für Verbraucher allerdings in der Regel nicht nachvollziehbar.

Wie hat der Handel auf den Fipronil-Verdacht reagiert?

Die großen deutschen Discounter haben den Verkauf von Eiern aus Betrieben, die unter Fipronil-Verdacht stehen, bereits gestoppt. Zugleich betonten die großen Ketten, dass Kunden die Ware unkompliziert zurückgeben könnten. So hat etwa Lidl besagte Eier aus den Regalen genommen. Auch Aldi Süd bezieht nach eigenen Angaben bereits seit Anfang der Woche keine Eier mehr „aus Betrieben, bei denen der Einsatz von Fipronil bekannt ist oder der Status unklar“ sei. Rewe und seine Discounttochter Penny hatten am Mittwoch mitgeteilt, Eier aus den Niederlanden – „also diejenigen, die mit NL geprintet sind“ – vorsorglich komplett aus dem Verkauf zu nehmen.

mm/dpa

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