Ungeliebtes Stickstoffgeschäft würde gut in Melnichenkos EuroChem-Konzern passen

Will Russe K+S-Sparte?

Stickstoffdüngung: Neben Kali und Phosphat brauchen die Böden auch stickstoffhaltige Dünger wie Ammoniumnitrat oder Kalkammonsalpeter. Foto: dpa

kassel. Der Verkauf eines Teils des Düngemittelgeschäfts von BASF an den russischen EuroChem-Konzern des Milliardärs Andrej Melnichenko könnte Dynamik in die Neuausrichtung von K+S bringen. Denn der Kasseler Kali- und Salzproduzent ist mit seiner Sparte Nitrogen der Exklusiv-Vermarkter der Stickstoffdünger von BASF und somit alleiniger Abnehmer für diese Produktfamilie.

Künftig also wird nicht mehr BASF, sondern Melnichenkos EuroChem Lieferant und Vertragspartner von K+S sein. Das ist umso pikanter, als der russische Unternehmer 9,88 Prozent der K+S-Aktien hält. Branchenkenner glauben, dass Melnichenko dem K+S-Konzern bald ein Angebot für dessen Stickstoff-Aktivitäten unterbreitet.

Sollten die beiden ins Geschäft kommen, könnte Melnichenko mit K+S-Aktien zahlen, zumal er das Interesse an dem Bergbaukonzern verloren zu haben scheint. Erst im Juli hatte der Milliardär seinen Anteil von einst 16 auf unter zehn Prozent reduziert.

K+S wäre bei einem guten Angebot gar nicht abgeneigt, die Stickstoffaktivitäten abzustoßen. Wiederholt hat Vorstandschef Norbert Steiner die Fokussierung des Rohstoffunternehmens auf mineralische Erzeugnisse wie Kali und Magnesiumprodukte sowie Salz unterstrichen. In diesem Zusammenhang hat K+S unlängst die Gartendünger-Sparte Compo (Münster) an den britischen Finanzinvestor Triton verkauft.

Für eine Veräußerung der Nitrogen-Sparte spricht auch, dass die Margen im Stickstoffgeschäft vergleichsweise mickrig sind. Nur drei bis vier Cent Gewinn vor Steuern bleiben von jedem Euro Umsatz übrig. Zum Vergleich: Im lukrativen Kali-Geschäft waren es 2010 fast 26, beim Salz immer noch sehr ordentliche 13 Cent. Umsatzmäßig allerdings ist der Bereich durchaus bedeutend. 2010 entfielen bei einem Gesamtumsatz von fast fünf Milliarden Euro, gut 800 Millionen auf Stickstoffdünger. 180 Beschäftigte hat die in Mannheim angesiedelte Sparte, davon 90 im Inland.

K+S wollte die Spekulationen nicht kommentieren. Offiziell hieß es, dass man den Verkauf eines Teils der BASF-Stickstoffproduktion an EuroChem zur Kenntnis nehme. Die Lieferverträge könnten frühestens Ende 2014 gekündigt werden. Im Übrigen könnten die betreffenden Stoffe auch von anderen Produzenten bezogen werden.

Wie berichtet, übernimmt EuroChem für 700 Mio. Euro das Stickstoff-Werk von BASF im belgischen Antwerpen und die 50-Prozent-Beteiligung an einem Gemeinschaftsunternehmen mit dem französischen Mineralölkonzern Total im elsässischen Ottmarsheim.

BASF betrachtet die Herstellung von Stickstoffdünger nicht mehr als Kerngeschäft. Dagegen passt der Bereich hervorragend in den EuroChem-Konzern, der in Osteuropa eine starke Marktposition mit diesen Produkten hat, und sein Stickstoffgeschäft mit den BASF-Aktivitäten nach Westeuropa und Übersee ausweiten kann.

Von José Pinto

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